Dual Listing: Definition und die Nachteile für Anleger

Zweitnotierungen eines ausländischen Unternehmens an einer deutschen Börse (oder eines deutschen Unternehmens an einer ausländischen Börse), englisch Dual Listing genannt, werden von Unternehmen zur Verbreiterung ihrer Aktionärsbasis angestrebt.

Dual Listings sind durchaus sinnvoll, denn das Unternehmen wird dadurch bekannter („Marketing- Effekt“), wodurch das Risiko sinkt, das mit einem Engagement in der Aktie verbunden ist.

Warum das Risiko einer Aktie durch ein Dual Listing zurückgehen kann

Hierfür gibt es verschiedene Gründe:

Erstens werden durch das Dual-Listing Investoren und Analysten auf das Unternehmen aufmerksam und Fonds, die nur an ihrer inländischen Börse investieren dürfen, können nun auch in das zweitgelistete Unternehmen investieren.

Damit verteilt sich das Risiko auf mehrere Investoren.

Zweitens ist es möglich, dass Unternehmen aufgrund eines geringen Branchen-Know-hows der heimischen Anleger dort zu niedrig bewertet werden.

Sind dagegen an der Auslandsbörse Branchenspezialisten ansässig, werden diese dazu beitragen, Unternehmen besser einzuschätzen und somit die Bewertung positiv zu beeinflussen.

Drittens müssen sich Unternehmen, die sich an einer anderen Börse listen lassen, den dortigen Corporate Governance-Standards anpassen.

Entscheidet sich ein Unternehmen für ein Listing an einer Börse mit deutlich höheren Standards, können sie damit den inländischen Investoren ihre Qualität signalisieren.

Wenn das Risiko sinkt, ist das gut für Sie als Aktionär

Geht das Risiko durch das Dual Listing zurück, führt dies letztendlich zu einer Steigerung des Unternehmenswertes.

Dies gilt allerdings nur, wenn das Handelsvolumen an der Zweitbörse ausreichend ist. Leider ist dies in den meisten Fällen nicht der Fall.

Empirische Untersuchungen zeigen, dass – nach anfänglich bedeutsamer Handelsaktivität an der Zweitbörse – ein ausgeprägter Rückfluss-Effekt ins Heimatland stattfindet.

Am Ende dieses Prozesses werden nicht selten 95% und mehr des gesamten Handelsvolumens an der Heimatbörse gehandelt.

Die Zweitbörse spielt dann keine Rolle mehr, sondern wird zu einem illiquiden Markt mit geringsten Börsenumsätzen.

 Anleger bevorzugen Sicherheit

Generell bevorzugen Anleger Märkte mit einer hohen Zahl von Marktteilnehmern (und hoher Liquidität), weil dies die Liquiditätskosten verringert.

Für Sie bedeutet dies, dass die Spanne zwischen den Kauf- und Verkaufskursen (die sogenannte „Geld-Brief-Spanne“) einer Aktie zurückgeht.

Je größer die Geld- Brief-Spanne ist, desto größer sind die Verluste, die ein Anleger durch den Kauf und sofortigen Verkauf einer Aktie hinnehmen muss.

Je geringer die Geld-Brief-Spanne ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Ausführung einer Wertpapier-Order und desto geringer das Risiko zufällig schwankender Preise.

Aktienkauf an der Heimatbörse schont die Nerven

Besteht die Wahl zwischen mehreren Börsen, die den gleichen Markt abdecken, so wird sich ein Marktteilnehmer für die Börse mit der größeren Liquidität, also dem größeren Handelsvolumen und der größeren Teilnehmerzahl, entscheiden.

So waren die Kursanstiege bei Corticeira Amorim in der vergangenen Woche nur darauf zurückzuführen, dass Kleinstmengen an Aktien gehandelt wurden, die keine Aussagekraft über die tatsächliche Wertentwicklung haben.

Denn an der portugiesischen Heimatbörse war eine völlig normale Kursentwicklung zu beobachten.

Das ist der Grund, weshalb ich Ihnen empfehle, Aktien grundsätzlich an ihrer Heimatbörse zu kaufen.

Dies spart nicht nur Geld, da die Geld-Brief-Spanne viel enger gesetzt ist als an einer wenig liquiden Auslandsbörse, sondern schont auch Ihre Nerven.

18. Oktober 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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