Die Eurozone wächst deutlich – Chance für Anleger?

Das Wirtschaftswachstum der Eurozone läuft besser als gedacht. Die Spitzenreiter Deutschland und Frankreich legen auch im ersten Quartal zu. (Foto: Imilian / Shutterstock.com)

Lohnt es sich auf europäische Aktien zu setzen? Immerhin brachte allein das letzte Jahr mit Brexit, Trump und politischen Gefahren für die EU eine Reihe neuer Unwägbarkeiten. Dennoch: Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone legte 2016 um 1,7 % zu.

Das war stärker als im Vorjahr und mehr als die USA, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,6 % zulegte. 2015 waren es dort noch 2,6 %. Auch in China ging es leicht bergab, von 6,9 % auf nicht ganz 6,5 % letztes Jahr.

Eurozone: solides Wirtschaftswachstum dank EZB

Das Wirtschaftswachstum der Eurozone geht vor allem auf deutliche Zuwächse in Deutschland, Frankreich und Spanien zurück. Am geringsten waren sie in Italien und Griechenland. Spitzenreiter Deutschland kam auf ein Plus von 1,9 %. Seit zwei Jahren geht es um 0,1 % bergauf. Höher war das Wachstum zuletzt 2011 und 2010, hatte sich damals aber aus dem Aufholeffekt nach der Rezession infolge der Finanzkrise ergeben.

Diesmal entstammt das beste Wirtschaftswachstum in der Eurozone einer endlich gestiegenen Kauflust deutscher Verbraucher. Auch die öffentlichen Ausgaben für Flüchtlinge sowie der anhaltende Bauboom trugen dazu bei. Insgesamt sind die Importe stärker gestiegen als die Exporte. Und dank insgesamt günstiger Konjunkturdaten kamen die Staatskassen auf einen Rekordüberschuss von 23,7 Mrd. €.

Weniger erfreulich waren die gebremsten Investitionen der Wirtschaft, und das trotz niedriger Zinsen. Ein Grund für die Verbände, die Regierung zu besseren steuerlichen Rahmenbedingungen aufzufordern. Zumindest sind die Konditionen für Verbraucher weiterhin günstig. Die Zinsen bleiben dank EZB weiterhin günstig, die Kaufkraft zieht an. Und der schwache Euro lässt die Preise für Rohstoffe, Öl und Energie genauso steigen wie die für Nahrungsmittel.

Erfreulicher Jahresauftakt

Diese Vorgaben beflügeln auch dieses Jahr die Konjunktur in Europa. Das erste Quartal 2017 lief besser als erwartet. Das Wirtschaftswachstum der Eurozone ist so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr. Industrie und Dienstleister zusammengefasst, stieg der relevante Einkaufsmanagerindex Markit Flash Eurozone um 0,7 auf 56,7 Punkte.


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Die Überraschung ist Frankreich, wo der Index gar um 1,7 auf 57,6 Punkte zulegte. Angeführt wird er vom dortigen Servicesektor, der so gut läuft wie zuletzt 2011. Erfreulicher Nebeneffekt: Die Zahl der Arbeitsplätze steigt wieder an. Auch in Deutschland verzeichnet der Jobaufbau Höchstwerte, vor allem in Servicebereich. Im Vergleich zu Frankreich legte der Einkaufsmanagerindex jedoch einen Tick weniger stark zu.

Auch wenn sich das Wachstum in den übrigen Ländern der Einheitswährung leicht abschwächte, so erreicht es insgesamt fast die Zehn-Jahres-Bestmarke und übertrifft das letzte Quartal 2016. Die Basis für einen Aufschwung ist breiter geworden. Und die Stimmung in den Unternehmen optimistischer.

Ob der gelungene Auftakt sich in weiteren Jahresverlauf fortsetzt, bleibt abzuwarten. Die bisherigen Prognosen gehen von einem Wirtschaftswachstum der Eurozone von 1,6 % aus, sehen aber für 2018 einen Zuwachs von 1,8 %. Diesen Wert soll die ganze EU angeblich dieses Jahr erreichen. 2016 lag hier das BIP bei 1,9 % und damit höher als das der Euroländer.

Comeback für Griechenland?

Und was machen die Sorgenkinder? Glaubt man der EU-Kommission, könnte Griechenland ein Comeback erleben. Die Prognose: Dieses Jahr legt das BIP um 2,7 % zu, nächstes Jahr um 3,1 %. Schlusslicht dürfte Italien sein, mit Werten von erneut 0,9 % und dann 1,1 %.

Insgesamt zeigt gerade die Erholung etwa in Frankreich oder noch deutlicher in Spanien, dass europäische Aktien noch Luft haben, zumal viele nicht so hoch bewertet sind. Ein ETF auf den EuroStoxx 600 von iShares brachte die letzten drei Monate mit 5,18 % kaum weniger als ein Vergleichsprodukt auf den Dax.

Selbst der iShares ETF auf den Dow Jones bringt es in dem Zeitraum nur noch auf 3,6 %. Der Trump-Hype hat deutlich nachgelassen. Das ehrgeizige 4%-Wachstumsziel des Präsidenten für die USA wird von der OECD längst bei realistischeren 2,3 % gesehen.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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