Digitalisierung im Mittelstand – Wachstumschancen und Renditepotenzial?

Industrie 4.0, eCommerce oder SaaS – drei Stichworte, bei denen Experten sofort an das Thema Digitalisierung denken. Während Haushalte den zunehmenden Einfluss der Informationstechnologie in erster Linie am Breitband-Internetanschluss oder einer zunehmenden Zahl an Smart Home Geräten bemerken, ist die Digitalisierung im unternehmerischen Umfeld von größerer Bedeutung.

Mittlerweile werden viele Prozesse digital gesteuert und Planungen sind ohne IT nicht mehr denkbar. Digitalisierung beeinflusst heute nicht nur industrielle Prozesse und die Wertschöpfungskette.

Das Thema berührt inzwischen auch Dienstleistungsbereiche. SaaS steht für Software as a Service – und gehört zu den Trends, die vor wenigen Jahren durch den wachsenden Grad an Digitalisierung entstanden sind. Und wird der Begriff etwas weiter gefasst, lassen sich sogar Bereiche wie die FinTech-Branche einbeziehen.

Letztlich wirkt sich Digitalisierung nicht nur direkt auf das Unternehmen oder eine Branche bzw. Markt aus. Digitalisierung wird direkt oder indirekt für Investments interessant. Sei es vor dem Hintergrund einer verstärkten Aktivität im Bereich FinTech und digitale Medien, oder aufgrund sich verändernder Renditeerwartungen im Hinblick auf die Unternehmensabschlüsse.

Digitalisierung – vom Online-Shops zur automatisierten Logistik

Mit dem Umfang und der Bedeutung der Digitalisierung im Mittelstand, Industrie und Handel beschäftigen sich Verbände und Arbeitsforscher – wie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) seit Jahren. Die Fragestellungen betreffen die Auswirkungen einer zunehmenden Digitalisierung auf die Arbeitsprozesse und die Anforderungen an Arbeitnehmer. Von Interesse ist am Ende auch, welche Prozesse in Zukunft nicht mehr vom Menschen erledigt werden – und wie IT die Arbeitswelt verändert.

Art und Umfang der Digitalisierung unterscheiden sich in den einzelnen Bereichen deutlich. Es spiegeln sich die besonderen Rahmenbedingungen der einzelnen Branchen wider. Gerade im Handel wird heute verstärkt auf eCommerce – sprich Online-Shops – gesetzt.

Eine Entwicklung, die in verschiedenen Branchen Schnittstellen in Richtung Industrie entwickelt. Mehr und mehr Industrieunternehmen (die für Endverbraucher produzieren) setzen – neben dem Vertrieb über Zwischenhändler – auf eine Direktvermarktung. Hier erreicht die Digitalisierung alle Bereiche der Wertschöpfungskette – von der Logistik über die Fertigung und Prozesssteuerung bis zum Vertrieb bzw. Versand.

„Die stetige Optimierung und Anpassung an neuste Entwicklungen im Bereich eCommerce sind heute überlebenswichtig für Unternehmen“, erklärt Björn Schneider, Geschäftsführer der Agentur credia. Dazu gehören unter anderem folgende Bereiche:

  • Bessere Produktsuche in Online-Shops
  • Wirksame Conversion-Optimierung
  • Schnittstellen zwischen Warenwirtschaft und Shop
  • Marketingmaßnahmen in den verschiedenen und vor allem passenden Onlinekanälen
  • Stetige Analyse und Erfolgskontrolle im eCommerce

In Verbindung mit einer digitalisierten Warenwirtschaft lassen sich auch größere Nachfragespitzen bedienen. Voraussetzung ist eine Anpassung der Systeme an individuelle Ansprüche und die Skalierbarkeit. Überhaupt hat die Digitalisierung gerade in der Logistik zu erheblichen Veränderungen geführt.

Was vor Jahren noch manuell mit Papier und Stift erledigt werden musste, passiert inzwischen mithilfe von Scannern auf Knopfdruck.

Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der im Logistikbereich beschäftigten Arbeitnehmer im Jahr 2016 wieder gestiegen. Die Frage ist, wie lange dieser Trend anhalten kann. Angesichts enormer Fortschritte im Bereich Digitalisierung und Automatisierung, die meist Hand in Hand gehen, ersetzen bereits heute in Großbetrieben automatische Systeme Menschen.

