Erdöl: Der Machtverlust der OPEC

Es ist ein Lehrstück über die Machtverschiebung am globalen Ölmarkt, das man seit einigen Wochen beobachten kann: Als sich im […] (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Es ist ein Lehrstück über die Machtverschiebung am globalen Ölmarkt, das man seit einigen Wochen beobachten kann:

Als sich im Herbst Vertreter der OPEC-Staaten, also der Organisation Öl exportierender Länder, gemeinsam mit Russland und weiteren Ländern darauf verständigten, die eigene Ölförderung zu drosseln, sorgte das für viel Furore.

Paukenschlag Nr. 1 war, dass es die OPEC überhaupt geschafft hatte sich zu einem Kompromiss durchzuringen.

Insbesondere die Rivalen Saudi Arabien und Iran mussten dafür punktuell ihre Differenzen überwinden.

Dies galt zunächst nicht unbedingt als wahrscheinlich, gelang dann aber doch.

Paukenschlag Nr. 2 bestand darin, Russland als wesentlichen Player mit ins Boot zu holen.

Ohne russische Beteiligung wäre die Wirkung des Deals wohl gleich wieder verpufft.

Paukenschlag Nr. 3 folgte dann Anfang des Jahres 2017: Die ausgehandelten Beschlüsse wurden tatsächlich umgesetzt.

Auch das galt als fraglich; immerhin hatten sich die OPEC-Staaten in der Vergangenheit bereits mehrfach damit schwergetan eigene Kompromisse in Sachen Begrenzung der Ölförderung dann auch zu realisieren.

OPEC-Staaten unter Zugzwang

Dass alle 3 Punkte diesmal funktioniert haben, zeigt deutlich, wie sehr die beteiligten Staaten durch den anhaltenden Ölpreis-Verfall unter Druck geraten waren.

Kostete das Barrel im Sommer 2014 noch mehr als 110 Dollar, waren nach 1,5-jährigem freien Fall bis Anfang 2016 zeitweise unter 30 Dollar je Barrel fällig.

Seither hatte sich der Ölpreis zwar wieder etwas gefangen, pendelte aber lange Zeit zwischen 40 und 50 Dollar.

Seit der OPEC-Kompromiss unter Dach und Fach ist, hat sich die Lage nun etwas entspannt:

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Anfang Dezember schoss der Ölpreis binnen kürzester Zeit um mehrere Dollar nach oben und hat sich seither für die US-Sorte WTI oberhalb der 50-Dollar-Marke stabilisiert.

Die Sorte Brent kostet seitdem stabil etwa 55 Dollar je Barrel.

Das Problem aus Sicht der Öl exportierenden Staaten ist jedoch, dass sich hier nun ein Widerstand gebildet hat:

Über die bereits erreichte Schwelle kommt der Ölpreis derzeit nicht hinaus; tagesaktuelle Schwankungen bewegen sich in geringem Rahmen.

Ölpreis-Bremse Fracking-Industrie

Der Grund dafür liegt auf der Hand – bzw. in den USA: Der anziehende Ölpreis hat die dortige Fracking-Industrie wieder auf den Plan gerufen.

Die umstrittene Förder-Methode wurde unter der Obama-Administration ausgebaut, um die Vereinigten Staaten unabhängiger von Öl-Importen aus dem arabischen Raum zu machen.

Vor einigen Jahren war Fracking noch ziemlich teuer und viele Firmen verschwanden in der Phase des Ölpreis-Verfalls erst einmal wieder.

Doch mittlerweile hat sich die Technologie so weit entwickelt, dass sich die Förderung bereits ab einem Ölpreis von 50 Dollar je Barrel lohnt – und der wurde dank des OPEC-Kompromisses ja nun erreicht.

Dementsprechend schoss die Fracking-Förderung in den USA zuletzt wieder in die Höhe – und mit ihr die Öl-Lagerbestände.

Hohe Lagerbestände sprechen erst einmal gegen steigende Ölpreise – und genau darin liegt die ökonomische Begrenzung der einstigen Macht der OPEC.

Sie sind nicht mehr imstande allein die Richtung zu bestimmen, in die sich der Ölpreis entwickelt.

Die USA werden zum wesentlichen Player am Markt.

Gerade unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump könnte das in den kommenden Jahren noch zu so manchen Verwerfungen führen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.