Die Zukunft reiner E-Autos liegt in Fernost

Will man als Anleger von den großen Trends profitieren, so bieten Elektroautos vielversprechende Potenziale. Während sich sogar eine Reihe von Ländern durch Vorgaben vom Verbrennungsmotor verabschieden will, stellen auch traditionelle Autohersteller ihr Programm um. Einige setzen im PKW-Bereich nun ganz auf Elektrofahrzeuge. Den Aktien der Konzerne tun solche Ankündigungen gut.

Elektrofahrzeuge-Aktien unter Strom

Dass Elektrofahrzeuge Aktien unter Strom setzen können, hat gerade Tesla gezeigt. Der amerikanische Newcomer bringt die gesamte Branche auf Trab, bietet aber rein batteriegetriebene Autos an. Und hier heißt es: genau hinschauen! Wenn sich Konzerne das Zukunftslabel Elektroauto-Hersteller verpassen, so bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie nur noch Stromer anbieten.

So wird Opel auf eine Mischung aus Hybridantrieb plus Batteriefahrzeuge umstellen und im PSA-Konzern zur Elektromarke werden. Ähnlich sieht es mit der angekündigten Elektrifizierung bei Volvo aus, das als PKW-Marke zum chinesischen Konzern Geely gehört. Anders als Daimler oder VW können kleinere Anbieter nicht gleichzeitig in Antriebe mit Batterien, Brennstoffzellen und neue Dieselmotoren investieren, um die sinkende Nachfrage nach Selbstzündern wieder auf Trab zu bringen.

Wer nun beim Thema Elektrofahrzeuge Aktien reiner E-Auto-Hersteller sucht, die ohne Motor und Getriebe auskommen, wird derzeit in den USA und in China fündig. Das Papier von Vorreiter Tesla bescherte seinen Anlegern auf Fünfjahressicht ein Plus von über 1.000 %. Für neuen Schub dürfte das neue „Model 3“ sorgen, das den Massenmarkt erobern soll und bereits in Massen vorbestellt ist.

Den E-Auto-Pionier beflügelt vor allem ein Kultstatus, der an Apple & Co. erinnert. Dennoch, der Neuigkeitswert von Tesla lässt nach. Tesla muss in absehbarer Zeit Gewinne vorweisen, die Konkurrenz schläft nicht. Die sitzt vor allem in China und wartet darauf, den Markt aufzurollen.

BYD und Geely dominieren den Markt

Dort schreibt etwa BYD schwarze Zahlen. Hierzulande kaum bekannt, handelt es sich um den weltweit größten Hersteller von Elektroautos. In Europa wird neben einem Liniendienst mit Batteriebussen in Brüssel die Taxiflotte mit Fahrzeugen vom Typ BYDe6 ausgestattet. Das Unternehmen ist Teil eines Konzerns, der Batterien, Elektronik sowie Umwelttechnik produziert und Kooperationsprojekte mit Daimler betreibt.

Die BYD-Aktie brachte die letzten fünf Jahre 228 % Plus. Ging es zuletzt wegen abgebauter Subventionen aus Peking schleppender, wird der jüngste Ausstiegsplan der Regierung aus dem Verbrennungsmotor die Aktie beflügeln.

Davon profitiert auch Geely. Trotz geringer Reichweite ist dessen Stufenheck-Limousine das in diesem Jahr meistverkaufte E-Auto Chinas. Das europäische bzw. internationale Standbein von Geely ist die 2010 übernommene PKW-Sparte von Volvo, mit der ein reger Technologieaustausch stattfindet. Die Elektrofahrzeuge-Aktie konnte auf fünf Jahre um 573 % zulegen und wird mehrheitlich positiv bewertet.

Abgesehen von diesen Aktienunternehmen versucht sich eine ganze Reihe von Startups mit E-Autos. Die meisten kommen aus dem Reich der Mitte oder werden zumindest mit chinesischem Geld finanziert. Doch obwohl die Herstellung von Elektroautos einfacher ist als die herkömmlicher Fahrzeuge, ist der Elektro-Boom alleine noch lange kein Erfolgsgarant.

Startups versuchen ihr Glück

Selbst der ehrgeizige Tesla-Konkurrent Faraday Future geriet aktuell in finanziellen Schwierigkeiten. Das Startup-Unternehmen wollte bis zum Börsengang 2020 über 1 Mio. Elektrofahrzeuge in den USA und China verkaufen, muss aber seine Pläne für eine Fabrik bei Las Vegas vorerst auf Eis legen.

Ob und wann Kandidaten wie Lucid Motors, Nio oder FMC (Future Mobility Company) an die Börse gehen, steht in den Sternen. Sie alle greifen zwar danach, doch nur wenige werden sie erreichen. Der Markt ist auch für E-Mobile nicht endlos. Das mussten bereits Autohersteller erfahren, die es einst in den USA und Europa noch so zahlreich gab. Zudem kann nicht jeder den enormen Kapitalbedarf decken. Und die großen etablierten Konzerne legen nach.

BMW etwa greift im Premiumbereich Tesla mit neun reinen Stromfahrzeugen an. Mit Reichweiten bis zu 700 km rücken die Bayern immer näher an die US-Konkurrenz heran. Entscheidend wird der Massenmarkt sein. Der weltweit größte liegt in Asien. Hatten die Chinesen wenig Chancen, bei Verbrennungsmotoren die Technologielücke zu Europa, den USA, Japan und Korea zu schließen, so treiben sie mit aller Macht ihre Vormachtstellung in der Elektromobilität voran.

11. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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