Einsatzgebiete der Digitalisierung in Unternehmen:

  • Logistik – Lagerverwaltung und Versand
  • Prozessplanung und Steuerung
  • Fertigung
  • Vertrieb und Vermarktung
  • Personalverwaltung
  • CRM

Während die Unternehmen in einigen Bereichen von der Digitalisierung direkt profitieren – wie etwa in der Fertigung – kommen in anderen Segmenten die positiven Aspekte indirekt zum Tragen. Hierzu gehört beispielsweise das CRM. Durch die Digitalisierung lässt sich das Customer-Relationship-Management nicht einfach nur effizient gestalten.

Inzwischen wird das Potenzial eines digitalen CRM im Hinblick auf Serviceorientierung, Akquise und Kundenbindung von vielen Unternehmen (auch aus dem Mittelstand) zunehmend erkannt. Die direkte Ansprache jedes Kunden und seiner Bedürfnisse gehört zu den besonderen Umsatztreibern.

Wie können Anleger davon profitieren?

Die Vorteile der Digitalisierung auf die Prozesse innerhalb der Unternehmen liegen auf der Hand. Für die Investmententscheidung hat das Thema auf den ersten Blick keinen Einfluss. Aber: In der Praxis werden aufmerksame Beobachter recht schnell erkennen, dass die Digitalisierung direkt und indirekt Einfluss auf Anleger hat.

  • Direktinvestment in Digitalisierung: Unternehmen entwickeln die Software-/IT-Lösungen für die Digitalisierung nicht selbst. In aller Regel wird auf bestehende Produkte bzw. Dienstleister zurückgegriffen, welche die Digitalisierung umsetzen. Hier geht es nicht nur um Software, sondern auch um Hardware – etwa im Rahmen der Logistikautomation. Über Aktien oder Unternehmensanleihen können Anleger von dieser Entwicklung profitieren. An diesem Punkt bieten sich Fonds als Anlageobjekt an, die ihren Fokus auf die Technologiebranche legen. Interessant dürfte dieser Aspekt für Anleger sein, die sich nicht täglich mit ihrem Investment beschäftigen wollen.

    Um in diesem Segment erfolgreich zu sein, lohnt sich der Blick über den Tellerrand. Viele Innovationen entstehen in Start-Ups oder Technologieschmieden. Anleger, die mit Digitalisierung und Industrie 4.0 Rendite einfahren wollen, sollten den Wissenschaftssektor in jedem Fall mit im Auge behalten.

  • Digitalisierung als Wachstumsfaktor: Wie stark ein Unternehmen auf IT-Lösungen setzt, entscheidet heute mit über den Erfolg am Markt. Innovative Mittelständler können sich auch international behaupten und gegen die Konkurrenz durchsetzen. Letztlich kann die Digitalisierung so – durch mehr Effizienz und niedrige Kosten – neue Umsatzpotenziale erschließen, was zu Wachstum und höheren Gewinnen führt. Diese Aspekte sind wiederum aus Sicht der Anleger interessant. Steigende Kurse bei Aktien oder höhere Dividenden bringen am Ende vor allem eins mit sich – eine höhere Rendite.

Fazit: Von der Digitalisierung profitieren auch Anleger

Digitalisierung ist ein Schlagwort, das heute viele Gesichter hat. Verbraucher bekommen die Entwicklung im Haushalt durch die Vernetzung von Haushaltsgeräten – das Smart Home – zu spüren. Am Arbeitsplatz dürfte der steigende Digitalisierungsgrad sicher ebenfalls schon dem einen oder anderen Beschäftigten aufgefallen sein.

Mittlerweile sind nicht nur Konzerne mit mehreren tausend Mitarbeitern von der Digitalisierung betroffen. Wer aus dem Mittelstand mit der internationalen Konkurrenz mithalten will, kann sich diesem Aspekt ebenfalls nicht entziehen. Über kurz oder lang kommen die Veränderungen auch bei Anlegern an. Unternehmen, welche den Trend verschlafen, geraten zunehmend unter Druck, was deren Aktionäre zu spüren bekommen.

Auf der anderen Seite bietet sich die Möglichkeit, von der Digitalisierung zu profitieren – durch Investments in die Branche. Dienstleister und Hardwarehersteller sind inzwischen auch an den Aktienmärkten vertreten. Gleichzeitig punkten Mittelständler, die auf Innovationen setzen, mit der Erschließung neuer Umsatzpotenziale.

9. August 2017

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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.

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