Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Europäische Indizes: Das ist der Favorit des Jahres

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Europäische Indizes bieten nach den Vorjahresverlusten Aufholpotenzial zu günstigen Preisen. Favoriten sind Aktien im britischen FTSE 100. (Foto: Artem Postoev / shutterstock.com)

Dass 2018 kein besonders gutes Jahr für Aktien war, ist leidlich bekannt. Der Dax gab bereits ab Sommer kräftig nach und verlor insgesamt fast 18 % an Wert. Im Zeichen von Handelskrieg und Brexit war die Verunsicherung angesichts der Exportabhängigkeit deutscher Unternehmen besonders ausgeprägt.

Verlierer mit Aufholpotenzial

Doch der Dax war nicht der einzige Verlierer unter den führenden europäischen Indizes. Der österreichische ATX schloss das Jahr mit Minus 19,72 % noch etwas schlechter ab. Der britische FTSE 100 kam auf einen Verlust von 12,5 %, der Schweizer SMI sowie der französische Cac40 lagen beide etwas über 10 % im roten Bereich. Der schwedische OMXPi verlor mit 7,7 % immerhin „nur“ einstellig.

Anstatt von Verlieren und Gewinnern kann man somit nur von besseren oder schlechteren Verlierern sprechen. Einen Abgleich bieten übergreifende europäische Indizes wie der Eurostoxx 50, der Eurostoxx 600 oder MSCI Europe mit 439 Titeln. Sie verloren im Schnitt rund 14 %.

Gemessen daran ging der Dax eindeutig schlechter aus dem Rennen. Unter den großen Volkswirtschaften hat sich etwa Frankreich mit seiner weniger exportorientierten Wirtschaft als robuster erwiesen. Selbst im vom Brexit direkt bedrohten Großbritannien standen die Aktien etwas besser.

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Im Gesamtergebnis jedoch brachten die europäischen Indizes deutlich mehr Verluste als beispielsweise der amerikanische S&P 500, der mit Minus 6,24 % aus dem Jahr 2018 ging. Beim Dow Jones betrug der Verlust 5,63 %. Mit Blick auf 2019 jedoch sollte man sich dadurch nicht irritieren lassen. US-Aktien sind im Schnitt wesentlich höher bewertet und somit teurer. Europäische Titel indes sind günstiger und bieten mehr Aufholpotenzial.

Favorit unter den europäischen Indizes

Dieses könnte sich gerade bei britischen Aktien mit geballter Kraft entfalten, sobald sich abzeichnet, dass die Drohgebärden eines ungeregelten Brexit in vernünftigere Bahnen übergehen. Die geplante Verschiebung des Austrittsdatums sowie Forderungen nach einem zweiten Referendum deuten jedenfalls auf eine Entspannung hin.

Als Value Anleger, der auf bislang stiefmütterlich behandelte Aktien setzt, kann man in Stellung gehen. Lässt man das politische Getöse außer Acht, zeigt sich, dass viele britische Unternehmen fundamental sehr robust sind – und bis über 40 % günstiger bewertet als amerikanische Aktien. Die vielen multinationalen Konzerne im FTSE 100 hängen zudem kaum von der Binnenwirtschaft ab und werden großteils von Brexit-Szenarien weniger berührt.

Beispiele hierfür sind Shell, BP, Bergbaukonzerne wie Glencore oder Rio Tinto oder Pharmariesen wie GlaxoSmithKline. Nahezu überall sind die Risiken in den Kursen längst enthalten. Insofern hätte selbst ein neuer Brexit-Schock eher kurzfristige Auswirkungen. Unter den europäischen Indizes bietet der FTSE 100 derzeit die besten Chancen. Und wenn sich die Wellen in Sachen Brexit nachhaltig glätten, könnte er sich als Schock-Gewinner des Jahres erweisen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.