Elektroauto-Aktien bieten Chancen: die richtige Wahl ist entscheidend

Das Elektroauto steht unmittelbar vor dem Durchbruch, glaubt zumindest Pasquale Romano, Chef des weltgrößten Ladenetzes für Elektroautos, ChargePoint. Hintergrund sind die massiven Investitionen etablierter Autohersteller und Newcomer wie Tesla.

So werden bis 2020 gleich eine Reihe neuer Elektroautos erwartet, die neue Maßstäbe in der Elektroauto-Branche setzen könnten. Dazu gehören neben dem Tesla Model 3 und Model Y, auch der Porsche Mission E, der Audi e-tron, der Jaguar i-Pace, der Mercedes EQ, der VW ID, der Ford CUV und eine verbesserte Version des Nissan Leaf.

Auch für Anleger bedeutet die Investitionsoffensive der Hersteller Chancen auf Wachstum und Renditen, können Investoren doch durch Elektroauto-Aktien am Unternehmenserfolg teilhaben.

Tesla will mit dem Model 3 neue Maßstäbe setzen

Aktuell richten sich alle Blicke auf Tesla. Der kalifornische Elektroauto-Pionier steht unmittelbar vor der Markteinführung des Tesla Model 3 – das erste Elektroauto (Preis: 35.000 US-$) von Tesla für den Massenmarkt.

Die ersten Model 3 Elektroautos sollen am 28. Juli an die Kunden übergeben werden, so Tesla-Chef Elon Musk. Der Tesla-Gründer ist zuversichtlich, die Model 3 Produktion bis Dezember auf 20.000 Einheiten im Monat steigern zu können. Zur Erinnerung: Für das Tesla Model 3 liegen bereits rund 400.000 Vorbestellungen vor, das Elektroauto gilt bis Mitte 2018 als ausverkauft.

Berenberg Analyst Alexander Haissl schätzt, dass Tesla in den nächsten 5 Jahren 32,7 Mrd. US-$ in die Elektromobilität investieren wird – etwa 40 % mehr als Daimler und Volkwagen zusammen. Für Anleger haben sich die Investitionen bereits heute schon ausgezahlt. Tesla-Aktien kletterten auf 12-Monatssicht um knapp 70 %, auf 5-Jahressicht steht sogar ein Kursplus von 1.050 % zu Buche.

Elektroauto-Aktien in China: BYD leidet unter sinkenden Subventionen

Zu den führenden Elektroauto-Aktien gehört neben Tesla auch BYD. Der chinesische Elektroauto-Hersteller dominiert den chinesischen Markt. Von den 750.000 Elektroautos, die im Vorjahr weltweit verkauft wurden, gingen rund 100.000 Elektroautos auf das Konto von BYD.

Die Chinesen konnten ihren Elektroauto-Absatz in 2016 bereits um mehr als 70 % gegenüber dem Vorjahr steigern, in 2017 dürfte der Anstieg aber deutlich geringer ausfallen. Hintergrund ist unter anderem, dass Peking die üppigen Subventionen für Elektroautos langsam abbauen will.

Deshalb rechnet BYD damit, dass sich der Nettogewinn im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahr (339 Mio. US-$) halbieren wird. Anleger mussten sich daher im ersten Halbjahr mit einem Kursplus von knapp 20 % zufrieden geben.

Langfristig dürfte jedoch der BYD-Absatz weiter anziehen, denn China setzt verstärkt auf Elektroautos, um den Smog in den Großstädten zu bekämpfen. Peking will erreichen, dass bis 2020 etwa 5 Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen fahren.

Daimler will Milliarden in die Elektromobilität investieren

Der Stuttgarter Autobauer Daimler will den Schalter in Sachen Elektromobilität umlegen und mit Vollgas in die Zukunft fahren. Hierfür nimmt Daimler 10 Mrd. € in die Hand, die in den nächsten Jahren in Elektroautos und in die Marke EQ investiert werden sollen.

Bis 2025 sind mehr als 10 neue Elektroauto-Modelle von Daimler geplant, darunter auch der mit Spannung erwartete Mercedes EQ. Analysten verweisen darauf, dass Daimler bzw. Mercedes mit die höchste Summe unter den klassischen Autoherstellern in die Elektromobilität investiert.

Schwachpunkt bei Daimler war bislang die Beschaffung der Batteriezellen für Elektroautos. Eine zweite Fertigungsfabrik für Lithium-Ionen-Akkus in Kamenz soll Abhilfe schaffen. Daimler gehört zu den Elektroauto-Aktien, die Anleger definitiv im Auge behalten sollten.

