Elektroautos: Neue Automobilzulieferer auf der Bühne

Alle Welt redet von Elektroautos und vom autonomen Fahren. Wie die Zukunft tatsächlich aussehen wird, muss sich natürlich erst zeigen. Im Detail sind noch zu viele Unbekannte im Spiel – angefangen von der Stromversorgung bis hin zu rechtlichen Fragen.

Auch werden neue saubere Verbrennungsmotoren als Hybride eine Rolle spielen. Eines steht jedoch fest: Im Mix der Angebote werden wohl alle Fahrzeuge mehr oder weniger elektrifiziert.

Ohne Automobilzulieferer kein Elektroauto

Der fahrbare Untersatz von heute wird zum Elektroauto. Für Automobilzulieferer eine Herausforderung, denn sie müssen sich auf völlig neue Funktionen, Komponenten und Systeme einstellen. Auch wenn es noch in den Kinderschuhen steckt, so zwingt das Elektroauto die Automobilzulieferer schon jetzt, sich zu positionieren.

Ohne Automobilzulieferer kein Elektroauto: Die Aktien von Herstellern wichtiger Bauteile haben erhebliches Potenzial. Doch mit dem Wandel der Branche verschieben sich die Gewichte. So tauchen mit den Batterieproduzenten und deren Rohstofflieferanten immer neue Namen auf. Und einige, die in der Lieferkette bislang weiter hinten standen, rücken zunehmend in den Vordergrund.

Zum Beispiel der Halbleiterhersteller Infineon. Das Dax-Unternehmen gilt mittlerweile als der zentrale Lieferant von Steuerungsmechanismen, Chips und Sensoren, die E-Mobilität und autonomes Fahren mit Assistenzsystemen überhaupt ermöglichen. Schon einfache Elektroautos benötigen doppelt so viele Halbleiter wie herkömmliche Fahrzeuge.

Gut die Hälfte der Konzernumsätze entfallen auf die Autoindustrie. Auch Tesla fährt mit Infineon-Chips. Dessen Erfolg sowie die Elektro-Auto-Quote in China spielen dem Konzern in die Hände. Zudem sorgen die Chips dafür, dass sich Akkus günstig bauen lassen, kompakt sowie reichweitenstark sind und schnell aufgeladen werden können.

Zutaten für die Batterie

Die Energiespeicher wiederum benötigen neben Kupfer, Kobalt und Grafit,  vor allem Lithium. Das chemische Element wird für die verschiedensten Anwendungen eingesetzt und spielt in Batteriesystemen mit einem Anteil von über 30 % eine Schlüsselrolle. Bei der sprunghaft steigenden Nachfrage nach Lithiumcarbonat ist das US-Unternehmen Albermarle dominanter Zulieferer. Der Chemiekonzern geht davon aus, gut die Hälfte des Wachstumsmarkts für sich zu beanspruchen.

Beim zunehmenden Bedarf für Kobalt und Kupfer spielt der Schweizer Rohstoffgigant Glencore eine entscheidende Rolle. Auf Batterien wird in absehbarer Zeit rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Kobalt entfallen. Glencore ist einer der größten Anbieter.

Das australische Bergbauunternehmen Syrah Resources wiederum ist einer der Hauptprofiteure beim Grafit-Boom. In jeder Batterie besteht die Anode, grob gesagt der Pluspol, weitgehend aus Grafit. Syrah Resources besitzt eines der wichtigsten Grafitvorkommen und steht im Interesse institutioneller Investoren.

Komponenten, Systeme und Komplettantriebe

Ein spannender Zulieferer, den viele noch nicht auf dem Radar haben, ist der Maschinenbauer Aumann aus Beelen bei Münster. Das Tochterunternehmen von MBB wächst dank seiner Ausrichtung auf die Elektromobilität und ist seit im März dieses Jahres im Prime Standard der Börse Frankfurt gelistet. Der Börsengang war ein voller Erfolg. Allein das Gewinnwachstum wird fürs nächste Jahr auf 34 % taxiert. Mit Technologien zur Herstellung von Elektromotoren ist Aumann auf Zukunftskurs.

Neben den genannten Firmen spielen natürlich auch etliche andere eine Rolle. Bei Halbleitern etwa Nvidia, aber auch Hella, das landläufig mit Beleuchtungen in Verbindung gebracht wird. Aus diesem Bereich heraus hat das Unternehmen aus Lippstadt Steuergeräte, Sensoren, Aktuatoren und Assistenzsysteme für Lenkung, Einparkhilfen oder Spurwechsel entwickelt.

Abgesehen davon sind natürlich auch die Player wie Bosch, Continental oder Valeo mit an Bord. Bosch, das schon lange Komponenten für E-Autos baut, will nun einen kompletten Antrieb anbieten. Zielgruppe sind etwa Startups, die schnell eigene Elektroautos auf den Markt bringen wollen. Damit löst sich das Unternehmen von seiner bisherigen Ausrichtung auf BMW, Daimler oder VW. Bosch ist nach Umsätzen der größte Zulieferer der Welt, aber eine GmbH.

Die Aktiengesellschaft Continental arbeitet unter anderem an neuen Fahrzeugplattformen, etwa für drahtloses Aufladen, ein digitales Cockpit sowie Brems- und Luftfedersysteme. Auch bei intelligenten Transportsystemen und im Bereich automatisiertes Fahren arbeitet der Konzern mit führenden Autoherstellern eng zusammen. Hier ist ebenso der Pariser Zulieferer Valeo erfolgreich aktiv. Lag der Kurs der Valeo-Aktie 2009 bei rund 3 €, steht er heute bei fast 60 €.

21. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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