EU Überweisung Dauer: Die Ein-Tages-Regel

Überweisungen in die EU dürfen seit 2012 nur noch einen Bankarbeitstag dauern. Doch für bestimmte Überweisungen gibt es Ausnahmen. (Foto: wara1982 / Shutterstock.com)

Bis Ende 2011 hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Banken ihre Angestellten von Stadt zu Stadt schicken, um das Geld der Bankkunden persönlich von Konto zu Konto zu transferieren.

Denn eine elektronische Banküberweisung nahm mehrere Tage in Anspruch – egal ob es sich um eine Inlands- oder Auslandsüberweisung handelte. In Zeiten der elektronischen Kommunikation ist das undenkbar. Deshalb müssen seit 2012 alle elektronischen Euro-Banküberweisungen innerhalb eines Bankarbeitstages abgeschlossen sein – im Inland sowie EU-weit.

Ein-Tages-Regelung innerhalb der EU

Wer vor 2012 Geld von Deutschland aus in ein EU-Land überweisen wollte, tätigte eine Auslandsüberweisung und der Empfänger erhielt das Geld erst Tage später. Seit 2012 ist dies nicht mehr der Fall. Alle EU-Staaten sowie drei weitere Länder aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – Norwegen, Island und Liechtenstein – setzen die EU-Zahlungsdiensterichtlinie in ihren Ländern ein.

Das heißt, Banküberweisungen, die in Euro lauten, dürfen nur noch einen Bankarbeitstag in Anspruch nehmen. Damit soll der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr schneller funktionieren. Für Überweisungen in Papierform haben die Banken noch 2 Banktage Zeit, um das Geld zu überweisen.

Der Samstag zählt hingegen nicht als Banktag. Überweist beispielsweise Herr Müller am Montag aus Berlin seiner in Paris studierenden Tochter Geld, so muss dies am Dienstag auf dem Konto sein.

Überweisungen in Fremdwährungen innerhalb der EU 

Die verabschiedete Rechtsnorm gilt für alle Überweisungen, die in Euro lauten. Werden allerdings Zahlungsvorgänge in Fremdwährung getätigt, die innerhalb der EU stattfinden, so darf die Überweisungsdauer noch maximal 4 Tage dauern. Denn innerhalb der EU haben nicht alle Mitgliedsländer den Euro eingeführt, sondern besitzen noch ihre nationalen Währungen, wie Großbritannien oder Polen.

Banken investierten das Geld bis 2012 selbst

Banken nutzten die laxen Überweisungsrichtlinien, vor in Kraft treten der neuen, für sich aus. Denn die Geldinstitute ließen innerhalb der 3 oder 4 Tage – bis der Empfänger die Überweisung erhielt – das Geld für sich arbeiten und erhielten Zinsen.

Diese sind pro Überweisung zwar sehr gering, aber aufgrund der Vielzahl an Überweisungen summierte sich am Ende des Jahres ein ordentlicher Gewinn an, ohne jegliches Risiko vonseiten der Bank.

Überwies beispielsweise 2006 Herr Müller 2000 Euro seiner Tochter nach Paris, so erzielte die Bank in der Zwischenzeit einen Gewinn von mehreren Cent. Bei rund 6 Milliarden Überweisungen in Deutschland verdiente auf diese Art jede Bank risikolos sogenannte Wertstellungsgewinne. Mit der neuen Richtlinie sind allerdings diese Wertstellungsgewinne laut Bundesbank verboten.

Ob sich die Banken daran halten, ist allerdings offen. Zumindest erschwert die verkürzte Überweisungsdauer die Möglichkeit, viel Gewinn innerhalb der Überweisungszeit von einem Bankarbeitstag zu verdienen.

Darüber hinaus haben Kunden aber nach wie vor die Wahl zwischen einer SEPA (“Single Euro Payments Area”) Überweisung und einer Auslandsüberweisung.

SEPA- oder Auslandsüberweisung? Gebühren zahlen oder lieber nicht?

Wenn Sie Geld in ein Nachbarland überweisen möchten, stellt Ihnen Ihr Kreditinstitut dafür in der Regel zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Die SEPA-Überweisung und die Auslandsüberweisung.

Während die SEPA-Überweisung einen gebührenfreien Geldtransfer garantiert, verursacht die Auslandsüberweisung zusätzliche Kosten. Diese können mehr als 10% des überwiesenen Betrags ausmachen.

Überweisung zum Nulltarif: Die Pflichten der Kreditinstitute

Mit dem Beschluss zur Erleichterung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs stehen die Kreditinstitute in der Pflicht, In- und Auslandsüberweisungen gleichbedeutend zu behandeln. Wenn Sie also einen bestimmten Betrag nach Italien überweisen möchten, darf Sie das genauso viel kosten wie eine Überweisung nach Hamburg – nämlich in der Regel gar nichts.

Kommen bei der SEPA-Überweisung nun aber doch Kosten auf Sie zu, liegt das an den Tarifvereinbarungen Ihrer speziellen Bank oder Sparkasse. Diese können Sie dem Preis-Leistungsverzeichnis Ihres Kreditinstituts entnehmen.

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In solch einem Fall zahlen die am Überweisungsvorgang beteiligten Parteien das Entgelt ihrer eigenen Bank. Nicht betroffen von dieser Regelung sind jedoch Schecks sowie nicht automatisierungsfähige Überweisungen ohne Angabe der internationalen Kontonummer des Begünstigten (IBAN) und dessen internationaler Bankleitzahl (BIC).

Speziell für die Standardisierung des SEPA-Systems führte das ECBS, das „European Committee for Banking Standards“ (dt. Europäisches Normierungsgremium) die IBAN ein. Diese Abkürzung steht für den Ausdruck „International Bank Account Number“ und stellt eine neue europäische Kontonummer dar.

Die Auslandsüberweisung: Geldtransfer gegen Gebühr

Der Ablauf einer klassischen Auslandsüberweisung ist im Gegensatz zur kostenfreien SEPA-Überweisung teurer und komplizierter. Sie ist dafür gedacht, Überweisungen in fremder Währung zu tätigen oder aber Geld in außereuropäische Länder zu transferieren.

Zwar sind auch einfache Euro-Überweisungen in EU-Nachbarländer möglich, allerdings nur gegen eine Gebühr. In solch einem Fall können Auftraggeber und Begünstigter entscheiden, wer von beiden die Kosten zu tragen hat.

Die Gesamtkosten einer Überweisung außerhalb der EU sind nicht standardisiert. Wie hoch die Gebühr ausfällt, ist demnach abhängig von der jeweiligen Bank und der Höhe des Betrags, welcher überwiesen wird. Deutsche Kreditinstitute verlangen in der Regel 8 € bis 15 €.

Hinzu kommen die Kosten der Empfängerbank im Ausland. Überweisen Sie also einen Eurobetrag ins EU-Ausland und wollen dabei Kosten sparen, dann wählen Sie am besten die SEPA-Überweisung, um zusätzliche Gebühren zu vermeiden.


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Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.