Volkswagen will mit dem I.D. den Markt für Elektroautos revolutionieren

Nach dem Diesel-Skandal hat sich Volkswagen (VW) ehrgeizige Ziele gesetzt: VW will bis zum Jahr 2025 zum Marktführer bei Elektroautos avancieren. Ab 2025 sollen eine Million Elektroautos pro Jahr der Marke VW verkauft werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, will VW bis 2025 ganze 25 neue Elektroauto-Modelle auf den Markt bringen, darunter den Volkswagen I.D. Beim VW I.D. handelt es sich um ein Elektroauto, das nur 25.000 € kosten und den Massenmarkt ansprechen soll – allerdings wird dieses Elektroauto voraussichtlich erst in 2020 zu haben sein.

Analysten glauben, dass VW mehr Geld in den Aufbau von Batteriekapazitäten investieren muss, um seine Ziele bis 2025 zu erreichen. Konkret benötigt VW rund 150 Gigawatt an Batteriekapazitäten pro Jahr. Den großen Vorteil sehen Analysten bei der schieren Größe von VW sowie durch die vorhandene Logistik.

BMW: Elektro 3er soll Tesla Konkurrenz machen

Bislang gibt es von BMW mit dem i3 nur ein einziges reines Elektroauto. Dies soll sich in der Zukunft ändern. BMW will nicht nur den 3er BMW als rein elektrisch betriebene Version (Sports eDrive) in 2020 bringen, schon ein Jahr vorher soll es einen Mini-E geben, gefolgt von einem elektrisch betriebenen X3, der ebenfalls in 2020 kommen soll.

Nachdem BMW mit dem BMW i3 zunächst eine Vorreiterrolle eingenommen hatte, ist BMW zuletzt wieder etwas ins Hintertreffen geraten. Zwar will BMW mit seiner iNext-Plattform in die Massenproduktion von Elektroautos einsteigen, dies wird jedoch nicht vor 2021 geschehen.

Analysten sehen den Kernmarkt von BMW (BMW 3er) zunehmend durch Tesla bedroht. BMW muss also weiter Gas geben, will das Unternehmen seine Top-Position unter den Luxus-Autoherstellern behaupten.

Nissan will Titel als weltgrößter Hersteller von Elektroautos verteidigen

Der japanische Autohersteller Nissan kann sich bisher als weltgrößter Hersteller von Elektroautos schmücken. Seit der Markteinführung im Dezember 2010 konnte Nissan weltweit mehr als 230.000 Nissan Leaf Elektroautos verkaufen.

In 2018 soll der neue Nissan Leaf mit einer größeren Reichweite aufwarten, auch soll das Elektroauto dann zumindest schon teilautonom fahren. Ob dies ausreichen wird, damit Nissan seine Spitzenposition im Elektroauto-Markt verteidigen kann, bleibt abzuwarten. Anleger konnten bislang profitieren, Nissan-Aktien legten in diesem Jahr um 22 % zu.

Fazit: Deutsche Autohersteller bemühen sich, Tesla hängt die Konkurrenz trotzdem ab

Keine Frage, die deutschen Autohersteller geben sich große Mühe, den Rückstand zu Tesla in Sachen Reichweite, Ladestationen und autonomes Fahren aufzuholen. Doch viele Elektroauto-Projekte der Konkurrenz stecken noch im Anfangsstadium und werden erst in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, während Tesla heute schon den Massenmarkt für Elektroautos ins Visier nimmt.

Berenberg Bank Analyst Alexander Haissl glaubt, dass Tesla aufgrund des technischen Vorsprungs sogar eine Chance auf eine monopolartige Stellung im Markt für Elektroautos hat, während Daimler und Volkswagen von den Verfolgern noch am besten gerüstet scheinen, dieses Szenario abzuwenden.

Loup Ventures Analyst Gene Munster geht davon aus, dass klassische Autos mit Verbrennungsmotor bald wie „Pferde“ gegenüber Tesla Elektroautos aussehen werden. Hintergrund ist der fundamentale Wandel, vom klassischen Fahrzeug hin zum selbstfahrenden Auto mit Elektromotor.

Anleger, die in der Automobilbranche investieren, müssen sich über den bevorstehenden fundamentalen Wandel der Autoindustrie im Klaren sein. Anleger sollten daher nur in solche Elektroauto-Aktien investieren, die in der Lage sind, diesen Wandel erfolgreich zu meistern.

17. Juli 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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