Eurokrise wegen Italien? Nicht unbedingt

Italien Euro Münze – shutterstock_685192870 esfera

Ob es zur deftigen Eurokrise durch Italien und ein Zerbrechen des Euro kommt, ist längst nicht ausgemacht. Unerwartete Hilfe kommt aus Japan. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Anleger bekommen derzeit verbreitet Anrufe von Forex-Anbietern, auf den Verfall des Euro zu wetten. Sie ist wieder erwacht, die seit Griechenland fast eingeschlafene Eurokrise.

Ob Italien nun ernsthaft aus dem Euro aussteigt oder nicht, die Pläne der neuen Regierungskoalition in Rom machen die Hoffnung auf eine weitere Gesundung der Wirtschaft und das zaghafte Vertrauen in eine Schuldenbremse erst mal zunichte.

Krise, Beruhigung, wieder Krise…und nun?

Lässt sich das kleine Griechenland noch als eine Art notleidende Region im Euroraum mitschleppen, so stellt eine Eurokrise wegen Italien den Fortbestand der Gemeinschaftswährung ernsthaft infrage. Das Land ist als viertgrößte Volkswirtschaft Europas und Gründungsmitglied der EU ein ganz anderes Kaliber.

Der jährliche Schuldenzuwachs ist zwar mit einigen Reformen geringer geworden und seit Mario Monti hat sich die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit spürbar verringert, doch mit der Summe von ca. 2,28 Bio. Euro kommt Italien auf 132 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Schnitt in der Eurozone liegt bei 83,1 %.

Das Thema Eurokrise und Italien kam eigentlich im Vorfeld der Neuwahlen nach der verlorenen Vertrauensabstimmung durch Matteo Renzi in Fahrt. Seitdem herrscht latente Unsicherheit. Wenigstens hatte sich die bedrohliche Bankenkrise einigermaßen entspannt, Stichwort Banca Monte dei Paschi, Siena und Unicredit.

Kein Vergleich mit Griechenland

Und immer wieder werden Parallelen zu Griechenland bemüht, dessen Schuldenquote noch knapp 180 % des BIP beträgt. Zu gegenwärtig sind die beiden griechischen Krisen zwischen 2009 und 2011. Es folgte bis 2012 die Eurokrise, als das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung schwand und danach flammte 2015 erneut das Griechenland-Problem auf.

Überall herrschte die Angst, das Virus fauler Kredite und falscher Konditionen würde auf die anderen Euro-Länder und Banken übergreifen. Nun kann man – bei aller Kritik im Detail – nicht ignorieren, dass die EU bzw. die EZB aktiv geworden sind. Die große Eurokrise ist bislang ausgeblieben. Da aber Italien mit 23,4 % am BIP der Eurozone fast zehnmal gewichtiger ist als Griechenland, stellt sich die Frage nach möglichen Szenarien.

Mögliche Szenarien für Italien

Unter Experten sind die Meinungen geteilt: Die Pessimisten erwarten eine Überlastung des Eurosystems. Immerhin versuchen die Anti-Europa-Hardliner in Rom die Gemeinschaft mit einem Schuldenerlass von zunächst 250 Mrd. Euro zu erpressen. Anderenfalls steige das Land aus dem Euro aus. Bleibt es auf Protestkurs, muss sich der Rest etwas einfallen lassen: Auf der Basis von alles-oder- nichts wären Rettungsaktionen und Finanzspritzen zum Scheitern verurteilt.

Die Optimisten gehen davon aus, dass die neue Regierung realistisch genug ist und beim Euro bleibt – trotz aller Drohgebärden. Und damit gäbe es durchaus eine Parallele zu Griechenland. Dessen Regierung unter Alexis Tsirpas hatte sich so verhalten, nachdem die herben Konsequenzen eines Euroaustritts klar wurden.

Seither ist Griechenland mit Reformen auf Erholungskurs. 2017 verzeichnete es zum zweiten Mal in Folge einen Haushaltsüberschuss. Bleibt Italien auf diesem Weg, kommt es zu keiner Eurokrise. Und um verdrossene Wähler zu besänftigen, kommen garantiert zunächst neue Kreditangebote. Staatsanleihen bieten sich als Kaufgelegenheit.

Kurse Hand Charts Crash – MR.LIGHTMAN1975 – shutterstock_413650720

10 Jahre Finanzkrise: ein anhaltender Schwelbrand10 Jahre Finanzkrise zeigen: Sie ist zum Schwelbrand mutiert, der sich nur punktuell bekämpfen lässt. Sie kann jederzeit erneut ausbrechen. › mehr lesen

Gegen die Eurokrise: Italien bekommt Hilfe aus Fernost

Natürlich hat keiner die Glaskugel zur Hand, wie es wirklich weitergeht. Einer Umfrage unter Investoren zufolge erwarten 13 % eine handfeste Eurokrise mit dem Niedergang des Euro. Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise waren es 73 %.

Interessant ist zudem die jüngste Aufkaufaktion kurzlaufender italienischer Anleihen durch den japanischen Großinvestor Kampo. Die Versicherung Japan Post Insurance, die sich dahinter verbirgt, geht von einer Überreaktion der Märkte aus, als nach der Wahl massiv Gelder aus Italien abgezogen wurden. Kampo nutzt eine Kaufgelegenheit und trägt zugleich zur Beruhigung der Lage bei. Der Investor setzt ein Zeichen: Italien wird seine Schulden begleichen können.

Mit der Aktion sind die Anleihezinsen von 2,7 % auf 1,3 % zurückgefallen. Völlig unerwartet ist obendrein, dass die Regierung in Washington Italien zum Beibehalten des Euro regelrecht aufgefordert hat. Wenn selbst aus den USA Gegenwind kommt, wird sich die Regierung in Rom dreimal überlegen, ob sie ihr Land mit der Lira, mit noch mehr Schulden und hoher Inflation in die Bedeutungslosigkeit führen will. Bei aller Vorsicht: Wer jetzt auf den Tod des Euro wettet, hat gute Chancen auf eine Bauchlandung.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.