Die Abhängigkeit vom Dollar bleibt vorerst ohne Alternativen

Versuche, sich von der Abhängigkeit des Dollar zu lösen mehren sich. Doch für die Leitwährung gibt es derzeit keine echte Alternative. (Foto: Yulia Grigoryeva / Shutterstock.com)

Noch ist der US-Dollar die Weltleitwährung. Er wird es auch noch längere Zeit bleiben, doch die lange unangefochtene Dominanz hat verwundbare Stellen. Sie wird derzeit aktiv untergraben und sogar von ungewohnter Stelle infrage gestellt. So ist China auf dem Weg, Rohstoffe in Yuan abzurechnen und Bundesaußenminister Maas möchte Europa mit eigenen Instituten von der Abhängigkeit vom Dollar lösen.

Aggressiver Druck schafft Gegenwehr

Das System, das seit Ende des Zweiten Weltkriegs besteht, verliert an Kraft. Damals löste der Dollar das Britische Pfund als Leitwährung ab. Jahrzehntelang standen die USA für 40 % der globalen Wirtschaftsleistung. Mittlerweile sind es noch 23 %. Vor allem China hat aufgeholt. Und Donald Trump, der Amerika zu alter Größe führen will, ist dabei, den Verfallsprozess zu beschleunigen.

Indem er mit seiner aggressiven Politik die weltweite Abhängigkeit vom Dollar als Druckmittel nutzt, setzt er Kräfte frei, die nach Auswegen suchen. Doch das ist nicht gar so einfach. Nichts in der Finanzwelt und Wirtschaft läuft ohne den Dollar und Amerika.

Globale Dollar-Abhängigkeit

Die Fed hält bei Zinsentscheidungen die Welt in Atem. Rohstoffe werden in Dollar gehandelt, zahlreiche Finanzinstrumente ebenfalls. Gerade Schwellenländer sind auf Dollarbasis verschuldet. Der Internationale Währungsfonds IWF sitzt in Washington, die Weltbank ebenso.

Das Swift-System, über das alle Banken abrechnen, sitzt zwar in Belgien, doch über Abkommen können die USA den Datenverkehr einsehen. Auch wird es bisweilen genutzt, um Länder wie den Iran vom Zahlungsverkehr auszuschließen. Obendrein halten viele Staaten US-Staatsanleihen, mit denen sie die Verschuldung der Amerikaner finanzieren.

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Verschiedene Loslösungsversuche

Versuche, Alternativen zu etablieren, gibt es schon länger. Russland hat ein eigenes Swift-kompatibles System aufgebaut, um US-Sanktionen zu entgehen. Erneute Sanktionen gegen den Iran sorgten jüngst für Streit, als Trump das Atomabkommen einseitig kündigte, während andere Länder und Europa daran festhalten und weiterhin mit dem Iran Handel betreiben wollen. Daraufhin sprach sich Außenminister Maas dafür aus, Europa mit eigenen Zahlungskanälen, einem eigenen Währungsfonds und unabhängigem Swift-System von der Abhängigkeit der USA lösen.

Auch wenn dies nicht sehr realistisch erscheint, so ist allein der öffentliche Vorstoß ungewöhnlich. Derweil hat es China geschafft, sich bei Ölkontrakten einen Marktanteil von fast 15 % zu erarbeiten, abgerechnet wird in Yuan. Es ist ein bescheidener Anfang. Aber wenn es Peking gelingt, genügend Partner auf seine Seite zu ziehen, kann der schleichende Prozess an Fahrt aufnehmen.

US-Staatsanleihen kein echter Trumpf für China

Und was ist mit den vielen US-Staatsanleihen, die China hält? Auf den ersten Blick erscheinen sie als Trumpf in der Hinterhand. Immerhin befindet es sich im erbitterten Handelsstreit mit Trump. Hongkong eingerechnet, hält es mit 1,4 Bio. US-Dollar die meisten amerikanischen Staatschulden. Russland hat bereits ganze Pakete abgestoßen.

Würde China dies tun, wären die Folgen dramatisch – allerdings für beide Seiten. Der Wert des Dollar würde sofort abstürzen, was wiederum chinesische Exporte in die USA entsprechend verteuern würde. Die derzeitigen Strafzölle machen Peking genug zu schaffen. Und selbst wenn Peking sich zum Verkauf entschließen würde, könnte die Fed die Anleihen unbegrenzt aufkaufen. Weil eine derartige Option einer Kriegserklärung gleichkäme, die zudem das weltweite Finanzsystem bedroht, kommen beide Seiten nicht um Verhandlungen herum.

Derweil ist es eher der US-Präsident selbst, der die Stellung des Dollar schwächt. Mit immer mehr zusätzlichen Schulden wird weiteres ausländisches Kapital für weitere Anleihen benötigt. Sobald die Finanzwelt misstrauisch wird, dürften viele ihre Dollar-Reserven abbauen. Dennoch wird die US-Währung ihre Stellung nicht so schnell verlieren. Es gibt nämlich auch keine echte Alternative. Die Grundkonstruktion des Euro ist noch zu anfällig und der Yuan ist weitgehend staatlich reguliert.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.