Diesel: Steuervorteil vor der Abschaffung?

Noch ist Diesel günstiger als Benzin. Ob der Steuervorteil abgeschafft werden soll, wird diskutiert – Autofahrer wünschen sich Klarheit. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Wer einen Diesel-PKW fährt, zahlt weniger Steuern als ein Benzin-Fahrer. Fast die Hälfte aller Autofahrer profitiert von diesem Vorteil, bei rund 8 Mrd. € liegt die steuerliche Begünstigung von Diesel-Fahrzeugen im Jahr.

Über eine Abschaffung des Steuervorteils wird zunehmend diskutiert, das Umweltministerium hat sich bisher aber zurückgehalten.

So entsteht der Steuervorteil beim Diesel

Für die steuerliche Begünstigung müssen Autofahrer nichts tun, die Preisersparnis zeigt sich an der Tankstelle, die für Diesel von vornherein weniger berechnet als für Benzin. Der Grund dafür ist die Mineralölsteuer, die bei Diesel grundsätzlich niedriger ist als bei Benzin. Im Schnitt liegen die Diesel-Preise laut ADAC 18,4 Cent unter den Benzinpreisen.

Dieselfahrer sparen also bei jeder Tankfüllung Geld, dafür ist das Fahrzeug in der Anschaffung teurer als ein Benziner. Auch die Kfz-Steuer fällt bei Diesel-Autos höher aus als bei Fahrzeugen mit Otto-Motor. Dennoch: Wer pro Jahr 20.000 bis 25.000 Kilometer fährt, hat die höheren Kosten wieder herausgefahren und profitiert dann vom Steuervorteil für Diesel, so Experten.

Die Vor- und Nachteile von Diesel-Autos

Der Grund für die Subventionierung von Diesel-Fahrzeugen ist der geringere Verbrauch und der geringere CO2-Ausstoß im Vergleich zu Benzinern, weshalb der Staat die Fahrer von Diesel-Autos belohnt. Jedoch ist es genau der Diesel, der durch Feinstaub und Stickoxid-Ausstöße die Luft in den Städten mehr und mehr verschmutzt, sodass für ältere Modelle sogar Fahrverbote drohen.

Aus diesem Grund haben sich unter anderem die Präsidentin des Umweltbundesamtes und VW-Chef Matthias Müller für die Abschaffung der Steuervorteile beim Diesel ausgesprochen. Auch die Grünen befürworten die Abschaffung, Politiker der Union sind dagegen. Aus der SPD kamen bereits kritische Stimmen zu den Steuervorteilen beim Diesel, nämlich, dass diese nicht in Relation zum tatsächlichen Umweltvorteil stehen.

Autokäufer benötigen Planungssicherheit

Eine neue Regierung sollte das Thema in jedem Fall auf der Agenda haben, um Autokäufern Planungssicherheit zu geben. Schließlich sind die Subventionierungen für viele ein Grund, sich für einen Diesel zu entscheiden. Sollten diese plötzlich wegfallen oder sollte ältere Diesel-Fahrzeuge sogar ein Fahrverbot ereilen, könnte dies ein Argument gegen den Kauf sein.

Aufgrund der verschiedenen Positionen sieht es nicht nach einer schnellen Einigung bei diesem Thema aus, zudem hat die Politik viele Menschen überhaupt erst zum Diesel-Kauf gebracht, indem die Subventionen 1994 sogar verdoppelt wurden. Diese nun kurzfristig abzuschaffen, könnte viele Menschen verärgern, besonders diejenigen, die viel fahren.

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Eine Abschaffung des Steuervorteils beim Diesel scheint nur langfristig denkbar

Im Zuge der aktuellen Debatte legte das Verkehrsministerium im Dezember 2017 bereits ein Sofortprogramm gegen eventuelle Fahrverbote und für mehr saubere Luft in Städten vor. Eine verstärkte Förderung von Elektromobilität gehört ebenfalls dazu – eine Abschaffung des Steuervorteils für Diesel-Autos ist darin nicht vorgesehen.

Eine schrittweise Abschaffung der Subventionen wäre zunächst nur auf lange Sicht denkbar. Die Einsparungen in diesem Bereich könnten dann auf den Ausbau der Elektromobilität umgeschichtet werden.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.