Eine kurze Historie der Spekulationsblasen

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Die meisten unter Ihnen würden diese Aussage bedenkenlos unterzeichnen.

Wenn es um Gier geht, ist die Sachlage nicht so eindeutig.

Film-Enthusiasten unter Ihnen werden sich gerne an den Hollywood-Film „Wall Street“ erinnern, in dem der von Michael Douglas verkörperte Gordon Gecko die Behauptung aufstellte: „Gier ist gut!“.

Damit wollte Gordon Gecko unter anderem vor einer Lethargie warnen, die sich an den Kapitalmärkten in den frühen 1980er-Jahren breitgemacht hatte.

Wer gierig wäre, so sein Motto, würde früher oder später genauso reich sein wie er.

Die negativen Folgen der Gier

Gier ist menschlich, ja sie steckt in unseren Genen und muss folglich nur geweckt werden. Daher sollten Sie auch über deren Konsequenzen informiert sein.

Denn die negativen Folgen können erheblich sein, vor allem, wenn durch Gier Aktienkurse in Größenordnungen bewegt werden, die rational nicht länger begründet werden können.

An der Börse werden diese Kursbewegungen im Nachhinein als „Spekulationsblasen“ bezeichnet.

Die erste Spekulationsblase fand bereits vor fast 500 Jahren statt

An den Kapitalmärkten treten Spekulationsblasen immer wieder auf.

Das früheste Beispiel einer Spekulationsblase ereignete sich in Holland im Jahre 1637. Damals galt die Tulpe als Statussymbol.

Damen der feineren Gesellschaft trugen die Tulpe zu gesellschaftlichen Anlässen als Haarschmuck. Das Ärgerliche an Tulpen ist ihre geringe Fortpflanzungsgeschwindigkeit.

So wuchs das Angebot also langsamer als die Nachfrage. Was auf funktionierenden Märkten die Preise steigen lässt. Bei den holländischen Tulpen in zuletzt haarsträubende Höhen:

Für eine Tulpe der Sorte „Vizekönig“ mussten damals zwei Wagenladungen Weizen, vier Wagenladungen Roggen, vier fette Ochsen, acht fette Schweine, zwölf fette Schafe, zwei Fässer Wein, vier Tonnen Bier, 1.000 Pfund Käse, ein Silberpokal, ein Bett und ein Anzug bezahlt werden.

Damit Sie eine Vorstellung für diesen Preis bekommen: Das war ungefähr viermal so viel, wie Rembrandt, damals schon ein international bekannter Künstler, für sein berühmtestes Werk, „Die Nachtwache“, erhalten hatte.

Um an der Tulpen-Hausse mitzumachen, belasteten die weniger Betuchten Bürger ihre Häuser und Werkstätten und veräußerten Hof, Hab und Gut.

Nur um nach dem Platzen der Spekulationsblase alles zu verlieren.

Gute Aktien steigern laufend ihren Unternehmenswert

Denn das ist die Regel, für die es keine Ausnahme gibt: Jede Spekulationsblase platzt früher oder später.

Und zwar immer dann, wenn die Angst anfängt, die Gier zu verdrängen.

Problematisch ist dies vor allem Spekulationsobjekten, also bei Anlageobjekten, die dem Besitzer aus sich selbst heraus keine unmittelbare Rendite versprechen.

Sammelbilder oder auch die gerade gehypten Bitcoins sind hierfür gute Beispiele. Die Parallelen zu den Tulpen liegen nach meinem Dafürhalten geradezu auf der Hand.

Bei gut aufgestellten Unternehmen, die regelmäßige Erträge erwirtschaften und diese an ihre Aktionäre ausschütten, treten Spekulationsblasen ungleich seltener auf.

Eine profunde Aktienauswahl ist entscheidend

Ursächlich hierfür ist, dass sie durch ihre permanente Schaffung von Werten den aus den Fundamentalfaktoren ermittelten Unternehmenswert laufend erhöhen.

Dass diese Unternehmen dauerhaft und massiv überbewertet sind, ist damit eher seltener der Fall.

In der Regel steigern diese Unternehmen Jahr für Jahr ihre Cashflows und damit auch ihren Unternehmenswert.

Sollten die Aktien dieser Unternehmen ungerechtfertigt unter Druck geraten, ist es beinahe garantiert, dass die Aktienkurse mittelfristig wieder über ihre vorherigen Kursniveaus zurückkehren.

9. Januar 2018

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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