E-Bike Aktien: Diese Trend-Papiere gibt es

E-Bike Aktien gibt es bislang nur wenige. Aber die Fahrräder liegen im Trend. Und auch in Europa gibt es schon einen Kandidaten. (Foto: moreimages / shutterstock.com)

In der allgemeinen Aufregung über die Umweltprobleme von Verbrennungsmotoren geraten vor allem deutsche Hersteller wie BMW, Daimler und VW unter Druck, Stichwort: Fahrverbote für Diesel. Bei genauer Betrachtung sind aber auch E-Fahrzeuge wegen der schlechten Umweltbilanz riesiger Batterien in Massen keine echten Hoffnungsträger.

Derweil erfreut sich Radfahren zunehmender Beliebtheit. Dass selbst weniger sportliche Zeitgenossen den Reiz auf zwei Rädern entdecken, liegt an der Antriebshilfe von E-Bikes. Aktien aus dem Bereich sollten eigentlich Potenzial haben.

Beachtliche Zuwachsraten

Sie treffen nicht nur den Nerv der Zeit, sondern erschließen auch neue Käuferschichten. E-Bikes erlauben mit ihrem Zusatzantrieb höhere Geschwindigkeiten und Reichweiten, auch wenn die Puste mal auszugehen droht. Die Vielfalt reicht von der handlichen Batterie bis zum Ersatz für klassische Mofas. Mit höchstens 25 km/h ist lediglich ein Versicherungskennzeichen Pflicht.

Je nachdem ob es ein Drahtesel mit Elektrohilfe für die Stadt sein soll, ein E-Mountainbike oder ein hippes Liegerad, die Preise rangieren zwischen grob 400 Euro bis zu 3.000 Euro und mehr. Ein Segen für das traditionell eher margenschwache Geschäft.

Der Trend zeichnete sich bereits vor Jahren ab, weshalb Aktien von E-Bike Herstellern als Investition in eine grüne Mobilität angepriesen wurden. Tatsächlich wurden frühere Prognosen durch die Zuwachsraten der letzten Jahre bestätigt. 2016 wurde bereits ein Umsatzplus von 13 % verzeichnet, ein Jahr später waren es schon rund 15 %. Ein Spitzenwert im Konsumgüterbereich.

Zum Gesamtumsatz bei Fahrrädern von über 3,1 Mrd. Euro trugen E-Bikes mit zuletzt 38,7 % bei. Der Verband der Zweirad-Industrie (ZIV) rechnet bis in vier Jahren mit einer Verdreifachung der Verkaufszahlen. Derzeit sind angeblich über drei Mio. E-Bikes herzulande unterwegs. Damit ist Deutschland nach China und Indien der drittgrößte Markt weltweit.

Die Elektromobilitäts-Pläne von Daimler und BMWDie 3 Autobauer VW, Daimler und BMW können mit ihren Zukunfts-Plänen überzeugen: Ich hatte Ihnen ja in einem vorangegangenen Beitrag bereits von der Elektro-Offensive von VW berichtet. Kurzinfos zu den… › mehr lesen

Nur wenige E-Bike Aktien

Wer sich jedoch für E-Bike Aktien interessiert, wird nur wenige finden. In Deutschland gibt es vorwiegend kleinere und mittelständische Anbieter. Etliche gehören zu großen Konzernen. So gibt es auch die frühere Mifa nicht mehr in der alten Form. Die Mitteldeutschen Fahrradwerke aus Sangershausen waren 2004 an die Börse gegangen. Anfang 2015 aber wurde die Aktie von der Deutschen Börse ausgemustert, denn Mifa war pleite. Nach einem Rettungsversuch als GmbH geriet sie erneut in die Insolvenz und gehört mittlerweile als Sachsenring Bike Manufaktur zum indischen Hersteller Hero Cycles.

Seitdem gibt es von reinen Herstellern im engeren Sinne weltweit nur drei Aktienunternehmen. Die zwei chinesischen Unternehmen Giant und Merida sind an der Börse Taiwan notiert. Allerdings kommen sie für Privatanleger wegen mangelhafter Transparenz und schlechter Handelbarkeit nicht in Betracht. Bleibt wesentlich der Marktführer in Europa: Accell Group. Die Niederländer sind hierzulande mit Marken wie Ghost, Minora sowie Haibike bekannt.

2017 konnte Accell einen Übernahmeversuch des Mischkonzerns Pon Holding abwehren und weiter unabhängig bleiben. Hergestellt werden Räder mit und ohne Antrieb. Während der Absatz traditioneller Fahrräder deutlich nachgibt, ist der Anteil der E-Bikes auf 62 % gestiegen. Trotz kontinuierlich gestiegener Umsätze auf zuletzt rund 1,7 Mrd. Euro ist der operative Gewinn 2017 erstmals eingebrochen: um 21,4 % auf 70,65 Mio. Euro.

Accell will die Wende schaffen

Accell hat nun ehrgeizige Pläne mit Umstrukturierungen seine Profitabilität wieder zu erhöhen. Bis 2022 soll zudem der Umsatz auf 1,6 Mrd. Euro steigen. Dieses Jahr soll die Wende bringen. Einstweilen müssen sich Aktionäre mit einer um 30 % gekürzten Dividende zufrieden geben. Das erste Halbjahr 2018 zumindest stimmt wieder optimistisch. Die Aktie dürfte sich wieder deutlich erholen. Zuletzt war sie nach ihrem Allzeithoch von 32 Euro Mitte 2017 um die Hälfte gefallen und ist derzeit stark unterbewertet.

Wer sich für E-Bike Aktien im weiteren Sinne interessiert, sollte sich Zulieferer anschauen. Zum Beispiel Panasonic, das passende Akkus für fast jedes Modell liefert und mit Tesla an dessen Batteriefabrik kooperiert. Batterien für E-Bikes liefert auch Voltabox. Das Unternehmen aus Dellbrück ist im Oktober 2017 an die Börse gegangen. In Japan wiederum sitzt Shimano als weltweit führender Zulieferer von Ketten, Gangschaltungen und E-Bike-Antrieben.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.