Elliott-Wellen: Sie kommen, wenn nichts mehr hilft

Wenn Sie mich in dieser Woche bei der Recherche hätten beobachten können, dann hätten Sie wohl mehrfach ein unverhohlenes Grinsen […] (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Wenn Sie mich in dieser Woche bei der Recherche hätten beobachten können, dann hätten Sie wohl mehrfach ein unverhohlenes Grinsen in meinem Gesicht entdecken können:

Die Elliott-Wellen-Theoretiker melden sich wieder zurück – das hat Tradition:

Nach meiner mehr als 25-jährigen Beobachtung und Erfahrung wird die Endzeit an den Aktienmärkten immer dann mittels Elliott-Wellen heraufbeschworen, wenn einem die Argumente ausgehen, warum sich der Crash partout nicht zeigen will.

Der Dow Jones markiert beinahe börsentäglich neue Rekorde.

Seit der Trump-Wahl Anfang November 2016 ist der amerikanische Leitindex um mehr als +2.700 Punkte bzw. über +15% geklettert.

Und das, obwohl doch schon die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten der Grabstein für den Aufschwung am Aktienmarkt sein sollte, auf dem die Crash-Experten dann nur allzu gerne getanzt hätten.

Wenn nichts mehr geht, gehen die Eliott-Wellen

Und wenn der Aufwärtstrend denn sein Ende gegen jedwede Argumentation verweigert, werden gerne die Elliott-Wellen aus der Westentasche gezogen:

Sie sollen dann aber WIRKLICH zeigen, dass das Ende der Aufwärts-Bewegung nahe ist.

Ich zeige Ihnen gleich einmal meine ganz persönliche Erfahrung mit Elliott-Wellen.

Vorab, für diejenigen unter Ihnen, die mit dieser Analyse-Methode gar nichts anfangen können, ein „Crash-Kurs“ (*augenzwinker*):

Das sagt Wikipedia zur Elliott-Wellen-Theorie

Hier das, was Wikipedia zum Thema schreibt:

„Die Elliott-Wellen sind ein Mittel der technischen Analyse zur Vorhersage von Trends in Finanzmärkten.

Die Theorie wurde in den späten 1920ern von dem US-Amerikaner Ralph Nelson Elliott entwickelt. Elliott versuchte damit, psychologische Aspekte des Käuferverhaltens zu berücksichtigen.

Bedeutend zur Weiterentwicklung und Verbreitung der Elliott-Wellen-Theorie haben die US-Amerikaner Alfred Frost und Robert Prechter beigetragen.

Die Elliott-Wellen-Theorie ist insbesondere eine Analyse massenpsychologisch bedingter Marktbewegungen des Aktienmarktes.

Wie andere Instrumente der technischen Analyse ist auch die Elliott-Wellen-Theorie umstritten.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben überwiegend ergeben, dass eine Vorhersage von Kursentwicklungen nicht möglich ist.“

Sehr nett finde ich den letzten Satz, den ich einmal unkommentiert lasse. Aber er bestätigt zumindest meine Sicht auf die Elliott-Wellen-Theorie.

Ergänzend: Ganz grob werden Aufwärts-Bewegungen am Aktienmarkt in 5 Wellen aufgeteilt – 3 Aufwärts-Wellen, die von 2 gegenläufigen Wellen unterbrochen werden.

Die Elliott-Wellen-Theorie Mitte der 1990er

Die oben genannten Herren Prechter und Frost landeten mit ihrer 1. Prognose einen absoluten Volltreffer und wurden fortan als Gurus angesehen.

Wie lange hält die Hausse am Aktienmarkt noch an?Das Treiben am US-Aktienmarkt wird täglich extremer. Der Dow Jones kletterte in nur sieben Handelstagen um weitere 1.000 Punkte. › mehr lesen

Der Börsencrash 1987 schien ihre Theorie zunächst ebenfalls zu bestätigen.

Allerdings erwies sich der 1987er-Crash nicht als der Auftakt zu dem desaströsen Bärenmarkt, wie ihn die Herren vorhergesagt hatten (Wikipedia lässt grüßen!).

Vielmehr tendierten die Aktienmärkte ab 1988 weiter aufwärts.

Kurzerhand prognostizierten Prechter und Frost daraufhin den „wahren“ Börsencrash für Anfang der 1990er-Jahre – doch auch daraus wurde nichts.

Ich selbst ließ mich im Jahr 1994 durch den Börsendienst „The Elliott Wave Theorist“ (herausgegeben von Prechter) von der Elliott-Wellen-Theorie faszinieren.

Dort kündigte er (jetzt aber WIRKLICH!) das nahe Ende der 5. – und damit letzten – Aufwärtswelle an.

Ich deckte mich daraufhin seinerzeit mit Put-Optionsscheinen ein und nutzte jede Zukauf-Gelegenheit: Schließlich wollte ich durch den bevorstehenden Jahrhundert-Crash „reich werden“!

Schon 1988 und 1995 klappte es nicht mit dem Elliott-Wellen-Crash

Die Grafik zeigt, wie Prechter seinerzeit die Lage im Dow Jones deutete.

Ich habe die Elliott-Wellen aus der Erinnerung heraus eingetragen – die Elliott-Wellen-Theoretiker mögen mir eventuelle Fehler verzeihen.

dow jones und die elliott-wellen-theorie_16-02-2017

Schon 1988 und 1995 klappte es nicht mit dem Elliott-Wellen-Crash.

Die Grafik zeigt Ihnen auch: Mit dem prophezeiten Jahrhundert-Crash klappte es – wie schon 1988 – auch im Jahr 1995 nicht.

Ich realisierte rund +12% oder +15% über dem ehemaligen Allzeithoch (gestrichelte Horizontale) die kümmerlichen Reste meines misslungenen  „Jahrhundert-Trades“ und wandte mich wieder der herkömmlichen Charttechnik zu.

Sie sehen im Chart ebenfalls: Die wilde Fahrt der Aufwärts-Bewegung ab 1995 endete erst 5 Jahre später und fast 8.000 Punkte höher.

Fazit und Empfehlung

Ich war Herrn Prechter aber nur kurze Zeit böse.

Denn schon bald erkannte ich, dass mich mein persönliches „Elliott-Wellen-Waterloo“ eine enorm wichtige Erkenntnis gelehrt hatte, für die ich noch heute dankbar bin:

Folge nie blind den Marktmeinungen anderer („Experten“), sondern bilde Dir Dein eigenes Urteil – am besten mit Hilfe der Charttechnik.

Denn am Aktienmarkt hat nur einer immer recht: Der Markt selbst!

Der Dow Jones zeigt derzeit (Stand: Februar 2017) nur in eine Richtung: nach oben. Daran werden auch die Elliott-Wellen nichts ändern!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.