Dow-Theorie: Am Nordseestrande

Stellen Sie sich bitte einmal für einen Moment vor, Sie stünden an einem flachen Strand der Nordsee und sollten den Wechsel zwischen Ebbe und Flut bestimmen.

Eine einfache Methode wäre: Sie markieren den höchsten / weitesten Punkt, den eine Welle den Strand überspült, mit einem Stock.

Wird diese Markierung von einer der nächsten Wellen übertroffen, dann wissen Sie: Es herrscht gerade Flut.

Der Punkt, an dem Sie den Stock nicht mehr weiter in Richtung Landesinneres verschieben können, kennzeichnet den Wechsel auf Ebbe.

Es dürfte klar sein, wie Sie weiter vorgehen sollten, um das Ende der Ebbe festzustellen…

Auf- und Abwärtstrends sind Ebbe und Flut am Aktienmarkt

Als versierter Charttechniker wissen Sie bereits, worauf ich mit meinem Nordseestrand-Beispiel hinaus möchte:

Die Flut verkörpert den langfristigen Aufwärtstrend, die Ebbe den langfristigen Abwärtstrend.

Doch mit diesem Wissen haben Sie so manchem anderen (unwissenden) Marktteilnehmer gegenüber einen weit größeren Vorteil:

Wenn Sie am Aktienmarkt erst einmal festmachen können, wo die Wechsel von „Ebbe und Flut“ stattfinden, dann können Sie sicher sein, dass jede Gezeit eine ganze Weile andauert.

Zwischenzeitliche Gegenbewegungen bringen Sie dann nicht mehr aus der Ruhe und ab von Ihrem langfristigen Plan.

Die Dow-Theorie

Doch wie können Sie an der Börse diese Gezeiten-Wechsel erkennen? – Zunächst einmal natürlich mit Hilfe der Charttechnik:

Ein anerkanntes, weil über viele Jahrzehnte hinweg erprobtes, Werkzeug ist die Dow-Theorie.

Sie geht zurück auf den Gründer der Dow Jones Finanznachrichten-Dienste, Charles H. Dow.

Ihm wird die „Erfindung“ der Dow Jones Indizes zugeschrieben. Charles H. Dow legte mit seinen nahezu wissenschaftlichen Artikeln die Grundlagen für die Dow-Theorie.

Nach seinem Tod im Jahr 1902 wurde die Theorie von seinem Nachfolger William P. Hamilton über einen Zeitraum von 27 Jahren systematisiert.

Die 4 Säulen der Dow-Theorie

Die Dow-Theorie basiert grob auf 5 Säulen:

  1. Die Indizes berücksichtigen ALLE Marktaktivitäten, mit Ausnahme von „Akten Gottes“. Soll heißen: Die Dow-Theorie fußt ausschließlich auf Charttechnik.
  2. Es gibt 3 Trends: Der Primär-Trend dauert Monate bis Jahre, der Sekundär-Trend Wochen bis Monate und der Tertiär-Trend Tage bis Wochen.
  3. Zeigt der Primär-Trend aufwärts, liegt ein „Bullenmarkt“ vor, umgekehrt ein „Bärenmarkt“.
  4. Sekundär- und Tertiär-Trends können zeitweilig auch entgegen dem Primar-Trend verlaufen, ohne dessen Richtung zu verändern.
  5. Wenn sich Dow Jones Industrial Average und Dow Jones Transportation Average in ihrem Primär-Trend gegenseitig bestätigen, dann dokumentiert das – je nach Richtung – entweder einen Bullen- oder Bärenmarkt.

Warum Industrie- und Transport-Index?

Warum entschieden sich Charles H. Dow und William P. Hamilton ausgerechnet für diese beiden Indizes? – Ganz einfach:

Waren müssen von ihrem Fertigungsort zum Einzelhandel transportiert werden, damit sie auch gekauft werden können.

Werden mehr Waren gebraucht, weil mehr verkauft wird, dann profitieren davon sowohl die Hersteller, als auch die Transporteure der Waren und damit zugleich deren Aktien.

Dies ist ein Zeichen für einen Bullenmarkt. Für einen Bärenmarkt gilt natürlich genau das Gegenteil.

Dow-Theorie: Beide Indizes bestätigen sich weiterhin

Schauen wir uns das einmal im Chart an:

Dow Theorie_15-02-2017

Dow-Theorie: Beide Indizes bestätigen sich erneut.

Bereits wenige Tage nach der US-Präsidentschaftswahl (vertikaler grüner Balken) brachen der Dow Jones Industrial Average und der Dow Jones Transportation Average aus ihren mehrmonatigen Seitwärts-Bewegungen nach oben aus – ein erstes Bestätigungs-Signal.

Der Industriewerte-Index schaffte dabei bereits erste neue Rekordhochs (Anstieg über die gestrichelte Horizontale). Der Transport-Index folgte Anfang Dezember.

Der grüne Kreis im Dow Jones Industrial Average-Chart zeigt ein weiteres Markieren neuer Allzeithochs.

Da dies im Dow Jones Transportation Average-Chart mit bloßem Auge (gelber Kreis) kaum zu erkennen ist, verweist der orange Pfeil auf das neue Rekordhoch im Index.

Beide Indizes bestätigen sich also auch weiterhin. Somit befindet sich die Wall Street unverändert in einem Bullenmarkt.

Wenn Sie also das nächste Mal Urlaub an der Nordsee oder einem Strand mit Gezeiten-Wechsel machen, dann denken Sie einmal kurz an Charles H. Dow und seine Theorie und lächeln Sie „wissend“.


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15. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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