eBay trennt sich von PayPal – Was sind die Folgen für die Aktie?

eBay und PayPal wollen die enge Partnerschaft lösen. Was ist der Grund und wer ist der Verlierer? (Foto: Studio Stock / shutterstock.com)

Paukenschlag in der E-Commerce-Szene. Nach 15 Jahren enger Partnerschaft trennen sich in naher Zukunft die Wege von eBay und seiner einstigen Tochtergesellschaft PayPal. eBay will langfristig auf einen anderen Zahlungsabwickler setzen – auf die niederländische Adyen.

Für eBay-Kunden ändert sich zunächst wenig. PayPal wird auch künftig als Zahlungsoption auf eBay zur Verfügung stehen – zumindest bis Juli 2023. Doch schon in diesem Jahr will eBay die ersten Änderungen anstoßen und den Umbau einleiten.

Die Partnerschaft mit PayPal läuft noch bis Mitte 2020, bis 2023 soll der Umbau dann abgeschlossen sein. Schon ab Mitte 2020 soll der Zahlungsabwickler Adyen als Backend-System auf der eBay-Plattform zur Verfügung stehen und PayPal als bevorzugter Zahlungsabwickler ersetzen.

eBay hofft bereits bis zum Jahr 2021 den Großteil seiner Verkäufer und Marktplatzkunden auf das neue Adyen Zahlungssystem umgestellt zu haben. Doch viele Anleger fragen sich, warum sich eBay ausgerechnet für den Zahlungsanbieter Adyen entschieden hat?

Warum sich eBay von PayPal trennt – und für Adyen entscheidet

Adyen mit Sitz in Amsterdam wurde erst im Jahr 2006 gegründet und ist deutlich kleiner als PayPal. Dennoch betreut Adyen bereits namhafte Kunden wie Uber, Netflix, Spotify oder EasyJet.

Im Jahr 2016 wickelte Adyen Zahlungstransaktionen im Volumen von 90 Mrd. US-$ ab – ein Zuwachs von 80 % gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: PayPal wickelte im Jahr 2016 bereits ein Zahlungsvolumen von mehr als 350 Mrd. Dollar ab.

Dennoch bietet Adyen entscheidende Vorteile für eBay: Zum einen unterstützt Adyen mehr als 200 Zahlungsmethoden, so dass eBay künftig seinen Kunden mehrere verschiedene Zahlungsmöglichkeiten (Apple Pay, Samsung Pay, Giropay, Klarna, Visa Kreditkarte, Mastercard etc.) anbieten kann.

Zum anderen bietet Adyen ausschließlich Backend-Lösungen an, die im Hintergrund laufen, was bedeutet, dass eBay mehr Kontrolle über den Zahlungsabwicklungsprozess gewinnt und die Zahlungsabwicklung durch Kooperationen mit lokalen Zahlungsdiensten auch günstiger anbieten kann.

Dadurch gewinnt eBay auch mehr Einblick in die Zahlungspräferenzen seiner Kunden, ähnlich wie dies andere E-Commerce-Giganten wie Amazon und Alibaba bereits tun. Daten sind bekanntlich die neue Währung im digitale Zeitalter und damit entsprechend wertvoll. eBay kann diese Daten dazu nutzen, um zum Beispiel den Service für Kunden und Händler weiter zu verbessern.

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Welche Auswirkungen hat die Trennung für PayPal?

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht gerieten PayPal-Aktien zunächst kräftig unter Druck. Dies ist nicht verwunderlich, ist doch eBay trotz der Abspaltung im Jahr 2015 einer der wichtigsten PayPal-Kunden. Zur Erinnerung: PayPal hatte sich Mitte 2015 von eBay losgelöst, nachdem der Online-Marktplatz den Online-Zahlungsdienst im Jahr 2002 für zunächst 1,5 Mrd. US-$ übernommen hatte.

Seit Mitte 2015 ist PayPal jedoch als selbständige Firma an der Börse notiert. Dennoch war PayPal nach wie vor eng mit eBay verbandelt. Im Schlussquartal 2017 machte das Transaktionsvolumen über eBay noch rund 13 % der gesamten Transaktionen aus, die PayPal abgewickelt hat.

Doch PayPal Chief Operating Officer (COO) Bill Ready sieht die Trennung gelassen. Der PayPal-Manager verweist darauf, dass PayPal nun mehr Freiheiten besitzt. Zwar war PayPal bislang einer der exklusiven Partner auf eBay, doch im Gegenzug musste PayPal Rücksicht auf eBay-Konkurrenten nehmen und konnte nicht enger mit anderen Online-Marktplätzen zusammenarbeiten – im Juli 2020 ist das vorbei.

Ab diesem Zeitpunkt kann PayPal anderen Online-Marktplätzen den gleichen Service bieten wie auf eBay. Zudem wird PayPal auch weiterhin als Zahlungsoption auf eBay zur Verfügung stehen.

Fazit: Sowohl eBay als auch PayPal profitieren vom Ende der Partnerschaft

Es mag Paradox klingen, doch sowohl eBay als auch PayPal profitieren vom nahenden Ende der Partnerschaft. Beide Unternehmen erhalten damit mehr Flexibilität, ihr Geschäft weiter auszubauen.

eBay könnte dieser Schritt nach Analystenschätzungen zusätzliche Umsätze von bis zu 2,0 Mrd. US-$ pro Jahr in die Kassen spülen. Der Grund: eBay kann dann Zahlungsabwicklungsgebühren Verkäufern selbst in Rechnung stellen – bislang hat PayPal dies getan. eBay winken daher auch höhere Gewinnmargen in diesem Geschäft.

PayPal dürfte aber ebenfalls von der eher symbolischen Trennung profitieren, denn PayPal wird weiterhin als Zahlungsoption auf eBay zur Verfügung stehen. Dank seiner mehr als 227 Millionen aktiven Kunden hat PayPal bereits eine kritische Masse erreicht, wodurch PayPal kaum mehr ersetzbar scheint – viele registrierte eBay- und PayPal-Kunden werden voraussichtlich auch in Zukunft weiter PayPal nutzen.

Das Geschäft mit anderen Unternehmen ist zuletzt bereits schon schneller gewachsen als das Geschäft mit eBay, so PayPal-Chef Dan Schulman – dieser Trend könnte sich auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen.

Das Ende der Partnerschaft stellt also weder für eBay, noch für PayPal einen Beinbruch da. Vielmehr bietet der weltweit boomende Online- und Mobile-Zahlungsmarkt Chancen für beide Unternehmen. Anleger sollten daher keine voreiligen Schlüsse ziehen und die Situation mit etwas Abstand beurteilen, bevor etwaige Aktien über Bord geworfen werden.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands