Dodd-Frank-Act: Wichtiger Anleger-Schutz vor dem Aus?

Der Dodd-Frank-Act sollte eine neue Finanzkrise verhindern, steht aber nun vor der Auflösung - was bedeutet das für Anleger? (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Die Finanzkrise (2007 bis 2009) vor 10 Jahren hat zum größten Wirtschaftsabschwung seit der Großen Depression in den 1930er Jahre geführt.

Diese Krise, die in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers gipfelte, hat binnen weniger Jahre allein in den USA Vermögenswerte (Pensionsgelder, Immobilienwerte etc.) in Höhe von rund 5 Billionen US-$ vernichtet. Weltweit summierte sich der Schaden durch die Finanzkrise auf 14 Billionen US-$ (Quelle: Federal Reserve Bank).

Um solche großen Finanzkrisen künftig zu verhindern, hat die US-Politik in 2010 die große Wall Street Reform (Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act) auf den Weg gebracht. Doch was genau ist der „Dodd-Frank-Act“ und was hat das Gesetz für Auswirkungen auf Anleger?

Was ist der Dodd-Frank-Act?

Der Dodd-Frank Act ist ein US-Bundesgesetz, das im Jahr 2010 vom US-Präsidenten Barack Obama unterschrieben wurde, um den Finanzmarkt (Banken etc.) stärker zu regulieren. Das Gesetz umfasst insgesamt 15 Kapitel mit über 540 Gesetzesartikeln auf über 800 Seiten.

Der Name des Gesetzes (Dodd-Frank) geht auf die beiden Ausschuss-Vorsitzenden Chris Dodd (Vorsitzender des Senatsausschusses für Banken) und Barney Frank (Vorsitzender des Ausschusses für Finanzdienstleistungen des US-Repräsentantenhauses) zurück.

Die zentralen Punkte des Dodd-Frank-Act

Zu den zentralen Punkten des Dodd-Frank-Acts gehört unter anderem ein Rat zur Überwachung der Finanzmarktstabilität und zur Koordination der Finanzmarktaufsicht.

  • Die Finanzmarktaufsicht kann Unternehmen außerhalb des Bankensektors unter die Aufsicht der US-Zentralbank stellen. Ebenso können systemrelevante Banken und Finanzinstitute, die in Schieflage geraten sind, de facto verstaatlicht und geregelt abgewickelt werden.
  • Zudem werden nicht für den öffentlichen Vertrieb zugelassene Anlagefonds wie zum Beispiel Hedgefonds oder Private Equity Fonds stärker durch die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) überwacht. Bestimmte OTC-Derivate und andere Finanzderivate sind an einer regulierten Swap Execution Facility (SEF) zu handeln.
  • Der Dodd-Frank Act sieht außerdem vor, dass Versicherungsunternehmen stärker überwacht werden, wobei auch hier notleidende Versicherungsfirmen der Aufsicht der US-Zentralbank unterstellt werden können.
  • Ferner kann der Staat durch den Dodd-Frank-Act direkt in die Finanzmarktstruktur eingreifen, in dem ein Moratorium für staatliche Einlagensicherungsgesellschaft erlassen wird, um bestimmte Einlagen zu versichern.
  • Gleichzeitig können die Aufsichtsbehörden Banken, Sparkassen und dessen Holdings stärker regulieren und den Eigenhandel dieser Finanzinstitute einschränken.
  • Auch enthält der Dodd-Frank-Act Regelungen zum Verbraucherschutz und zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Durch das Gesetz wurde zum Beispiel das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) ins Leben gerufen – eine Behörde, die Verbraucher im Finanzsektor besser schützen soll. Konsumenten können über die Behörde Beschwerden, aber auch Fragen zu Geldthemen einreichen.

Was sind die Ziele des Dodd-Frank-Acts?

Ziel des Dodd-Frank-Acts ist in erster Linie, die Finanzmarktstabilität zu gewährleisten, indem Finanzmarktteilnehmer (Banken, Versicherungen etc.) stärker reguliert werden. Gleichzeitig soll sich durch das Gesetz die Transparenz im Finanzsystem verbessern.

Durch die stärkere Regulierung soll unter anderem verhindert werden, dass Banken oder andere Finanzinstitute durch riskante Wetten am Finanzmarkt in Schieflage geraten und erneut vom Staat bzw. vom Steuerzahler gerettet werden müssen.

Die Zukunft des Dodd-Frank-Acts

US-Präsident Donald Trump will wesentliche Teile des Dodd-Frank-Acts mit einer Bankenderegulierung abbauen. Trump glaubt, dass Banken durch das Dodd-Frank-Gesetz nicht mehr richtig funktionieren und insbesondere für kleine und mittelgroße Firmen keine ausreichenden Kredite mehr bereitstellen – dies will der amtierende US-Präsident ändern.

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Die Aufweichung von Dodd-Frank hat aber keinesfalls nur Vorteile. Ökonomen und Kritiker fürchten, dass durch die Bankenderegulierung der Grundstein für die nächste Krise gelegt werden könnte.

Dadurch könnten undurchsichtige, strukturierte Finanzprodukte wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) wieder salonfähig werden, auch wenn diese unter einem neuen Namen (Bespoke Tranche Opportunity etc.) verkauft werden.

Kurzum: Sollte der Dodd-Frank-Act abgeschafft oder ersetzt werden, steigt die Gefahr für Anleger vor Fehlinvestments am Finanzmarkt wieder. Anleger sollten sich daher von undurchsichtigen Finanzprodukten fern halten und stattdessen auf qualitativ hochwerte Unternehmen in Form von Aktien und Dividenden setzen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands