Die Bundeswehr ist ein Sanierungsfall – das sind die Gewinner

Zu den Rüstungsaktien, die von Investitionen in die Bundeswehr profitieren, gehören vor allem Rheinmetall und Airbus. Der Sektor hebt ab. (Foto: Katja Pruess / shutterstock.com)

Das Geschäft mit der Abschreckung und Angst ist längst zu neuer Blüte erwacht. Sind etwa amerikanische Rüstungsfirmen schon längst mit Aufträgen durch aufgestockte Verteidigungsbudgets eingedeckt, kommt auch Deutschland nicht mehr länger um höhere Ausgaben für die Bundeswehr herum. Von Investitionen werden Rüstungsaktien auch hierzulande profitieren.

Druck, den Verteidigungsetat zu erhöhen

Zwar hat Finanzminister Scholz erklärt, die Bundeswehr habe bei den Ausgaben keine Priorität, doch die Fakten sprechen dagegen. Deutschland steht unter Druck. Die Ausrüstung ist mangelhaft, Flugzeuge und Panzer sind in großen Teilen überhaupt nicht einsatzbereit. Es fehlt an allen Ecken. Hinzu kommt der massive Druck von Seiten der Nato-Verbündeten.

Das Bündnis hat sich darauf geeinigt, dass jedes Mitglied mindestens 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung ausgibt. Bislang sind es in Deutschland 1,24 %. Das Verteidigungsministerium will nun den Etat in diesem Jahr um 15 % auf 38,5 Mrd. Euro aufstocken. Das Ziel von 2 %, das übrigens auch in den Richtlinien einer gemeinsamen europäischen Verteidigung definiert ist, soll bis in sieben Jahren erreicht werden. Dann dürfte es sich um einen Betrag von rund 70 Mrd. Euro handeln. Zum Vergleich: In den USA sind es 700 Mrd. US-Dollar.

Investitionen in die Bundeswehr beflügeln Rüstungsaktien

Wenn eine Rüstungsaktie von Investitionen in die Bundeswehr profitiert, dann auf jeden Fall Rheinmetall. Das MDax-Unternehmen ist ein Mischkonzern, der mit den Bereichen Automotive und Defence auf zwei Beinen steht. Im Verteidigungsbereich entfallen gut 70 % der Erträge aufs Auslandsgeschäft. Paradebeispiel für Militärgerät ist der Bau wichtiger Teile für den Panzer Leopard.

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Rheinmetall konzentriert sich auf Gefechtstürme, Bewaffnung und Munition. Weitere bekannte Rheinmetallprodukte sind der Schützenpanzer Puma, Panzerhaubitzen oder der Radpanzer Fuchs und Boxer. Neben etlichen Bestellungen aus dem Ausland hat schon 2017 die Bundeswehr 3.000 Transportfahrzeuge, 33 Puma Panzer und eine Erweiterung für dieselben geordert.

Die Umsätze des Konzerns sind 2017 um über 5 % auf 5,96 Mrd. Euro gestiegen. Der operative Gewinn legte um 25,45 % auf 276 Mio. Euro zu. Die Umsätze werden dieses Jahr vermutlich um über 8 % zulegen. Die Rüstungsaktie ist seit über 10 Jahren mit Zuwächsen im grünen Bereich. Auf Jahressicht lag das Plus bei fast 33 %.

Luftwaffe muss einsatzbereit werden und vorsorgen

Fast genauso sieht es bei der Aktie von Airbus aus. Neben der zivilen Luftfahrt ist der ebenfalls im MDax gelistete Konzern auch im Militärbereich aktiv. Hier ist Airbus unter anderem am Eurofighter beteiligt. Die Luftwaffe muss dringend ihren Bestand auf Vordermann bringen. Nur wenige Flugzeuge sind einsatzbereit. Nach Jahren von Einschnitten und Sparrunden werden nun am größten Standort in Manching 300 neue Stellen für die Wartung und Produktion geschaffen.

Hoffnungen werden in ein Nachfolgemodell für den veralteten Tornado gesetzt. Und darüber hinaus überlegen Berlin und Paris, ob als Nachfolger für den Eurofighter selbst ein Gemeinschaftsprodukt von Airbus und Dassault infrage kommt. Die Unternehmen haben ihre Entwicklungen bereits begonnen. Airbus profitiert vor allem von den Plänen, innerhalb der EU im Militärbereich verstärkt länderübergreifend zu arbeiten.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.