Discount-Zertifikate 2015: Investieren Sie mit einem Sicherheitspuffer

Die Ukraine-Krise und die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland haben dazu geführt, dass der europäische Aktienmarkt die zwischenzeitlich erreichten Gewinne nicht halten konnte. Der europäische Leitindex EuroStoxx50 beendete das Börsenjahr 2014 nur mit einem kleinen Plus von knapp 1%.

Der „Trick“ mit dem EuroStoxx50 ist: Da die Ausgangslage positiv war, aber gleichzeitig einige Risiken in Sichtweite waren, bot sich im Januar 2014 ein Discount-Zertifikat auf den EuroStoxx50 an. Dieses Zertifikat erreichte im Dezember 2014 das Laufzeitende und brachte den maximalen Gewinn von +7,72%.

Da das Zertifikat nur gut 11 Monate das Geld gebunden hat, liegt die Jahresrendite sogar bei über 8%. Gut 8% Gewinn haben Aktien in den vergangenen 100 Jahren durchschnittlich gebracht. Dank des intelligenten Zertifikate-Einsatzes konnte diese Rendite auch 2014 erreicht werden. Dieses Beispiel bestätigt meine Einschätzung: 80 bis 90% der Zertifikate-Konstruktionen sind überflüssig oder sogar „Schrott“.

Aber einige wenige Zertifikate-Gattungen bringen Ihnen einen echten Mehrwert. Dazu gehören Discount-Zertifikate. Kurz zusammengefasst: Sie erhalten einen Index oder eine Aktie mit einem deutlichen Preisabschlag (Discount), dafür ist im Gegenzug der Gewinn nach oben begrenzt. Das ist ein fairer Deal!

DAX mit Kursziel 11.000 Punkte – Beachten Sie aber auch die Risiken

Die Ausgangslage ist ähnlich wie im Vorjahr: Aus fundamentaler Sicht ist der europäische Aktienmarkt zu niedrig bewertet. Werden die 30 DAX-Unternehmen Ende des Jahres mit dem 14-fachen Jahresgewinn bewertet (das ist der historische KGV-Durchschnitt seit der DAX-Gründung im Jahr 1988), müsste der deutsche Leitindex auf knapp 11.000 Punkte klettern.

Für steigende Unternehmensgewinne im Jahr 2015 sprechen folgende Punkte:

1) Die Weltwirtschaft wächst 2015 um rund 3,5%

Global betrachtet wächst die Wirtschaft dynamisch. Die Weltwirtschaft ist trotz der Störfeuer im Jahr 2014 um über 3% gewachsen und wird auch im laufenden Jahr ähnliche Wachstumsraten erreichen. Dieses Wachstum löst bei den DAX-Unternehmen steigende Gewinne aus.

2) Der schwache Euro-Kurs verwandelt Gegenwind in Rückenwind

Bis Mai 2014 hat sich der Euro robust gezeigt. Obwohl die US-Wirtschaft viel dynamischer wuchs, mussten Investoren in der Spitze 1,40 US-Dollar für 1 Euro zahlen. Dieser Wechselkurs machte europäische Waren im Dollar-Raum teuer. Die Bremsspuren sehen Sie in den Halbjahresberichten der DAX-Unternehmen.

Der Grund für die Euro-Stärke (= Dollar-Schwäche): Die US-Notenbank hat die eigene Währung nach unten gedrückt. Über diesen Abwertungskrieg der Währungen habe ich mehrfach berichtet. Seit Mitte 2014 dreht sich der Wind.

Die US-Notenbank Fed nimmt langsam den Fuß vom Gaspedal, die Europäische Zentralbank hat dagegen erst im Laufe des Jahres 2014 den Leitzins Richtung 0% gedrückt und wird ab 2015 massiv Geld in den Markt pumpen (laut EZB Chef Draghi bis zu 1 Billion Euro).

Mussten im Mai 2014 noch  1,40 US-Dollar je Euro gezahlt werden, sind es aktuell weniger als 1,20 US-Dollar – Tendenz weiter fallend. Der niedrige Euro-Kurs macht europäische Waren und Dienstleistungen im Dollar-Raum viel billiger. Dieser Effekt wird speziell die exportstarken Werte im DAX beflügeln.

3) Der niedrige Ölpreis entlastet Unternehmen und Verbraucher um 30 bis 35 Mrd. Euro

Der Deutschland-Chefvolkswirt der italienischen Bank Unicredit, Andreas Rees, hat berechnet, dass der stark gesunkene Ölpreis die deutschen Unternehmen und Verbraucher im laufenden Jahr um rund 35 Mrd. Euro entlastet.

