Energiewende in Deutschland – vor allem die Kleinen müssen zahlen

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Durch die Energiewende in Deutschland soll die Versorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Doch die Lasten für den Öko-Strom treffen vor allem ärmere Haushalte und Kleinunternehmer. (Foto: footageclips / shutterstock.com)

Der Begriff Energiewende beschreibt eine Umstellung des Versorgungssystems in Deutschland auf nachhaltige Energien.

Diese sollen künftig Strom und Wärme liefern. Auch Verkehrsmittel sollen so elektrisch angetrieben werden.

Dabei soll grüne Energie aus Solaranlagen, Windturbinen und Wasserkraftwerken mittelfristig Atomstrom ersetzen.

Atomausstieg leitet Energiewende in Deutschland ein

Den Atomausstieg hat die Bundesregierung erstmals im Jahr 2000 mit den Energieversorgern vereinbart.

Die Koalition von CDU/CSU und FDP beschloss im Jahr 2010 jedoch eine Laufzeitverlängerung der Reaktoren um durchschnittlich 12 Jahre.

Die Einstellung zum Atomstopp änderte sich mit der Fukushima-Katastrophe 2011: Nach einem Erdbeben und Tsunami in Japan traten erhebliche Mengen Radioaktivität aus verschiedenen Reaktoren des Landes aus.

Im Jahr 2050 sollen Erneuerbare Hauptstromlieferanten sein

Im Juni 2011 beschloss die Bundesregierung daraufhin eine Beschleunigung der Energiewende in Deutschland. Bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke vom Netz sein.

Man begann mit der sofortigen Stilllegung der ältesten 8 Atomkraftwerke.

2050 sollen erneuerbare Energien den Großteil der Energie in Deutschland produzieren. Im Jahr 2011 stellten sie lediglich ein Fünftel der Stromversorgung.

Energiewende auch durch Energieeffizienz und – sparen

Um die Ziele der Energiewende zu erreichen, sollen Verbraucher auch für Energieeffizienz und das Energiesparen sensibilisiert werden.

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Zum Beispiel senkt eine wirksame Wärmedämmung am Haus die Energie, die man zum Heizen braucht – und somit auch die Heizkosten.

Neuartige Stromzähler zeigen dem Konsumenten, wie viel Strom er verbraucht und zu welchem Preis.

Energiesparen vernachlässigt?

Den Aspekt des Energiesparens vernachlässige die Bundesregierung aber bisher, schrieben führende Forscher Januar 2012 in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin, das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium.

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Sie forderten darin von der Bundesregierung konkrete Anreize wie zum Beispiel die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten.

Nur so sei eine Energiewende in Deutschland möglich.

Energiewende zu Lasten ärmerer Haushalte

Kritiker bemängeln außerdem, dass bisher vor allem die ärmeren Haushalte von der Energiewende belastet werden. Das ergab eine Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft.

Um erneuerbare Energien zu fördern, zahlen Energieversorger Solar- und Windstromerzeugern nämlich erhöhte Einspeisetarife, die sie letztlich auf den Verbraucher umlegen.

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Weniger wohlhabende Haushalte geben dabei einen größeren Teil ihres Einkommens für Elektrizität aus, sind von steigenden Strompreise deshalb auch stärker betroffen.

Kleine Unternehmen zahlen für Energiewende in Deutschland

Außerdem müssen laut Bundesnetzagentur vor allem Klein- und mittelständische Unternehmen für die Netzumlage aufkommen.

Die energieintensive Industrie sei von der Netzumlage weitestgehend befreit.

Zudem hat die Bundesregierung die Schwelle gesenkt, ab der Unternehmen sich von der Ökostrom-Umlage befreien lassen können – sie liegt seit 2011 bei 1 verbrauchten Gigawattstunde pro Jahr anstelle von 10.

Das Bundesumweltministerium rechnet so mit 5000 Befreiungsaufträgen für 2013.

In ihrem Länderbericht Deutschland 2013 schreibt die Internationale Energieagentur, dass die Bundesregierung Deutschland durch die Energiewende auf dem Weg ist, zu einer der umweltfreundlichsten und energieeffizientesten Volkswirtschaften der Welt zu werden.

Gleichzeitig bemängelt sie, dass so viel in neue Kohlekraftwerke in Deutschland investiert wird wie seit Nachkriegszeiten nicht mehr.

Die sollen die zunächst durch die Abschaltung der Atomkraftwerke entstehende Energielücke füllen.


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Lisa Louis
Von: Lisa Louis. Über den Autor

Lisa Louis ist freie Journalistin in Paris. Sie hat internationale Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Frankreich studiert. Mit ihrem Wissen hilft Sie Lesern bei grundsätzlichen Fragen der Geldanlage und der Privaten Vorsorge.