Einfacher aber teurer: So greift der Fiskus jetzt bei Fonds ab

Die neuen Steueränderungen bei Investmentfonds betreffen mehr Anleger und Sparer als offiziell verlautet wird. (Foto: IhorL / Shutterstock.com)

Wer auf die Ertragskraft von Aktien setzt, aber keine Zeit hat, sich mit Einzeltiteln abzugeben, greift der Einfachheit halber zu gemanagten Fonds oder ETFs, die einem die Arbeit abnehmen. Was bisher bürokratischen Aufwand verursachte, war vor allem die drohende Doppelbesteuerung auf thesaurierende Fonds aus dem Ausland, bei denen Erträge automatisch wiederangelegt werden.

Mit den Steueränderungen für Investmentfonds, die ab 2018 gelten, wird das einfacher. Dafür wiederum muss man sich mit neuen Begriffen wie „Teilfreistellungen“ auseinandersetzen. Die Steueränderungen für Investmentfonds gelten auch für Immobilienfonds.

Im Wesentlichen wird die Besteuerung auf die Fondsebene verlagert und alle Anteile, die vor 2009 gekauft wurden, verlieren leider ihre Steuerfreiheit. Reine Rentenfonds oder staatlich geförderte Vorsorgeprodukte sind zumindest nicht direkt betroffen.

Steueränderungen bei Investmentfonds

Bisher zahlten die Fonds selbst keine Steuern auf Erträge wie Dividenden, Mieten oder Verkaufsgewinne, wohl aber deren Anleger, und zwar in Form der Abgeltungssteuer. Die wird auch weiterhin direkt von der Depotbank abgeführt, sobald die Beträge den Sparerpauschbetrag überschreiten. Künftig aber werden auch die Fonds vom Fiskus zu Kasse gebeten. Sie zahlen auf die Erträge 15 % Körperschaftssteuern, weshalb sie dann entsprechend weniger an die Anleger ausschütten können.

Zum Ausgleich wird man von der Abgeltungssteuer teilweise befreit. Die Höhe dieser Teilfreistellung richtet sich nach dem jeweiligen Fondstyp: 30 % sind bei Aktienfonds steuerfrei. 15 % sind es bei Mischfonds mit mindestens 25 % Aktienanteil. 60 % bleiben bei Immobilienfonds unangetastet und 80 % bei solchen mit Auslandsschwerpunkt.

Als Anleger musste man bisher Erträge, die gleich in den Fonds fließen und dessen Wert steigern, nicht jedes Jahr versteuern, sondern erst, wenn er verkauft wurde. Diese Art von Steuerstundung entfällt ab 2018 und wird durch eine Vorabpauschale ersetzt. Sie wird jährlich von der Depotbank ermittelt und ist gleich im Folgejahr zu begleichen. Beim späteren Fondsverkauf werden die gezahlten Beträge mit der dann fälligen Abgeltungssteuer verrechnet, um Doppelbesteuerungen zu vermeiden.

Vorabpauschale für schnelle und garantierte Steuereinnahmen

Die Vorabpauschale betrifft in- und ausländische thesaurierende Fonds sowie alle Spielarten der Wiederanlage von Erträgen. Um die mitunter komplizierte Berechnung kümmert sich die Bank. So gelten bei teilweise ausschüttenden Fonds fiktive Erträge.

Ähnlich das Vorgehen bei ETFs, die einen Index nicht direkt, sondern synthetisch abbilden. Bei synthetischen ETFs, deren Performance über ein Swap-Geschäft garantiert wird, das im Detail wenig mit dem abgebildeten Index zu tun hat, ist für eine Teilfreistellung nur entscheidend, dass das Trägerportfolio aus mindestens 51 % Aktienanteil besteht. Die Fonds haben sich bereits darauf eingestellt und sind für entsprechende Informationen zuständig.

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Mit den Steueränderungen für Investmentfonds kommt zunächst der Staat mit der Vorabpauschale schneller und sicherer an sein Geld. Für Anleger entfällt das bisher umständliche Steuerprozedere gerade bei ausländischen Fonds. Dafür ist es nicht mehr möglich, bei ausschüttungsähnlichen oder direkten Erträgen ausländischer Fonds, die man bislang selbst angeben musste, zu mogeln.

Doch leider ist dem Staat, der zunehmend die Totalkontrolle anstrebt, weil der dem Steuerzahler nicht traut, oft selbst nicht zu trauen. Das Bestandsschutz-Versprechen für alte Fondsanteile vor 2009 wurde kurzerhand kassiert. Wer glaubte, die alten Konditionen für sein Investment würden jahrzehntelang weiter gelten, sieht sich nun getäuscht. Zwar gibt es als Trostpflaster einen Freibetrag von 100.000 €, doch das hört sich mehr an als es ist.

Auch Kleinanleger und Vorsorgesparer betroffen

Wer etwa im November 2008 für 50.000 € einen ETF auf den Dax beim Stand von 4.127 Punkten gekauft hat, dessen Einsatz liegt bei mittlerweile rund 13.000 Dax-Punkten mit grob 50.000 € über dem Freibetrag. Aber auch Kleinanleger kommen schlechter weg. Wer mit seinen Erträgen den persönlichen Sparerpauschbetrag von 801€ bzw. 1.602 € für Paare nicht ausschöpft, dem nützt die neue Teilfreistellung nichts. Gleichzeitig aber bekommt er vom nun zu 15 % besteuerten Fonds geringere Ausschüttungen.

Indirekt werden auch Renten- und Lebensversicherungen belastet, in denen Fonds stecken, deren Erträge demnächst steuerbedingt niedriger ausfallen. Teilfreistellungen gibt es für diese Produkte nicht. Zwar soll die Altersvorsorge offiziell weiterhin steuerfrei bleiben. Da aber Fonds die Steuerbefreiung für Anteile von Rürup- oder Riester-Renten gesondert errechnen und beantragen müssen, ist davon auszugehen, dass der bürokratische Mehraufwand in Form teurerer Policen am Sparer hängen bleibt.

Teurer wird es auch für Anleger von Immobilienfonds – trotz Teilfreistellung. Zum einen werden die Mieterträge auf Seiten der Fonds besteuert. Zum anderen entfällt die zehnjährige Haltefrist, nach deren Ablauf bisher keine Veräußerungsgewinne versteuert wurden.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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