Die Commerzbank leuchtet wieder – warum?

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Die Commerzbank Aktie hat sich überraschend seit einem Jahr verdoppelt. Der Konzernumbau kommt voran, und ein Großinvestor zeigt Interesse. (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

Die Commerzbank scheint sich von ihren Problemen zu erholen. Der tiefgreifende Konzernumbau trägt erste Früchte. Zumindest sieht das der Markt so. Ende Juni erreichte die Commerzbank-Aktie die magische Marke von 10 € und bewegt sich in einem Bereich wie zuletzt 2015. Vor 12 Monaten war sie mit 5,2 € an ihrem Tiefpunkt. Seitdem hat sie ihren Kurs verdoppelt.

Commerzbank-Aktie im Wert verdoppelt

Und das obwohl der Gewinn im letzten Jahr von zuvor 1,06 Mrd. € auf 279 Mio. € eingebrochen war. Die verhaltene Aussicht auf eine „schwarze Zahl“ fürs laufende Jahr kann auch nicht der Ausschlag für den Auftrieb der Commerzbank-Aktie sein. Es ist vor allem die Aussicht auf das Nachholpotenzial des Turnaround-Kandidaten. Und dafür gibt es Anhaltspunkte.

Zum einen ist da die jüngste Einigung mit dem Betriebsrat, die den Weg für den Abbau Tausender Stellen ebnet. Die Commerzbank will mit ihrer „Strategie 4.0“ kleiner, effizienter und profitabler werden. In Sachen Profitabilität sind andere Häuser schon weiter. Die durchschnittliche Kostenquote in Europas Banken liegt bei 63,2 %. Bei der Commerzbank sind es noch 78,8 %. In Cent ausgedrückt ist das der Betrag, der von jedem eingenommenen Euro für Aufwendungen draufgeht.

Wie der Begriff „Strategie 4.0“ ahnen lässt, geht es darum, Personal durch digitalisierte Vorgänge zu ersetzen. Die Automatisierung von rund 80 % aller Routinearbeiten soll bis 2020 abgeschlossen sein. Das Ziel beim Personalbestand liegt bei dann 36.000 Angestellten.

Fortschritte locken Finanzinvestor an

Nach bereits erfolgten 1.650 Entlassungen geht es noch um 9.600 Arbeitsplätze, die bis dahin wegfallen sollen. Am stärksten trifft es die Sparte Firmenkunden. Aber auch in der Frankfurter Zentrale wird es leerer werden. Abfindungen von mindestens 20.000 € sollen betroffene Mitarbeiter für den Abgang in den Vorruhestand entschädigen.

Das ist günstiger und planbarer als jahrelange Gerichtsverfahren. Allerdings muss die Bank dafür zunächst 810 Mio. € einstellen, was den Gewinn drückt und die Vorsicht bei der Ankündigung einer  „schwarzen Zahl“ für dieses Jahr erklärt.

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Ein weiterer Anlass für den jüngsten Auftrieb der Commerzbank-Aktie waren Gerüchte um eine anstehende Beteiligung des amerikanischen Finanzinvestors Cerberus. Geplant ist angeblich eine Minderheitsbeteiligung an Deutschlands zweitgrößter Privatbank, an der der Staat seit der Rettung nach der Finanzkrise rund 15 % Anteile hält.

Cerberus schätzt die weitere Entwicklung des europäischen Bankensektors sehr positiv ein und will nun vermutlich einen Fuß in die Tür bekommen. Bei der HSH Nordbank hatte es der Investor bereits vergeblich versucht, war dann aber bei der österreichischen Bawag zum Zug gekommen, wo er nun 52 % hält.

Ende der Dividendenpause in Sicht

Europäische Bankentitel sind wieder interessant geworden. Mit ihrem Umbau kommt die Commerzbank zügig voran. Auch die Kostenquote hat sich bereits verbessert, die bis 2020 bei unter 66 % liegen soll. das Ziel soll durch Personalreduzierung und Digitalisierung erreicht werden.

Die Kosten für die Umstrukturierung werden den Gewinn im laufenden Jahr zwar drücken, doch danach dürfte der Weg auch für Dividenden wieder frei sein. Als positives Signal wird am Markt gesehen, dass die ursprünglich eingestellten 1,1 Mrd. € für den Konzernumbau sogar unterschritten wurden. Zudem hat die EZB den Ausstieg aus der Nullzinspolitik angedeutet, die den Banken lange zusetzte.

Dies, und der mögliche Einstieg von Cerberus, haben dazu geführt, dass sich die Commerzbank-Aktie derart gut entwickelt. Noch bis Mai hatten die meisten Beobachter mit einem erneuten Abstieg gerechnet. Die Verdoppelung des Kurses dürfte viele überrascht haben.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.