Die Unternehmen besitzen sogar einen doppelten Gewinnhebel: Zum einen sinken die Rohstoffkosten, zum anderen können die Verbraucher die Binnenkonjunktur antreiben, da sie beim Tanken und Heizen sparen und daher mehr Geld für Konsumgüter zur Verfügung haben.

Risiken nicht übersehen

Die oben genannten Pluspunkte können enorme Konjunkturimpulse setzen. Wir dürfen aber auch die Risiken nicht aus den Augen verlieren. Den stärksten Einfluss haben überraschende Negativ-Meldungen, die selbstredend noch nicht in den Aktienkursen eingepreist sein können. Aber auch bekannte Risikofaktoren können belasten. Hier eine Auswahl an Risikofaktoren:

1) Ukraine-Krise und Wirtschaftssanktionen gegen Russland

Experten schätzen, dass die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland das deutsche Wirtschaftswachstum um bis zu 0,5% bremsen. Allerdings ist auch der umgekehrte Effekt möglich: Kommt es im Jahresverlauf zu einer friedlichen Lösung, weil beide Konfliktpartner wirtschaftlich erschöpft sind, können die Sanktionen gegen Russland zügig beendet werden.

Dann könnten die russischen Kunden die Geschäfte nachholen, die 2014/2015 verpasst wurden. Dieser Nachholeffekt würde die deutsche Wirtschaft zusätzlich stützen.

2) Euro-Krise bricht wieder aus

Griechenland ist zum Symbol der Euro-Krise geworden. Ende Januar finden in Griechenland Wahlen statt. Je nach Wahlausgang könnte das den Zerfall der Euro-Zone einleiten. Ich halte dieses Szenario jedoch für unwahrscheinlich.

Wer wird die Kuh schlachten, die die Milch gibt? Solange Politik und Notenbank die Finanznot mit Geldspritzen lindern, haben alle Länder ein Interesse daran, die Gemeinschaftswährung zu halten.

3) Wachstum in China verlangsamt sich

Aufgrund der zunehmenden Größe wird es für China immer schwieriger, hohe Wachstumsraten zu erzielen. Sollte die Wachstumsrate unter 7% fallen, könnte dies die Märkte belasten.

4) Chaos am Rohstoffmarkt

Die Halbierung des Ölpreises zeigt, dass am Rohstoffmarkt zur Zeit alles möglich ist. Niedrige Rohstoffpreise beflügeln die Industrienationen, können aber in den Förderländern massive Probleme auslösen. Wenn Sie aufgrund der Risiken mit einem Sicherheitspuffer investieren möchten, bieten sich – wie schon 2014 erfolgreich umgesetzt – Discount-Zertifikate als Depot-Beimischung an.

Hier eine Musterrechnung, die die Stärken und Schwächen der Discount-Zertifikate zeigt:

So vergleichen Sie die Wertentwicklung

An der Börse gibt es 5 unterschiedliche Kursentwicklungen: starke Kursgewinne, leichte Kursgewinne, stagnierende Kurse, leichte Kursverluste und hohe Kursverluste. Ich habe für Sie ein EuroStoxx-Discount-Zertifikat mit der möglichen Euro-Stoxx-Entwicklung und einem Index-Fonds (ETF) verglichen.

Damit die Zahlen besser vergleichbar sind, habe ich einen Index-Stand von glatt 3.000 als Ausgangsbasis ausgewählt. Das Zertifikat hat eine Gewinnobergrenze (Cap) von 30 € (wird erreicht, wenn der EuroStoxx am Bewertungstag bei mindestens 3.000 Punkten notiert).

Wertentwicklung EuroStoxx und EuroStoxx-Discounter am Laufzeitende

Das erste Szenario zeigt den „Schwachpunkt“ des Discount-Zertifikats: Wenn der EuroStoxx um 20% (oder mehr) zulegt, macht der Index-Fonds die positive Entwicklung 1:1 mit, während die Zertifikate-Besitzer „nur“ 8,5% gewinnen. Wenn Sie also von einem hohen zweistelligen EuroStoxx-Anstieg ausgehen, ist ein EuroStoxx-ETF die bessere Wahl.

Besonders attraktiv ist das Discount-Zertifikat, wenn der Euro-Stoxx stagniert. Dann erhalten Sie 30 € je Zertifikat ausgezahlt (=8,5% Gewinn). Verliert der EuroStoxx 10%, bleibt der Discounter bei +-0%. Kommt es dagegen zum Kurssturz (-20%), dann verliert auch das Discount-Zertifikat (-10%), aber stets weniger als der Index-Fonds.

Fazit: Discount-Zertifikate schneiden oft besser ab als Index-Fonds oder Aktien. Nur in Phasen mit einem starken Aufwärtstrend ist ein direktes Investment besser.

8. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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