Die Top 10 der umsatzstärksten Medikamente – Humira vor Harvoni

Bereits im Jahr 2015 setzte die Biotech-Industrie rund 133 Mrd. US-$ weltweit um, hinzu kommen die Erlöse der weltweiten Pharma-Industrie, die schon im Jahr 2014 die Umsatzmarke von 1 Billion US-$ überschritten haben.

Keine Frage, die Behandlung von Krankheiten ist auch weiterhin ein großes Geschäft für die weltweite Pharma- und Biotech-Industrie.

Zuletzt stand die Branche allerdings wegen steigender Medikamentenpreise in der Kritik. US-Präsident Donald Trump will das US-Gesundheitssystem rund um Obamacare reformieren und stark steigende Medikamentenpreise einen Riegel vorschieben, gleichzeitig soll aber auch das Zulassungsverfahren von Medikamenten beschleunigt werden.

Profitieren könnten hiervon die weltweit agierenden Pharma- und Biotech-Konzerne, die bereits Milliarden mit Blockbuster-Medikamenten umsetzen. Die Top 10 der weltweit umsatzstärksten Medikamente:

  1. Prevenar13 von Pfizer, Umsatz: 5,72 Mrd. US-$

Prevenar13 des US-Pharmagiganten Pfizer ist ein Pneumokokkenimpfstoff, der bei Kindern und Erwachsenen zum Einsatz kommt. Der Impfstoff schützt vor 13 Typen des Bakteriums Streptococcus pneumoniae. Das Medikament hilft, indem der Körper bei der Bildung eigener Antikörper unterstützt wird. In 2016 erzielte Pfizer mit Prevenar13 einen Umsatz von 5,72 Mrd. US-$ – ein Minus von 8,4% im Vergleich zum Vorjahr.

  1. Lantus von Sanofi, Umsatz: 6,05 Mrd. US-$

Das Diabetes-Medikament Lantus ist nach wie vor eines der Top-Produkte beim französischen Pharma-Konzern Sanofi. Seit 2 Jahren sinken allerdings die Umsätze, nachdem der Patentschutz auf Lantus im ersten Quartal 2015 ausgelaufen war. In 2016 setzte Sanofi mit Lantus noch 6,05 Mrd. US-$ um – 10,5% weniger als im Vorjahr.

  1. Herceptin von Roche, Umsatz: 6,75 Mrd. US-$

Das von Roche (Schweiz) vertriebene Medikament Herceptin (Wirkstoff: Trastuzumab) ist ein HER2-Antikörper, der gegen bestimmte Arten von Brust- und Magenkrebs zum Einsatz kommt und das Wachstum von Krebszellen hemmt. Im Jahr 2016 setzte Roche mit Herceptin 6,75 Mrd. US-Dollar um, ein Umsatzanstieg von 3,7% gegenüber dem Vorjahr.

  1. Avastin von Roche, Umsatz: 6,752 Mrd. US-$

Auch der monoklonale Antikörper Avastin (Wirkstoff: Bevacizumab) von Roche wird zur Behandlung von verschiedenen Krebsarten (Darm-, Lungen-, Brust-, Nieren-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs) eingesetzt.  Avastin gehört zur Gruppe der Immunglobuline (IgG1) und sorgte im Vorjahr bei Roche für einen Umsatz von 6,752 Mrd. US-$ – ein leichter Zuwachs von 1,5% gegenüber dem Vorjahr.

  1. Revlimid von Celgene, Umsatz: 6,97 Mrd. US-$

Revlimid (Lenalidomide) ist ein Medikament des US-Biotech-Konzerns Celgene zur Behandlung des multiplen Myelom. Revlimid gehört zur Klasse von Immunmodulatoren, sogenannten IMIDs (Immunomodulatory Drugs), wobei das Medikament zu den umsatzstärksten Medikamenten der Welt zählt. Allein in 2016 wuchs der Umsatz von Revlimid um mehr als 20% auf 6,97 Mrd. US-$. In 2017 soll der Umsatz von Revlimid auf 8,0 bis 8,2 Mrd. US-$ steigen.

  1. Remicade von Johnson & Johnson, Umsatz: 7,83 Mrd. US-$

Der Antikörper Remicade (Wirkstoff: Inflaximab) gehört zu den wichtigsten Medikamenten beim Pharma- und Konsumgüter-Hersteller Johnson & Johnson.

