Enttäuschende Fiat Chrysler-Aktie: neuer Chef sucht neue Partner

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Die Aktie von Fiat Chrysler enttäuscht, der Konzern tritt auf die Bremse und hat kein rechtes Konzept für den Anschluss an die Zukunft (Foto: Katherine Welles / shutterstock.com)

Ein Jahresverlust von 34,33 % mit weiterhin negativer Tendenz bei ebensolcher Gewinnprognose – die Aktie von Fiat Chrysler bringt derzeit wenig Freude. Wer vor drei Jahren zugestiegen war, verbucht zwar noch einen Wertzuwachs von 140 %, muss sich aber fragen, wann es wieder aufwärts geht.

Die Daten der NYSE sind zwar marginal schlechter als an der Börse Frankfurt, doch auch hier ist der Kurs mit 13 Euro von den 20 Euro vor einem Jahr weit entfernt. Die Fiat Chrysler-Aktie steht für einen Autohersteller, der den Namen Chrysler nur noch als Marke von Fiat führt. Der einstige US-Konzern wurde 2010 in Teilen und 2014 komplett von den Italienern übernommen. Rein aus Steuergründen verteilt sich der Hauptsitz auf Amsterdam und London.

Alter Glanz der Fiat Chrysler-Aktie verblasst

Mit dem Zukauf des 2009 von Daimler abgestoßenen Fusionspartners, der danach in die Insolvenz geriet, konnte Fiat seine Absatzmärkte erweitern. Seitdem sind nach Italien, Brasilien, Kanada, Argentinien sowie die USA die größten Abnehmer von Autos, die Fiat, Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep oder Maserati heißen.

Die verbreiterte Basis war ein Schub für den Konzern, der Jahre zuvor selbst vor der Pleite gestanden hatte. Heute liegt er mit einem Umsatz von zuletzt 115,41 Mrd. Euro in der Größenordnung zwischen BMW und Daimler. Zu verdanken ist dies dem im Juli letzten Jahres verstorbenen Fiat-Chef Sergio Marchionne. Bis zu seinem Tod hatte die Fiat Chrysler-Aktie seit der Übernahme der Amerikaner um 350 % zugelegt.

Als sein Nachfolger, der etwas blass wirkende Brite Mike Manley, Anfang Februar die Bilanzzahlen vorstellte, brach die Aktie von Fiat Chrysler spontan um gut 13 % ein. Zwar hatten Umsatz und Betriebsergebnis um jeweils über 4 % zugelegt, doch die gebremsten Aussichten für 2019 verschreckten Anleger. Das operative Ergebnis soll nun 6,7 Mrd. Euro über dem von 2018 liegen, erwartet wurden 7,3 Mrd. Euro.

Planlose Fahrt ins Ungewisse

Noch mehr Sorgen bereitete der Cashflow. Der Barmittelzufluss betrug letztes Jahr 1,5 Mrd. Euro und verfehlte damit um fast 3 Mrd. Euro den Zielwert. Dies und der Ausblick auf 2019 nähren Befürchtungen, dass das vom vormaligen Konzernlenker Marchionne für 2020 angepeilte Ebit von bis zu 10,4 Mrd. Euro überhaupt zu erreichen ist.

Schwerfällig laufen die Geschäfte bei der Kernmarke Fiat. Der technische Stand ist recht veraltet, die Margen sind gering. Die Zukunft ist ungewiss. Der Jeep wiederum liegt im Trend zu modischen Geländewagen in allen Varianten. Planlos wirkt das Thema E-Fahrzeuge. Dem Konzern wird hier wenig Kompetenz zugeschrieben. Lediglich bei Maserati soll es Sportwagen mit Elektroantrieb geben.

Und Ferrari wurde vor Jahren ausgegliedert und an die Börse gebracht. Bei der Tochter zumindest laufen die Geschäfte mit hohen Margen. Die Aktie liegt seit Anfang des Jahres zweistellig im Plus. Insgesamt scheint Fiat Chrysler mit Marchionne auch seinen Plan für die Zukunft verloren zu haben. Nach Jahren der Blüte tritt Fiat Chrysler auf die Bremse. Und der neue Chef sucht neue Partner.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.