Donald Trumps Wirtschaftswunder steht auf wackeligen Beinen

„Es gibt keine Rückkehr in eine Welt vor der Globalisierung“ sagte Obama beim Abschiedsbesuch in Berlin. Tatsächlich hat sie hierzulande und in Amerika günstige Preise für Konsumgüter aus aller Welt beschert und ist in Zeiten von Internet und Digitalisierung ohnehin nicht mehr zurückzudrehen.

Umso spannender ist die Überlegung, wie es nun um die Aussichten für Wirtschaft und Konjunktur in den USA für 2017 bestellt ist. Immerhin bereitet Donald Trump eine Abkehr vom Freihandel vor und will sein Land mit Protektionismus sowie Staatsausgaben voranbringen.

2017: Aussichten für die Konjunktur in den USA

Dabei hatte erst Anfang Oktober der Internationale Währungsfonds (IWF) neben Reformen am Arbeitsmarkt den Abbau von Handelsbarrieren gefordert. Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Lage der US-Wirtschaft etwas eingetrübt, nachdem sie zuvor auf Wachstumskurs war. Obwohl die Arbeitslosenrate mit 4,7% erfreulich niedrig und der Preisauftrieb moderat ist, revidierten die Ökonomen ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,2% auf 1,6% und für 2017 auf 2,2%.

Einen Monat später hellten sich die Minen wieder auf. Anlass war der neueste Bericht zur Konjunktur. Die Wirtschaft der USA zeigte mit Blick auf die Sommerdaten ein überraschendes Wachstum wie seit zwei Jahren nicht mehr. Getrieben wurde es durch steigende Exporte, allerdings blieb der private Konsum hinter den Erwartungen zurück.

Eigentlich sollte der unerhofft erfreuliche Export Anlass sein, die Wirtschaft zu modernisieren, zu stärken und die Hürden in wichtigen Absatzmärkten niedrig zu halten. Doch anstatt die Wettbewerbsfähigkeit der in weiten Teilen veralteten produzierenden Industrie zu verbessern, sucht Trump sein Heil in der Abschottung. Dazu gibt es zwei Szenarien:

1. Kommt der Boomerang-Effekt?

Die neuen Zölle verteuern die meisten Alltagsgüter (Stichwort: „Made in China„) genauso wie Maschinen und Ausrüstungen für die Industrie, die zu einem Großteil auch aus Deutschland bezogen werden. Die rapide steigende Inflation wird Zinserhöhungen nach sich ziehen, und im Ergebnis leiden alle, die auf günstige Preise und Kredite angewiesen sind. Geld wird nämlich ebenfalls teurer. Ein Konsumrückgang ist absehbar, blieb er doch ohnehin schon hinter den Erwartungen zurück.

Außerdem sind neue Hürden auf Dauer keine Einbahnstraße. Im Handelskrieg wird sich China wehrhaft zeigen, seinerseits Zölle erheben oder bei Großaufträgen beispielsweise Airbus vor Boeing den Zuschlag geben. Die „Global Times“, Pekings Sprachrohr, hat derartige Boomerang-Effekte schon ausgearbeitet. Davon abgesehen wird die Wirkung von Einfuhrzöllen für die USA beschränkter sein als propagiert. Denn Importe machen nur 16% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

2. Wirtschaftswunder: Neuauflage der Reaganomics?

Es könnte aber auch ein kleines Wirtschaftswunder entstehen, angefacht durch das geplante massive Investitions- und Steuersenkungsprogramm. Laut Tax-Foundation dürfte es zumindest kurzfristig für Wachstumsschub sorgen, ähnlich wie unter Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Nachfrage und Angebot werden stimuliert, in der Folge entstehen neue Arbeitsplätze.

Dieses Szenario gilt nach derzeitiger Ansicht der Finanzmärkte als wahrscheinlich. Der Spontanimpuls dürfte die Wirtschaft der USA vorübergehend treiben und die Konjunktur aufhellen. Für 2017 wird wegen des Trump-Effekts ein BIP-Wachstum von mindestens 2,4% erwartet.

Doch über die Sicht von ein, zwei Jahren hinaus, bedrohen andere Einflussfaktoren Trumps Wirtschaftswunder. Bleibt er, wie angedroht, bei seinem Abschottungskurs gegenüber China, könnte das dortige Wirtschaftswachstum einbrechen. Zudem: Die chinesische Wirtschaft ist in Relation zum BIP fast doppelt so hoch verschuldet wie die amerikanische. Wenn dann eine Kapitalflucht einsetzt, geraten nicht nur China und Exportländer wie Deutschland, sondern auch die Aktienmärkte erheblich unter Druck.

Nicht ohne China

Gleichzeitig werden die Zinsen steigen, allein schon weil Trumps Programm die Gesamtverschuldung auf bis zu 27 Billionen US-$ erhöhen dürfte. Und wieder steht China im Zentrum, denn das Land ist größter Gläubiger der USA. Trump wird schlicht gezwungen sein, sich mit Peking zu einigen. Doch selbst dann werden immer höhere Zinsen den Steuererleichterungseffekt auf absehbare Zeit einholen.

Nach einigen Jahren wird das Strohfeuer erlöschen, ohne dass die US-Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit hätte verbessern müssen. Was bleibt, sind noch mehr Schulden bei gestiegenen Zinsen und bislang ungewohnten Währungsunsicherheiten.

7. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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