Ende des Bankgeheimnis in Österreich: Das müssen Bankkunden wissen

In Österreich gibt es kein Bankgeheimnis mehr, was Konteninhaber verunsichert. Dabei werden nicht alle Kontodetails zentral registriert. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Informationen zu Konten, Depots und Sparbüchern sind eigentlich Privatsache und nicht öffentlich einsehbar. In Österreich hat sich dieser Umstand geändert und die alte Regel „Über Geld spricht man nicht“ ist somit Geschichte.

Zum 1. Oktober 2016 wurde in Österreich das Bankgeheimnis abgeschafft, nicht nur für einheimische Kunden, sondern auch für Ausländer. Zunächst galt die Regelung nur für Neukonten, seit Anfang 2017 gilt sie auch für Bestandskunden.

Diese Informationen werden von den Banken gemeldet

An ein sogenanntes „Zentrales Kontoregister“ müssen die Banken die Daten ihrer Kunden liefern, unter anderem alle Bausparkonten, Wertpapierdepots, Sparbücher und Girokonten. Rund 33 Mio. Konten sind von der Abschaffung des Bankgeheimnisses in Österreich betroffen.

Dabei wird allerdings nicht die Höhe des Guthabens gemeldet und registriert, sondern folgende Angaben:

  • Name der Bank
  • Kontonummer bzw. Depotnummer
  • Datum der Kontoeröffnung oder Kontoauflösung
  • Zeichnungsberechtigte oder Treugeber und die Personenkennzeichen für Steuern und Abgaben. Sind diese Angaben nicht verfügbar werden Name, Adresse und Geburtsdatum gemeldet.

Wer jetzt denkt, dass er noch schnell alle Konten, Depots oder Sparbücher in Österreich auflösen möchte, der ist zu spät dran. Die Banken müssen alle Konten auch rückwirkend melden – bis zum 1. März 2015.

Diese Instanzen erhalten Einsicht in das Zentrale Kontoregister

Einsicht in die Kontenregister erhalten das Bundesfinanzgericht, Gerichte, Staatsanwälte und die Finanzbehörden. Für sie vereinfacht sich der Prozess, da alle Konten einer Person nun zentral einsichtig sind. Anwälte, Notare oder Steuerberater haben keine Einsicht in die Kontenregister, was zum Beispiel im Falle einer Scheidung von Bedeutung ist. Auch können nicht einfach beliebige Personen die Daten einsehen.

Jede Einsicht, die angefordert wird, muss protokolliert werden. Bankkunden können also einsehen, wer zu welchem Zeitpunkt Auskünfte abgefragt hat. Behörden haben keinen Zugriff auf die Konten noch können sie die Höhe des Guthabens einsehen. Besteht allerdings der Verdacht auf falsche Angaben, Verdacht auf Schwarzgeld oder ähnliches können die Konten auf Antrag hin geöffnet werden. Diese Öffnung muss schriftlich beantragt werden und ein Richter muss zustimmen.

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Das steckt hinter der Abschaffung des Bankgeheimnisses in Österreich

Hintergrund der Abschaffung des Bankgeheimnisses ist die Bekämpfung von Betrug, die dem österreichischen Staat 700 Mio. € mehr pro Jahr einbringen soll. Geheimkonten werden durch diese zentralen Register vermieden und die Steueroasen der Welt werden durch solche Beschlüsse und den Austausch von Kontendaten weniger.

Deutsche mit Konten in Österreich können diese jederzeit kündigen, die Angaben werden aber noch rückwirkend hinterlegt. Als Länder mit einem sehr stabilen Bankgeheimnis gelten Bahrain, Paraguay oder Guatemala, hier muss allerdings auch die wirtschaftliche Situation betrachtet werden, bevor ein Konto in diesen Ländern eröffnet wird.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.