Die Baubranche als globaler Gewinner

Mehrere Baukräne auf einer Baustelle beim Sonnenuntergang

Die Baubranche ist der Gewinner im weltweiten Bauboom. Überall geht es um Wohnungen, Gebäude und Infrastruktur. (Foto: Imagemaker - Fotolia)

Egal, ob man vor die Haustür geht oder übers Land fährt, überall sind Baustellen und Kräne zu sehen. Sichtbare Zeichen der Baubranche als Gewinner im Bauboom, der nicht nur Deutschland erfasst hat. Wohnhäuser, Bürogebäude, Straßen, Schienennetz, Flughäfen, öffentliche Anlagen – weltweit sind erfahrene Unternehmen gefragt, die kleinere und größere Vorhaben solide und termingerecht erledigen.

Baubranche als Gewinner im Bauboom

Derzeit läuft es fast in allen Weltregionen gleichermaßen gut. Das war nicht immer so. Deshalb sind international tätige Konzerne die Gewinner der Baubranche. Die Globalisierung hilft ihnen, Schwächen im Heimatmarkt anderswo auszugleichen. Viele der weniger starken hingegen gerieten beispielsweise vor zehn Jahren in schweres Fahrwasser, als der Bau in Deutschland am Boden lag.

Seit mindestens drei Jahren allerdings laufen wieder die Betonmischer. Die Auftragseingänge erreichten im Mai dieses Jahres historische Höchststände, das Volumen legte auf Jahressicht um 3,3 % zu. Allein in Deutschland wird mit 112 Mrd. Umsatz so viel gebaut wie seit 20 Jahren nicht. Bei der Entwicklung spielen mehrere Gründe ineinander: Die verbreitet veraltete Infrastruktur muss auf Vordermann gebracht werden. Die Migrationsbewegungen erhöhten den Druck auf das ohnehin mangelnde Wohnungsangebot.

Befeuert wird das alles durch anhaltend niedrige Zinsen, die nicht nur Baukredite verbilligen, sondern den Druck auf alternative Geldanlageformen erhöhen. Kein Wunder, dass neben Aktien und Immobilien die Baubranche Gewinner der Entwicklung ist. Zu den stabilen Größen an Europas Börsen zählen der deutsche Konzern Hochtief, Strabag aus Österreich sowie das französische Schwergewicht Vinci.

Hochtief

Der Essener Konzern ist global aufgestellt und neben Europa und Asien vor allem in Australien und den USA. Von dort stammt über ein Drittel seines Auftragsvolumens von über 45 Mrd. Euro. Zuletzt konnten die Umsätze zweistellig auf 22,63 Mrd. Euro zulegen. Der operative Gewinn sogar um 78 % auf 714 Mrd. Euro. Damit wurden die Erwartungen übertroffen. Und die Aussichten sind sehr gut. Auf Fünfjahressicht legte die Aktie im Mdax um 125 % zu.

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

TransEnterix-Aktie: US-Konzern will seine Roboter in den Operationssaal bringenVielleicht haben Sie schon einmal von dem US-Konzern Intuitive Surgical gehört. Der Konzern ist der unangefochtene Weltmarktführer, wenn es um robotergestützte Operationen geht.  › mehr lesen

Strabag

Auch das Plus der Strabag Aktie von 80,6 % im selben Zeitraum kann sich sehen lassen. Der Wiener Konzern ist vor allem in Europa, in Russland aber auch im arabischen Raum sowie in Kanada, Chile und Indien aktiv. Angeboten wird die gesamte Palette im Hoch- und Tiefbau in sämtlichen Spezialvarianten, inklusive Kraftwerke, Tunnel oder Offshore Anlagen. Der Umsatz stieg 2017 fast zweistellig auf 13,5 Mrd. Euro. Der operative Gewinn um 31 % auf 122 Mio. Euro. Die Aussichten: positiv.

Vinci

Mit 47,6 Mrd. Euro Börsenwert an der Pariser Börse ist Vinci ein europäisches Schwergewicht und weltweit einer der größten Baukonzerne. Gebaut wird überall so ziemlich alles. Nebenbei kauft Vinci einen Flughafen nach dem anderen. Die Umsätze sind zuletzt auf 40,88 Mrd. Euro gestiegen, der operative Gewinn auf 4,37 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2018 waren die Zahlen erheblich besser als erwartet. Die Aktie von Vinci brachte auf fünf Jahre gesehen ein Plus von fast 100 %.

Weltweit geht die Arbeit nicht aus

Alle drei Aktien sind mit einem braven KGV leicht unterbewertet und eine Kaufgelegenheit. Zudem bieten sie attraktive Dividendenrenditen ab 3.5 %. Wie sich schon bei Vinci zeigt, ist die Grenze zum Mischkonzern fließend. Auch Größen wie Saint Gobain sind eher im Baustoffbereich zu verorten. Nicht unspannend sind Bauzulieferer in einem anderen Bereich: Bauroboter etwa. Hier ist Kuka führend. Und nur wenige Kilometer östlich von der Zentrale in Augsburg sitzt Voxeljet, ein Hersteller von 3D-Druckern, mit denen er ganze Bauelemente produziert.

Insgesamt geht der Branche die Arbeit so schnell nicht aus. Zwar hat der Boom in Deutschland seinen Zenit im Sommer überschritten, die Volumina werden sinken. Dafür sind die globalen Aussichten erfreulich. Die Ausgaben für Infrastrukturprojekte werden laut Bloomberg in den kommenden zehn Jahren um rund 8 % jährlich steigen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.