Die wichtigsten Steuerarten für Privatanleger

Taschenrechner mit Dokumenten – Steuern

Es gibt mehr als 40 verschiedene Steuerarten in Deutschland, die zusammen ein extrem komplexes Konzept bilden. Steuern sind eine der Haupteinnahmequellen des Staates, die das öffentliche Leben finanzieren. (Foto: Zerbo / Adobe Stock)

Es gibt mehr als 40 verschiedene Steuerarten in Deutschland, daher ist das Steuersystem sehr komplex. Eine Übersicht aller Steuern bietet das Bundesfinanzministerium in einer ausführlichen Broschüre. Steuern sind eine Zwangsabgabe, der sich niemand entziehen kann, und eine der Haupteinnahmequellen des Staates. Der Bund, die Länder und die Gemeinden finanzieren damit öffentliche Haushalte wie die Polizei oder den Straßenbau.

Als Privatanleger muss man einen guten Überblick über die vorhandenen Steuern haben, um Verluste durch falsche Investitionen zu vermeiden. Dies beginnt bereits bei einer ordentlichen und gewissenhaften Buchhaltung. Daher sollte man sich vorher darüber schlauen machen und in das Thema und die Grundlagen der Buchhaltung gründlich einlesen.

Auf welche Steuerarten sollte man genau achten, wenn man privat sein Geld anlegen möchte? Je nachdem, in welche Felder man investieren möchte, muss man ein besonderes Augenmerk auf die zusammenhängenden Steuern haben. In diesem Artikel findet man einige wichtige Beispiele.

Kfz-Steuer

Mancher Liebhaber möchte privat in Autos investieren. Wie sicher bzw. lukrativ dies ist, sei hier dahingestellt. Dabei muss man allerdings beachten, dass die Kfz-Steuer schwer zu Buche schlagen kann. Die Höhe der Steuer richtet sich generell nach Hubraum und Schadstoffemission des Autos. Das heißt im Klartext, dass Elektroautos aufgrund ihrer fehlenden Emission von der Steuer ausgeschlossen sind. 2021 kommt eine neue Kfz-Steuer, die Käufer dazu animieren soll, sich sparsamere Autos anzuschaffen. D.h., dass besonders schadstoffreiche Autos, die man 2021 das erste Mal zulässt, relativ teuer werden. Wenn man über eine Anschaffung eines Oldtimers nachdenkt, sollte man den Kauf noch 2020 abwickeln, um Steuern zu sparen.

Grunderwerbsteuer

Die Investition in Immobilien gilt meist als sicher und bietet eine konstante Einnahmequelle. Bei jedem Kauf muss man die Grunderwerbssteuer beachten, die jeder Besitzer einer Immobilie einmalig zahlen muss. Daher sollte man nicht nur auf die potentiellen Einnahmen achten, die man aus einem Haus- oder Grundstückskauf erwirtschaftet, sondern auch die Grunderwerbsteuer im Hinterkopf behalten. In der Regel bewegt sich diese nämlich im fünfstelligen Bereich. Je nach Bundesland variiert der Steuersatz zwischen 3,5 % und 6,5 % des Kaufpreises. Dabei gibt es verschiedene steuerliche Vorzüge, die je nach Immobilie auftreten. Dies ist zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden der Fall. In wenigen Fällen entfällt die Grunderwerbsteuer, wie zum Beispiel bei Erbschaft oder Schenkung, allerdings muss man hier dann mit der Schenkungs- bzw. Erbschaftsteuer rechnen. Online gibt es Tipps, wie man hier einiges an Geld sparen kann.

Einkommensteuer

Wie jede natürliche Person muss auch ein Privatanleger Einkommenssteuer zahlen. Unabhängig von den Investitionen spielt das für jedermann eine nicht zu unterschätzende Rolle. Unter den Einkunftsarten, die bei dieser Steuer miteinbezogen werden, liegen auch Zinsen oder Mieteinnahmen. Der Freibetrag aller Einnahmen darf dabei 9.408 Euro nicht überschreiten. Verheiratet ist der Betrag doppelt so hoch. Zu der Einkommensteuer zählt auch die Kapitalertragsteuer. Seit dem 1. Januar 2009 läuft sie unter der Bezeichnung Abgeltungsteuer.

