Energiewende macht Sorgen: So geht es weiter mit RWE

Die Energiewende machte RWE-Aktie zu schaffen, birgt aber gleichzeitig über den Ableger Innogy neue Chancen im sich ändernden Markt. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Die Stromversorgung soll grüner werden. Auch als Anleger kann man vom Trend gut profitieren. So zeigte etwa der Börsenneuling Innogy ab Anfang des Jahres einen erfreulichen Kursanstieg. Das Unternehmen arbeitet profitabel. Andererseits ist die groß angelegte Umstellung eine Herausforderung für konventionelle Anbieter und deren Investoren.

RWE-Aktie: Energiewende macht Druck

Zum Beispiel die Aktie von RWE: Die Energiewende hinterließ auch letztes Jahr ihre Spuren. Nach vorangegangener Erholung ging es letzten Sommer kräftig berag. Derweil hatte RWE seine grünen Energien abgespaltet, in Innogy gepackt und samt Versorgungsnetzen im Oktober an die Börse gebracht. Der angeschlagene Traditionskonzern behielt Kohle- und Gaskraftwerke plus Energiehandel.

Welche Zukunft die RWE-Aktie in der Energiewende überhaupt hat, lässt sich zwar am jüngsten deutlichen Kursanstieg seit Januar nicht festmachen, doch er gibt ein erstes Indiz. Es geht um den erhofften Silberstreif am Horizont. Der wurde nun mit Vorlage des Geschäftsberichts bestätigt.

Das letzte Jahr bescherte mit 5,7 Mrd. € den größten Verlust in der Firmengeschichte. War die RWE-Aktie vor der Energiewende zuverlässiger Dividendenbringer, fällt dieses Mal die Ausschüttung erneut aus. RWE sitzt ohnehin auf gut 28 Mrd. € Schulden.

Künftig soll es aber wieder Dividende geben. Für 2017 wird ein Nettoergebnis von bis zu 1,3 Mrd. € erwartet. Nach massiven Einsparungen und einer grundlegenden Reorganisation zieht der Gewinn aus dem Tagesgeschäft wieder an. Und endlich ist das Problem Atomausstieg geregelt. Der Konzern sieht sein Geschäftsmodell in der Versorgungssicherheit.

Übernahme von Innogy im Gespräch

Um dies zu ermöglichen und nicht von der Bildfläche zu verschwinden, blieb RWE Mutterkonzern und mit 77 % Mehrheitsaktionär von Innogy. Das Zukunftsgeschäft hatte schon zuvor 80 % der Konzerngewinne ausgemacht, und der Spin-Off an der Börse doppelt ist so viel wert. RWE kommt nur mit Innogy auf einen grünen Zweig. Taucht gar ein Kaufinteressent auf, ergeben sich ganz neue Optionen.

Die waren auf einmal im Gespräch. Angeblich interessierte sich der französische Gas- und Stromkonzern Engie für Innogy. Was würde das bringen? Steigt der Kurs weiter, dürfte Innogy, das im Mdax gelistet ist, bald seinen anfänglichen Börsenwert von ca. 20 Mrd. € erreichen. Übernahmegedanken treiben die Kurse ohnehin im Vorfeld.

RWE wiederum würde entsprechend Konzernbeschluss höchstens 51 % seiner Anteile verkaufen. In dem Fall kämen vielleicht 7,5 Mrd. € in die Kasse, was die Altschulden auf einen Schlag drückt. Gleichzeitig könnten die Essener weiterhin anteilig vom Erfolg ihres Ablegers profitieren. Bereits 2016 brachte er eine Gewinnbeteiligung von 683 Mio. €. Parallel können die Gewinne aus dem Altgeschäft nach der Neuausrichtung laufen. Für Auftrieb sorgt der Energiehandel.

Anzunehmen ist aber, dass es nicht zur Übernahme kommt, zumindest nicht durch Engie. Unabhängig davon, ob sie zur Geschäftsausrichtung passt, müsste Engie eine Kapitalerhöhung vornehmen, wobei die Beteiligung des französischen Staates von 28,7 % verwässert würde. Allein das spricht dagegen.

Marktumbruch mit neuer Herausforderung

Zumindest hat sich RWE nebenbei von einem ganzen Bündel an Verpflichtungen befreit. Die Übertragung hauseigener Anleihen auf Innogy im Wert von 11 Mrd. € wurde kürzlich abgeschlossen. Rückzahlung und Zinsen liegen nun allein in der Verantwortung der Konzerntochter.

RWE kann frisch durchstarten und von Innogy profitieren, als ausgelagertem grünem Kraftspender sozusagen. Mit dessen Hilfe wird auch das hoffentlich letzte zusätzliche Loch gestopft werden müssen, Stichwort Atomkompromiss. RWE zahlt bis Juli 6,8 Mrd. € in den neuen Atomfonds ein, aus dem die aufwändige Entsorgung bedient wird.

Doch auch danach wird es nicht leicht für RWE. Der Konzern muss sich um den teuren Rückbau alter Kraftwerke kümmern. Die liquiden Mittel in Höhe von ca. 10 Mrd. € reichen zwar aus. Gleichzeitig aber muss dringend in neue moderne Anlagen und vor allem Geschäftsmodelle investiert werden.

Ökostrom lässt die Preise für konventionellen fallen. Selbst Innogy, der Ausgleich auf der grünen Seite muss kämpfen. Letztes Jahr drückten der teure Unterhalt der Energienetze und Windflauten das Ergebnis. Zudem gerät der gesamte Energiebereich in Bewegung – mit neuen Akteuren. Tesla etwa will künftig bei der Stromerzeugung mitmischen. Auch der Ölmulti Total drängt mit einem eigenen Bereich ins Geschäft.

RWE wird sich noch ein paar Mal neu erfinden und breiter aufstellen müssen. Innogy interessiert sich derweil für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Nur wenn beide im Wechselspiel flexibel ihre Potenziale ausschöpfen, haben sie eine Chance – und die RWE-Aktie übersteht die Energiewende.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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