Dividenden, Banktitel, Anleihen – die Gewinner von Trumps Steuerplänen

Von Donald Trumps ambitionierten Plänen hat sich bisher noch nicht viel realisiert. Doch nun bahnt sich seine Steuerreform an. Die USA stehen vor einer Senkung des Spitzensteuersatzes für Privatleute und niedrigeren Unternehmenssteuern. Hier sind maximal 20 % statt bisher bis zu 35 % vorgesehen.

Die seit Langem größte Steuerreform der USA soll die Wirtschaft befeuern. Der Dow Jones erklimmt derweil neue Höhen und überstieg erstmals die Marke von 22.700 Punkten. Für Anleger zunächst ein positives Signal.

Steuerreform soll USA voranbringen

Was besticht, ist eine massive Verschlankung von sieben auf drei Steuerklassen. Zudem sind Steuernachlässe für die Kindererziehung vorgesehen sowie eine Verdoppelung der Freibeträge. Wer als Single unter 12.000 US-$ im Jahr verdient, soll keine Steuern zahlen. Für Paare ist eine Grenze von 24.000 US-$ geplant.

Die Idee: Wenn die Verbraucher mehr Geld in der Tasche haben, Firmen entlastet werden und Konzerne wie Google oder Amazon ihre Aktivitäten und Gewinne aus Ländern mit niedriger Besteuerung in die USA zurückverlagern, werden neue Jobs geschaffen und der Wohlstand gesteigert.

Doch auch in den USA ist die Steuerreform umstritten. Und ob sie sie gewünschten Effekte erzielt, noch lange nicht ausgemacht. Unter den Privatleuten dürfte sie am ehesten diejenigen mit höheren Einkommen entlasten. Für Normal- und Geringverdiener macht sie sich weniger bemerkbar. Nicht zuletzt, weil US-Bürger nur teilweise Steuern an den Bund zahlen. An den ebenfalls für den jeweiligen Bundesstaat zu entrichtenden Steuern kann Trump wenig ändern.

Ein nennenswert steigender Konsum auf breiter Front sowie ein erhofftes Jobwunder konnten schon durch eine ähnliche Steuerreform unter Präsident George W. Bush nicht erzielt werden. Hält man sich dieses Beispiel von vor 15 Jahren vor Augen, so ist eher zu erwarten, dass Unternehmen ihre Steuerersparnisse vorwiegend in Aktienrückkäufe und Dividenden stecken. Das wiederum erklärt zum Teil die jüngste freudige Reaktion an den Börsen.

Teurer Plan mit magerem Effekt

Andererseits sehen auch Investmentbanken wie Goldman Sachs, dass in der geplanten Konstruktion die Steuersenkungen zu höchstens 0,2 % zusätzlichem Wirtschaftswachstum führen. Dass die Reform zu wenig in die breite Masse wirkt, zeigt unter anderem der geplante Wegfall der Erbschaftssteuer. Er greift erst ab einem Vermögen von 5,49 Mio. US-$.

Das vermutlich magere zusätzliche Wachstum erklärt sich großteils mit den nötigen Einsparungen. Nach Berechnungen des auf Haushaltspolitik spezialisierten Instituts CRFB kosten die Steuersenkungen auf zehn Jahre gut 5,8 Bio. US-$. Zieht die Konjunktur wie erwünscht an, sind es immer noch bis zu 2,2 Bio. US-$. Diesen Zahlen zufolge sind die Steuerausfälle deutlich höher, als die vom republikanisch dominierten Senat veranschlagten 1,5 Bio. US-$.

Die USA sind ohnehin schon mit rund 20 Bio. US-$ verschuldet, was 127 % der Wirtschaftsleistung entspricht. Folglich wird an anderer Stelle gespart. Kürzungen bei Sozialleistungen und in der Bildung werden den Durchschnittsverdienern kaum zu mehr verfügbarem Konsumgeld verhelfen.

Sorgenfalten bei Warren Buffet & Co.

Auch das angekündigte große Infrastrukturprogramm wird wohl auf Eis gelegt. Um dennoch dringende Infrastrukturprojekte bezahlen zu können, haben einige Bundesstaaten zum Beispiel die Bezinsteuer erhöht. Ein weiterer Dämpfer für die Haushaltskassen der Steuerzahler: Laut Plan können Bewohner von Bundesstaaten mit hohen Steuersätzen ihre Steuerbelastung nicht mehr auf nationaler Ebene herunterrechnen.

All das lässt Zweifel aufkommen, ob sich die teure Steuerreform überhaupt rechen kann. Kritik kommt sogar von Warren Buffet. Nicht nur er ist skeptisch, auch Larry Fink, Chef des weltweit größten Vermögensverwalters Black Rock, befürchtet ein weiter ausuferndes Haushaltsdefizit der USA. Die Steuerreform wäre seiner Ansicht nach mit einer Reduzierung auf 27 % attraktiv genug gewesen – 20 % seien einfach zu viel.

Trotz dieser Sorgen ergeben sich für Anleger neue Chancen: Um die Reform und die ansteigende Verschuldung zu finanzieren, werden die USA neue Staatsanleihen auflegen müssen – zu höheren Zinsen. Davon wiederum profitieren vor allem die Banken, auch in Europa. Die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank jedenfalls haben bereits kräftig angezogen.

12. Oktober 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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