Erhöhung des Renteneintrittsalters: Ein Trick der Regierung?

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Das Renteneintrittsalter soll entsprechend der höheren Lebenserwartung angepasst werden. (Foto: Daniela Staerk / Shutterstock.com)

Mit der zum Jahresbeginn 2012 in Kraft getretenen Anhebung der Regelaltersgrenze für den Rentenbezug ist die Diskussion um die längere Lebensarbeitszeit wieder aufgeflammt.

Kritiker der Regelung verweisen darauf, die die meisten Deutschen zwischen 58 und 64 Jahren in Rente gehen, und eine Erhöhung dieses Alters kontraproduktiv sei. Die Befürworter der Erhöhung dagegen verweisen auf die gestiegene Lebenserwartung der Deutschen und die wesentlich bessere Altersgesundheit über 60 Jahren.

Erhöhung Renteneintrittsalter – ein Trick der Regierung?

Die seit 2012 wirksame Anhebung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 67 Jahre beruht auf dem RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz vom 20. April 2007 (BGBl. I 2007, S. 554). Schon damals gab es heftige Auseinandersetzungen um die Neuregelung.

Gerade im Zusammenhang mit den schrumpfenden Rentenkassen vermuteten die Kritiker einen Trick der Regierung, sich auf diese Weise finanzielle Erleichterungen zu verschaffen. Angesichts der Entwicklung des Gesetzes dürfte dieser Vorwurf jedoch vom Tisch sein.

Denn ehe das Gesetz überhaupt in Kraft trat, vergingen fast fünf Jahre – von akuter Unterstützung einer Regierung kann also nicht die Rede sein.

Zudem wird die Anpassung stufenweise entwickelt: bis zum Jahr 2029 kommt jährlich nur ein Monat in der Erhöhung Renteneintrittsalter hinzu, ab dem Jahrgang 1959 zwei Monate.

Erhöhung Renteneintrittsalter – eine Reaktion auf die demografische Entwicklung

Die Deutschen werden immer älter und in den 1990er Jahren war ein deutlicher Geburtenrückgang zu verzeichnen – das Missverhältnis in der demografischen Entwicklung ist klar zu erkennen.

Innerhalb eines Jahrzehnts vor der Beschlussfassung zur neuen Rentenregelung stieg die Zahl der Rentner in Deutschland um fast 5 Millionen – eine Zunahme der Berechtigten um ca. 20 %. Auch in der Zukunft geht der Trend zur Überalterung der Gesellschaft weiter.

Was gesamtgesellschaftlich als Problem gesehen wird, ist natürlich für den Einzelnen in der Regel eine angenehme Entwicklung. Innerhalb der letzten 50 Jahre ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland von knapp 70 Jahren auf über 80 Jahre angestiegen.

Durch die verbesserte gesundheitliche Betreuung und eine aktive Lebensauffassung sind Rentner in Deutschland so rüstig wie nie zuvor.

Erhöhung Renteneintrittsalter – ältere Menschen sind weiter leistungsfähig

Das Bild vom alten, gebrechlichen Menschen, der seinen Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft erzielen kann, hat sich weit in die Jahre nach dem 80. Geburtstag verschoben.

In der Altersgruppe bis 75 Jahre achten zwei Drittel aller Senioren auf regelmäßige Bewegung. Selbst zwischen 75 und 85 Jahren sind 50 % der Rentner noch mehrmals wöchentlich unterwegs.

Mittlerweile sehen die politisch Verantwortlichen auch das schnelle Ersetzen älterer Arbeitskräfte durch jüngere kritisch. Für viele ältere Menschen entsteht ein Handlungsvakuum, wenn sie das Arbeitsleben verlassen haben. Sie können und möchten weiter Verantwortung tragen, erhalten dazu aber kaum Gelegenheit.

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Daniela Kunath
Von: Daniela Kunath. Über den Autor

Daniela Kunath arbeitet als freie Autorin für verschiedene Projekte. Persönlich interessiert sie sich seit vielen Jahren für den Bereich Finanzen und Investments und gibt dieses Wissen passioniert an interessierte Leser weiter.

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