Dividenden ETF – oft schlechter als vermutet

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Dividenden-ETFs sind beliebt, doch sie schneiden schlechter ab, als vermutet. Übermäßige Ausschüttungen und Schwankungen tragen dazu bei. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Die Idee ist nahe liegend: Solide Unternehmen, die traditionell Dividenden zahlen, sind finanzstark und bieten langfristig mehr als solche, die ihren Aktionären die Teilnahme am Gewinn vorenthalten. Zudem sind sie wegen des regelmäßigen Zubrots begehrter, was sich im Kurs niederschlägt. Die Strategie, bei der Aktien von Firmen mit hoher Dividendenrendite zusammengestellt werden, ist alt und geht unter dem Namen „Dogs of the Dow“ auf die 30er Jahre zurück.

Beliebte Strategie mit Spezialindizes

Der Ansatz lässt sich anstatt mit Einzelaktien ebenso gut mit Dividenden-ETFs umsetzen, die entsprechende Indizes mit ausgewählten Dividenden-Aktien abbilden. Bekannt ist etwa der Dax als DivDax. Auch den Stoxx oder MSCI World gibt es in dieser Form.

Mit der Beliebtheit erklärt sich auch das Angebot. Über 20 Dividenden-ETFs werden hierzulande an der Börse gehandelt. Das Kalkül: Wenn pro Jahr rund 2 % der Performance aus der Dividende kommen, summiert sich das langfristig auf beachtliche Summen. Kurzfristig orientiere Anleger haben also wenig davon. Und, es macht auch einen Unterschied, ob der zugrunde liegende Index ein Performance- oder ein Kursindex ist, bei dem Dividenden nicht eingerechnet werden.

Leider sieht man dies den Produkten mit ihren Kürzeln nicht auf Anhieb an. Klassisches Beispiel: der Dax. Üblicherweise handelt es sich um einen Performance Index inklusive Dividenden. Hierzu gibt es etwa den ComStage ETF DivDAX. Der iShares DivDAX ETF wiederum bildet den Dax ab, den es alternativ als Kursindex gibt. Erkennbar ist dies nicht. Dabei macht sich der Unterschied über fünf Jahre Sicht in einem Vorsprung von 6 % zugunsten des Performance DivDax bemerkbar.

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Trotz Rekordausschüttungen schlechtere Performance

Doch schneiden Dividenden-ETFs tatsächlich besser ab? Eine jüngere Untersuchung der Quirin Bank vom April zumindest kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Die Wertentwicklung von Dividenden-Indizes ist in der Regel nicht so gut wie die der regulären Indizes. Trotz Rekordausschüttungen der Dax Konzerne lief der DivDax mit 2,05 % um die Hälfte schlechter als der reguläre Dax. Ähnlich das Bild bei internationalen Indizes. Die Mehrheit der untersuchten Barometer brachte eine bessere Performance als vergleichbare Dividenden-Konstruktionen.

Einer der Gründe: Viele Unternehmen haben eine derart hohe Ausschüttungsquote, dass das Wachstum im Verhältnis zu Firmen mit moderateren Zahlungen langfristig zwangsläufig schlechter ist. Zudem sind die Spezialindizes mit weniger Unternehmen bestückt, was sie anfälliger für Kursschwankungen macht. So ist von den 30 Dax-Konzernen im DivDax nur die Hälfte vertreten. Nicht anders sieht es im Stoxx 50 aus. Und im MSCI World Dividend ist der Anteil im Abgleich zum Original mit rund 1.600 Titeln sogar noch geringer.

Dividenden-ETFs kosten mehr

Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass es auch auf die Qualität der ausgesuchten Unternehmen im Index ankommt. Mit der richtigen Auswahl waren selbst kleinere Dividenden-Indizes den marktbreiten Pendants überlegen. Das Ergebnis bestätigt vor allem, dass Dividenden nicht gleich Dividenden sind. Schon der Ansatz allein über die Dividendenrendite ist mit Vorsicht zu genießen, da sie mit schlechterem Kursverlauf höher ausfällt.

Abgesehen davon können die Performance-Ergebnisse je nach Betrachtungszeitraum völlig unterschiedlich sein. Beispiel MSCI World. Der lief aktuell auf Jahressicht leicht besser als der MSCI World High Dividend Yield. Über fünf Jahre präsentiert der sich mit 83 % gut doppelt so gut wie der MSCI World. Auf zehn Jahre gesehen ist das Verhältnis wiederum umgekehrt. Bei aller Uneinheitlichkeit ist eines klar: Eine Garantie auf höhere Renditen sind Dividenden-ETFs per se nicht. Davon abgesehen kosten sie auch mehr.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.