Abgeltungssteuer

Eine sehr wichtige Steuer für Privatanleger ist die Abgeltungssteuer. Sie bezeichnet die Erträge aus privatem Kapitalvermögen, wozu Zinsen, Kursgewinne und Dividenden zählen. Daher betrifft diese Steuer besonders die privaten Anleger, die ihr Geld in diesem Bereich investieren möchten. Dieses Feld ist an sich schon sehr breit und deckt unter anderem den großen Bereich des Aktienhandels ab. Daher ist es wichtig, an die Abgeltungssteuer zu denken, die einem Vor- und Nachteile bringen kann. Diese Steuer existiert seit dem 1. Januar 2009. Sie gilt nicht rückwirkend auf vorherige Gewinne. Da es eine sogenannte Quellensteuer ist, führt der jeweilige Börsenmakler diese Steuer direkt ab, es sei denn, es handelt sich um einen ausländischen Broker. Wenn dies der Fall ist, muss man die Abgeltungsteuer in der jährlichen Einkommenssteuererklärung selber mit einberechnen.

Hierbei gilt die Regel, dass die Abgeltungsteuer nicht bei Erträgen gilt, die unter dem Sparer-Pauschbetrag liegen. Bei Ledigen ist die Höchstgrenze 801 Euro und bei Ehepaaren 1.602 Euro. Den Sparerpauschbetrag muss man jährlich beantragen.

Betroffene Einnahmen, die diesen Betrag übersteigen, kommen aus Gewinnen aus:

  • Aktien (Dividenden oder Kursgewinne)
  • Aktienfonds
  • Anleihen (z.B. Zinserträge)
  • Zertifikate
  • Offene Immobilienfonds (ausgenommen Auslandsimmobilien und Immobilien, die man länger als zehn Jahre besessen hat)

Die Abgeltungsteuer beträgt immer 25 %. Von dem Betrag kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag und eventuell 8 bzw. 9 % Kirchensteuer hinzu. Für genaue Rechnung gibt es online einen Abgeltungssteuerrechner.

Vor der Berechnung der Abgeltungssteuer verrechnet man die Verluste mit den Gewinnen. Dabei unterscheidet man zwei Arten.

  1. Verlustverrechnungstopf der Aktienverkäufe
  2. Verlustverrechnungstopf der allgemeinen Gewinne aus den Veräußerungen von Wertpapieren

2021 soll es hierzu eine Änderung geben, weshalb es wichtig ist, die Nachrichten und neue Gesetzgebungen immer im Auge zu behalten.

Kann man die Abgeltungsteuer umgehen?

In der Regel ist dies nicht möglich. Es gibt jedoch zwei Alternativen, bei denen man keine bzw. weniger Abgeltungssteuer leisten muss.

Nichtveranlagungsbescheinigung

Es gibt eine Möglichkeit, keinerlei Abgeltungssteuer zu zahlen, auch wenn man den Pauschbetrag übersteigt. Dafür gibt es die sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung. Diese beantragt man als Geringverdiener, wenn das eigene Einkommen unter einem bestimmten Grundfreibetrag liegt. Dies gilt besonders für Kinder und Rentner, die keine eigenen Einkünfte haben.

Günstigerer Einkommensteuersatz

Um weniger zu zahlen, kann man bei der Einkommensteuererklärung im Nachhinein geltend machen, wenn man einen günstigeren Einkommensteuersatz erreicht hat. Dabei liegt der persönliche Grundsteuersatz unter dem Abgeltungsteuersatz. Daraufhin erhält man einen Teil der gezahlten Steuer zurück.

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Spekulationsfrist - Veräußerungen, Aktien & ImmobilienSeit dem 01. Januar 2009 gibt es keine Spekulationsfrist für Wertpapiere mehr. Die Abgeltungssteuer gilt nun einheitlich. › mehr lesen


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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.