Die Automobil-Industrie forciert den Wandel

Abgas-Manipulationen und drohende Fahrverbote haben die deutschen Autobauer offensichtlich wachgerüttelt. Auch deutsche Auto-Hersteller machen so langsam Ernst Auf der IAA […] (Foto: Roman Vyshnikov / Shutterstock.com)

Abgas-Manipulationen und drohende Fahrverbote haben die deutschen Autobauer offensichtlich wachgerüttelt.

Auch deutsche Auto-Hersteller machen so langsam Ernst

Auf der IAA im September wurde deutlich, dass es den deutschen Herstellern mit der Elektromobilität jetzt ernst ist:

  • Daimler will seine gesamte Produkt-Palette bis 2022 elektrifiziere.
  • BMW will 2025 mind. 25 Elektromodelle und Plug-in-Hybride im Angebot haben.
  • Auch VW investiert 20 Mrd. € in die E-Mobilität und will bis 2025 rund 80 Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen.

Noch aber sind alternative Antriebe ein Randgeschäft, mit dem sich kaum Geld verdienen lässt.

So hat BMW, die deutsche Nr. 1 im Bereich Elektromobilität, in den ersten 9 Monaten zwar 69.000 Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge verkauft – und damit 64% mehr als im Vorjahr.

Bezogen auf den Gesamt-Absatz sind das aber nur 3,8%.

E-Mobilität steht nach immer noch vor großen Herausforderungen

Denn die größten Probleme der E-Mobilität sind längst noch nicht gelöst:

  • der Bezug von Rohstoffen wie Lithium und Kobalt, die für die Batterie-Herstellung notwendig sind,
  • die unzureichende Lade-Infrastruktur,
  • lange Ladezeiten,
  • die geringe Reichweite
  • und nicht zuletzt der vergleichsweise hohe Preis eines Elektrofahrzeuges.

Zudem muss sich die Stromerzeugung ändern. Denn solange Strom aus Braun- und Steinkohle gewonnen wird, ist auch die CO2-Bilanz eines Elektro-Autos verheerend.

Der Elektromotor kann daher nicht die einzige Option für die Mobilität der Zukunft sein. Brennstoffzellen und synthetische Kraftstoffe sind Alternativen, die ebenfalls weiterentwickelt werden müssen.

Honda, Toyota und Hyundai bieten bereits Brennstoffzellen-Autos in Serie an, die allerdings für die breite Masse kaum erschwinglich sind.

Aber auch diese Technologie hat nur einen Sinn, wenn der Wasserstoff nur aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

EU-Vorgaben bereiten der Branche große Probleme

Die E-Mobilität ist eine Herausforderung, die CO2-Vorgabe der EU eine andere:

2021 dürfen neu zugelassene Fahrzeuge im Durchschnitt nur noch 95g CO2 / km ausstoßen. Wird die Vorgabe nicht erfüllt, drohen Geldbußen.

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Bis 2030 sollen die Hersteller den CO2-Ausstoß nochmals um 30% reduzieren, bezogen auf den Grenzwert für 2021.

Gleichzeitig soll der Anteil emissionsfreier Fahrzeuge bis 2025 auf 15% und bis 2030 auf 30% der Neuwagen steigen.

Anders als bei der CO2-Vorgabe drohen hierbei bei Nicht-Erfüllung jedoch keine Strafen.

Schon das CO2-Ziel ist ohne Diesel-Technologie kaum zu erreichen. Insofern wird auch weiterhin kräftig in den Selbstzünder investiert. Aber die Absatz-Zahlen gehen zurück.

Nicht nur die Abgas-Manipulation bei VW, auch die Diskussion über Fahrverbote wegen zu hoher Stickoxid-Werte verunsichert die Verbraucher, die sinkende Wiederverkaufswerte befürchten.

Allein in Deutschland ging der Absatz von Diesel-Neuwagen in den ersten 9 Monaten um 11% zurück, im September sogar um 21,3%.

In anderen Ländern Europas verläuft die Entwicklung ähnlich. Und Branchen-Experten gehen davon aus, dass sich der Negativtrend auch fortsetzen wird.

Automobil-Industrie unter Kartell-Verdacht

Ende Juli 2017 wurde obendrein der Vorwurf erhoben, BMW, Daimler und VW hätten über Jahre hinweg Absprachen getroffen, u. a. über

  • die Lösung von Abgas-Problemen,
  • die Auswahl von Lieferanten
  • und Stahlpreise.

Sollte das Bundeskartellamt ein wettbewerbswidriges Verhalten feststellen, drohen Geldstrafen in Höhe von bis zu 10% des Umsatzes.

Hinzukommen können Schadenersatz-Leistungen an Verbraucher und Zulieferer.

Fazit

Die europäischen Hersteller werden noch viele Jahre gute Geschäfte mit herkömmlichen Autos machen.

Sie müssen aber aufpassen, dass sie in Sachen E-Mobilität nicht von der Konkurrenz aus Übersee abgehängt werden.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.