Der als TNF-Blocker bezeichnete Antikörper erkennt den TNF-alpha (Tumornekrosefaktor-alpha) und wird bei der Behandlung vieler rheumatischer Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Fistelbildungen, Colitis ulcerosa, Morbus Bechterew, der Psoriasis-Arthritis und Schuppenflechte eingesetzt.

Die J&J-Tochter Janssen Biotech hält den Großteil der weltweiten Vertriebsrechte an Remicade, in Europa, Russland und der Türkei hat die Merck-Tochter Schering-Plough die Lizenzrechte inne. Insgesamt erzielte Remicade in 2016 einen Umsatz von 7,83 Mrd. US-$ (6,56 Mrd. US-$ für Johnson & Johnson, 1,27 Mrd. US-$ für Merck & Co).

  1. Rituxan von Roche, Umsatz: 8,53 Mrd. US-$

Bei Rituxan (Wirkstoff: Retuximab) handelt es sich um einen monoklonalen Anti-CD20-Antikörper, der in der Krebstherapie zum Einsatz kommt, um maligne Lymphome zu behandeln. Retuxan wird aber auch zur Behandlung rheumatoider Arthritis eingesetzt, wenn sogenannte TNF-α-Hemmer nicht ansprechen.

Für den Schweizer Pharmariesen Roche hat Rituxan (Handelsname: MabThera) in Europa im Vorjahr einen Umsatz von 7,27 Mrd. US-$ erzielt, in den USA wird das Medikament von Biogen (Umsatz: 1,32 Mrd. US-$) vermarktet.

  1. Enbrel von Amgen, Umsatz: 8,87 Mrd. US-$

Bei Enbrel handelt es sich um ein gentechnisch hergestelltes Protein des US-Biotech-Giganten Amgen. Enbrel (Wirkstoff: Etanercept) wird zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Daneben kommt Enbrel auch bei der Behandlung von Psoriasis zum Einsatz.

Während Amgen die Vertriebsrechte für Enbrel für die wichtigen Märkte in den USA und Nordamerika hält, wird das Medikament in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Pfizer vermarktet. Für Amgen sorgte Enbrel in 2016 für einen Umsatz von 5,97 Mrd. US-$, Pfizer spielte das Medikament 2,91 Mrd. US-$ ein.

  1. Harvoni von Gilead Sciences, Umsatz: 9,08 Mrd. US-$

Das Hepatitis-C-Medikament Harvoni (Wirkstoffkombination: Ledipasvir + Sofosbuvir) des US-Biotech-Giganten Gilead Sciences gehört zweifellos zu den umsatzstärksten Medikamenten weltweit. Das Medikament bietet hohe Heilungschancen für Patienten mit Chronischer Hepatitis C (Hepatitis des Genotyps 1), eine durch Viren verursachte Erkrankung der Leber.

Weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen, jährlich sterben etwa 350.000 Patienten an den Folgen. Mit Preisen von über 22.000 € für eine Monatspackung gehört Harvoni auch zu den teuersten Medikamenten der Welt. Im Vorjahr sorgte Harvoni für einen Umsatz von 8,58 Mrd. US-$ bei Gilead – ein Zuwachs von 2,7%.

  1. Humira von AbbVie, Umsatz: 16,07 Mrd. US-$

An der Spitze der umsatzstärksten Medikamente der Welt steht nach wie vor Humira (Wirkstoff: Adalimumab) des US-Biopharma-Spezialisten AbbVie. Bei Humira handelt es sich um einen humanen, monoklonalen Antikörper, der gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α) eingesetzt wird.

Der TNF-Blocker Humira kommt gleich in mehreren Indikationen zum Einsatz und wird zum Beispiel zur Behandlung der rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondylitis ankylosans, Uveitis und Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa herangezogen.

Aufgrund der vielfältigen Anwendungsgebiete und des hohen Preises (ca. 1.000 € pro Dosis) spülte Humira im Vorjahr für AbbVie einen Umsatz von 16,08 Mrd. US-$ in die Kasse – ein Zuwachs von 14,7% gegenüber dem Vorjahr.

26. Mai 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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