Die gespaltene EU: Absetz-Bewegungen in den reichen Regionen

Sie haben es selbst gesehen:

Die spanische Nationalpolizei, entsandt von der Madrider Zentral-Regierung, ging im Herbst 2017 mit Knüppeln und Gummigeschossen auf Wähler und Demonstranten in Katalonien los.

Darunter waren nicht nur Männer, sondern auch Frauen, Kinder und Senioren. Offiziell gab es über 900 Verletzte. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher.

Doch die Katalanen können im Zuge ihres Unabhängigkeits-Kampfes nicht auf die EU oder gar auf Deutschland hoffen.

Brüssel und Berlin sicherten Madrid ihre Unterstützung längst zu – die Verbrüsselung muss weitergehen.

Sie muss weitergehen, obwohl der EU-Moloch sich durch verschiedene Verträge (die Euro-Länder vereint durch die Gemeinschafts-Währung) zu einem reichen Nord- und einem armen Südteil entwickelte:

zu Geber- und Nehmerländern, v. a. aber zu einem Europa der Regionen.

Die gespaltene EU

Machen wir uns nichts vor, überall in Europa sind separatistische, nationalistische Bestrebungen im Gange, die den Zusammenhalt der Union gefährden:

  • in Spanien, wie beschrieben, durch Katalonien und das Baskenland.
  • In Nordirland flammt eine neue IRA (Irish Republican Army) auf, deren Ziel ebenfalls eine Abspaltung von Großbritannien ist und die eine Vereinigung mit Irland anstrebt.
  • In Belgien gab und gibt es ernst zu nehmende Bestrebungen des niederländischen Bevölkerungsteils von Flandern, sich vom französischen Landesteil Wallonien abzutrennen.
  • Und in Italien wollten die Südtiroler längst schon los von Rom.
  • Selbst in Griechenland, genauer im Ostteil der Insel Kreta in der Provinz Lasithi, formieren sich zunehmend – bislang aber nur symbolisch – Bestrebungen einer unabhängigen Republik Lasithistan.

Absetz-Bewegungen in den reichen Regionen

Der Spiegel schrieb schon vor Jahren dazu:

„Doch jetzt, da die nationale Souveränität zusehends schwindet, beanspruchen viele Regionen in Europa einen eigenen Staat. So, wie sich in der Euro-Zone ein Nord-Süd-Konflikt auftut, verstärken sich innerhalb der Staaten oft gerade in reichen Regionen die Absetz-Bewegungen.“

Genauso ist es!

BrExit und EU-Moloch

Der größte Verlust für die EU sind zweifelslos die im Zuge des BrExit ausscheidenden Briten.

Dass sich Großbritannien einmal abspaltet, hätte wohl keiner auch nur in seinen kühnsten Träumen erwartet, und doch hat die Mehrheit der Menschen dafür gestimmt.

Die Gründe sind fast immer dieselben, es geht um Kritik am EU-Moloch:

  • zu hohe Kosten,
  • zu viel Bürokratie,
  • zu viel Einmischung in Themen, die auf eine nationalstaatliche Ebene gehören, wie Ex-Premier David Cameron meinte.
  • Schon 1988 sprach sich Ex-Premierministerin Margaret Thatcher klar gegen einen Superstaat aus, wie er in Brüssel entstehe.

Die wahren und verschwiegenen Hintergründe des BrExit

Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit…

Die ganze wurde ohnehin von der hiesigen Politik und den Mainstream-Medien während der BrExit-Hetze verschwiegen.

Denn die Zustände in Großbritannien sind mitunter dramatisch: Nicht nur das untere Drittel der Gesellschaft verarmt zusehends, sondern auch die einst gut situierte Mittelschicht.

Die Sozialkürzungen betreffen v. a. Arbeitslose, Alte, Kranke, Familien mit geringem oder auch mittlerem Einkommen.

Über 6 Mio. Briten leben in einem Haushalt, in dem trotz Arbeit Armut herrscht. Das ist ein Anstieg von 1/5 in den letzten Jahren.

Viele Menschen können sich schon eine geringe Erhöhung der ohnehin horrenden Mieten nicht mehr leisten. Oft müssen sie in kleinere Wohnungen ziehen oder Nahrungsmittel einsparen.

Die Obdachlosigkeit nahm um über 25% zu. Die Einkommen der unteren Gesellschaftsschicht sollen bis zum Jahr 2020 sogar noch um 15% sinken.

Deshalb stimmten viele Menschen für den BrExit – in der Hoffnung, dass endlich alles besser wird.

11. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Guido Grandt. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt