EnBW-Aktie: ehrgeizige Pläne für sonnige Aussichten

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Die EnBW-Aktie scheint mit neuen Solar- und Infrastrukturprojekten des drittgrößten deutschen Energieversorgers auf dem Weg zu alten Höhen. (Foto: nitpicker /shutterstock.com)

Energielieferer mögen in Zeiten der Energiewende schwierige Umbruchphasen durchlaufen, doch auf lange Sicht sind sie für die Stromversorgung unentbehrlich. Anleger können von deren nahezu garantierten Einnahmen profitieren.

Während nach dem beschlossenen Kohleausstieg alles auf RWE oder Eon schaut, meldet sich die EnBW aus Karlsruhe zu Wort. Die Nummer drei in Deutschland, die vom Land Baden-Württemberg und verschiedenen Verbänden gehalten wird, bietet zwar nur 0,39 % der EnBW-Aktien im Streubesitz. Doch wer Anteilsscheine hält oder ergattern möchte, erfährt dieser Tage, dass der Konzern zwei neue Baustellen fürs Zukunftsgeschäft aufmachen will.

EnBW-Aktie deutlich verbessert

Zum einen will EnBW in den Schutz von Infrastruktur einsteigen, zum anderen Deutschlands größten Solarpark errichten. Die Zeit scheint zu drängen, geplant wird ohne Fördergeld vom Staat. Die Aktie von EnBW konnte sich von ihrem Jahresendtief bei 28,2 Euro rapide auf 33 Euro verbessern und notiert seither mit leichten Abschlägen in einer Seitwärtsbewegung.

Damit ist sie von ihren Höchstständen mit über 40 Euro nach der Finanzkrise 2009 und dann erneut im Jahr 2011 noch weit entfernt, doch die Verluste haben sich auf Zehnjahressicht auf 13,4 % verringert. Wer vor drei Jahren zugestiegen ist, kann sogar einen Zuwachs um 57,44 % verbuchen.

Zu neuem Schwung hatte die EnBW-Aktie ab 2017 ausgeholt, als ein ehrgeiziges Programm für mehr grüne Energie, Diversifizierung und neue digitale Dienste angekündigt wurde. Das alles erfordert natürlich Investitionen. So machten sich etwa vor zwei Jahren die 455 Mio. Euro bemerkbar, die zum Großteil in Windparks gesteckt wurden. Das operative Ergebnis landete in ähnlicher Höhe im Minusbereich.

Weniger aufwändig wird das neue Projekt zum Schutz von Infrastrukturen. Schwerpunkte sind Telefonnetze, Verkehrswege sowie die Sicherheit im öffentlichen Raum. So sollen Sensoren an neuralgischen Punkten Gefahren erkennen oder Straßenmeistereien mit speziell ausgerüsteten Fahrzeugen die Qualität von Straßenbelägen schneller bewerten können. Außerdem ist in Stuttgart ein Pilotprojekt geplant, das zunächst 600 nachhaltige Wohnungen mit digitalen Serviceleistungen umfasst, zu denen auch die Abwehr von Cyberangriffen gehören soll. Damit bewegt sich der Energieversorger außerhalb seines traditionellen Kerngeschäfts.

Deutschlands größter Solarpark geplant

Mit bis zu 150 Mio. Euro wird indes ein Solarpark veranschlagt, rund 30 Kilometer nordöstlich von Berlin. Auf 164 Hektar – das entspricht 225 Fußballfeldern – sollen Module Spitzenleistungen von 175 Megawatt bringen, was für angeblich 50.000 Wohneinheiten ausreicht. Die künftig größte deutsche Solaranlage soll ohne Fördergeld auskommen, da ein derartiges Projekt bereits ab 50 Megawatt Gewinne abwirft. Bereits ab Ende nächsten Jahres soll die Anlage ans Netz gehen.

Mit mehr Sonnenenergie will der Konzern die Abhängigkeit von Windanlagen verringern, die in der Flaute letztes Jahr Verluste eingefahren haben. Dennoch gibt sich EnBW zuversichtlich, im demnächst auslaufenden Geschäftsjahr 2018 bei steigenden Umsätzen den operativen Gewinn bei rund 1,9 Mrd. Euro halten zu können. Passend dazu wurden im November die Tarife für Strom um 3,8 % und für Gas um 8,5 % erhöht.

Zudem will auch EnBW beim Abschalten von Kohlekraftwerken seinen Anteil der von der Regierung zugesagten Entschädigungsgelder erhalten. Bis 2038 sollen sie weiterlaufen, sofern sie rentabel bleiben. Ab nächstem Jahr jedenfalls dürften rund 40 enb% der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stammen. Zur Erhöhung des Anteils schaut sich EnBW auch in Frankreich oder Schweden um. Und bei Bosch beteiligt sich der Versorger an der Entwicklung von Energiespeichern mit Batterien. Die Angst vor Stromausfällen treibt die Suche nach neuen Versorgungsstrukturen.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.