EnBW-Aktie: Mit Innovation in die erfolgreiche Zukunft?

Eigentlich sollten Energielieferer eine sichere Bank sein. Jeder Haushalt, jedes Unternehmen ist auf Strom angewiesen, und bald soll der Verkehr auf Elektromobilität umsteigen.

Doch die deutschen Versorger müssen eine existenzielle Umbruchphase bewältigen, die schon seit längerem anhält. Stichwort: Energiewende mit Ausstieg aus der Kernenergie und Abschied von der Kohle. Zusätzlich machen gesunkene Preise an den Strombörsen Druck.

EnBW-Aktie mit Auftrieb

Um trotz der Belastungen sich selbst und den Aktionären eine Zukunft zu bieten, haben RWE und E.On letztes Jahr mit den Abspaltungen von Innogy und Uniper den großen Schnitt gemacht. Auch bei EnBW, der Nummer drei unter den führenden Anbietern, sucht man Anschluss an die Zukunft – mit grüner Energie, Diversifizierung, neuen Angeboten und digitalen Diensten.

Die Börse jedenfalls schöpft Hoffnung. Die EnBW-Aktie konnte auf Jahressicht wieder zulegen: um 34 %. Hatte sie sich doch die letzten zehn Jahre mit einem Minus von über 53 % als Kapitalvernichter erwiesen. Die Tatsache, dass EnbW zu über 90 % in öffentlicher Hand ist, erscheint einerseits wie eine Art politisch gewollte existenzielle Mindestgarantie. Befürchtungen, dass dies zugleich als strukturelle Bremse wirkt, sind aber nicht zutreffend.

Behördliche Behäbigkeit kann man dem Karlsruher Unternehmen, das Deutschlands Südwesten versorgt, nicht vorwerfen. In einem eigenen Innovationszentrum werden im Startup-Stil Zukunftspläne geschmiedet. Zum Beispiel wie grüner Strom mit digitalen Zusatzdiensten „intelligenter“ wird. Die Zeiten, in denen es vorwiegend um Zahlen für Langzeitzyklen von Großkraftwerke ging, sind vorbei.

Gefragt sind neue Geschäftsmodelle wie der Breitbandausbau, vernetzte Stadtviertel oder smarte Beleuchtungssysteme mit integriertem WLAN. Entsprechende Investitionen müssen natürlich gestemmt werden. 2015 etwa wurden gut 455 Mio. € allein in die Produktion von Ökostrom gesteckt, ein Großteil in Windparks.

Grüner Infrastrukturdienstleister

Doch schon ging der Konzernumsatz zurück. 2016 lag er mit 19,37 Mrd. € um 8,5 % unter Vorjahresniveau. Wie alle Großanbieter hat EnBW Marktanteile verloren. Hinzu kam das schlechteste Nettoergebnis nach Jahren: fast 1,8 Mrd. € Verlust. Die 4,7 Mrd. € für den Atommüllfonds hinterließen Spuren. In Sachen Dividende gingen die Anleger mit EnBW-Aktien leer aus.

Wenigstens läuft der Bereich Netze erfreulich. Und der Anteil Erneuerbarer Energien konnte auf 23 % gesteigert werden. Derzeit betreibt EnBW noch acht Kohle-, zwei Kern- und zwei Gaskraftwerke. Vom konventionellen Strom will sich Konzernchef Frank Mastiaux verabschieden. Neben grüner Energie steht nun der Bereich Infrastrukturen für Groß- und Privatkunden auf dem Programm.

Ein Teil ist die Elektromobilität. Derweil wurden weitere 117 Ladesäulen für E-Fahrzeuge beim Schweizer Hersteller ABB bestellt. Die bereits 34 Standorte an Raststätten werden um 85 Stationen erweitert. Vertragspartner ist Tank & Rast, das auch Anlagen von Innogy unterhält und zu einem Konsortium der Allianz-Versicherung gehört.

Neue Player drängen in den Markt

Mit seiner Neuausrichtung plant EnBW bis 2025 eine Steigerung des Ebitda-Ergebnisses von derzeit 1,9 Mrd. € auf über 3 Mrd. €. Und das bei Investitionen in Höhe von 10 Mrd. €. Der Löwenteil fließt in Erneuerbare Energien, Netze und Infrastrukturdienstleistungen.

Doch die ehrgeizigen Pläne müssen schnell vorangetrieben werden. Denn schon drängen bislang branchenfremde Player in den Markt. Treten beim digitalen Energiemanagement nun zunehmend Spezialisten auf den Pan, will jetzt Tesla bei großen Stromspeicheranlagen mitmischen, die Stromausfälle vermeiden.

Es ist wohl kein Zufall, dass sich EnBW nun mit Bosch dem Bau eines Lithium-Ionen Speichers widmet. Dafür wurden 1,6 Mrd. € für ein geplantes Pumpspeicherwerk im Schwarzwald gestrichen, das zur Sicherheit der Stromversorgung gedacht war. Was die EnBW-Aktie angeht, so scheint der Zeitpunkt für einen Einstieg noch vergleichsweise günstig. 2010 und 2011 lag der Kurs um die 40 €. Seit einem Jahr hat er sich von rund 19 € auf über 26 € erholt.

16. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt