Europäische Wohnimmobilien ziehen weiteres Kapital an

Europas Wohnimmobilien locken zunehmend institutionelle Investoren aus fernen Kontinenten: Allein in den Jahren 2015 und 2016 legten Investoren aus den […] (Foto: 360b / shutterstock.com)

Europas Wohnimmobilien locken zunehmend institutionelle Investoren aus fernen Kontinenten:

Allein in den Jahren 2015 und 2016 legten Investoren aus den USA mehr als 6 Mrd. € in europäische Wohnimmobilien an.

Dies geht aus dem aktuellen Wohnungsmarkt-Bericht der Firma PATRIZIA Immobilien hervor.

Bei nordamerikanischen Investoren sind trotz des BrExit v. a. Immobilien aus Großbritannien gefragt.

Daneben gilt Deutschland als der attraktivste Markt für Wohnimmobilien.

Nicht nur bei institutionellen Anlegern aus den USA und Kanada, sondern insbesondere auch bei Investoren aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden sind deutsche Wohnimmobilien gefragt.

Nach Einschätzung von PATRIZIA werden grenzüberschreitende Transaktionen im Zuge der fortschreitenden Globalisierung des Kapitals weiter zunehmen.

Nachhaltiges Wachstum dank Niedrigzins-Niveau

Ein Treiber des Wachstums sind weiterhin die historisch niedrigen Zinsen. Die Immobilien-Branche profitiert dabei nicht zuletzt vom geldpolitischen Kurs der europäischen Zentralbank.

Das Anleihenrückkauf-Programm wurde zwar zuletzt um 20 Mrd. € pro Monat zurückgefahren, die Frist jedoch deutlich ausgeweitet.

Unibail nutzt den Trend und finanziert sich für 0,875% p.a. Auch die Deutsche EuroShop meldet einen konstanten Rückgang der Zinsbelastung.

Dabei sichern sich die Unternehmen mehrheitlich fixe Zinsbindungen. Unabhängig von der zukünftigen Entwicklung können die Kosten des Fremdkapitals somit noch lange Zeit niedrig gehalten werden.

Die Objekt-Renditen sinken dagegen weiter

Die Kehrseite der Medaille sind weiter sinkende Objekt-Renditen. Da die Immobilien-Preise angesichts der niedrigen Zinsen schneller als die Mieten gestiegen sind, sinkt die Kapital-Rentabilität.

Deutlich wird dies am Beispiel HAMBORNER REIT. Seit unserer letzten Besprechung meldete das Unternehmen vier größere Akquisitionen:

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  • das Einkaufszentrum Kurpfalz Center in Mannheim,
  • das Geschäftshaus DOMI in Dortmund,
  • die Büro-Immobilie O3 in Köln
  • und das Fachmarkt-Zentrum Neustiftcenter in Passau.

Das Investitions-Volumen bezifferte HAMBORNER auf 174,7 Mio. €. Die jährlichen Mieterträge belaufen sich auf 9,4 Mio. €.

Unterstellt man nicht umlagefähige Nebenkosten von 15% der Brutto-Kaltmiete, beläuft sich die Netto-Objekt-Rendite auf 4,6%.

Dies erscheint für Gewerbe-Immobilien recht wenig, wenngleich Einkaufs-Center anders zu bewerten sind.

HAMBORNER zeigte sich jedoch von der Qualität der Objekte, der Vermietungs-Situation und der Attraktivität der Standorte überzeugt.

In einem Umfeld sinkender Renditen überzeugt uns vor allem TAG Immobilien (4110) mit einer renditemaximierenden Strategie.

Der Offline-Handel erfindet sich neu

Einkaufscenter in 1A-Lagen gelten weiterhin als krisensicher. Auf lange Sicht müssen sich die Investoren aber neuen Herausforderungen stellen.

Das Einkaufen im Internet wird immer bequemer. Die Konsum-Landschaft ist geprägt von Innovation und Veränderung.

Der Absatz in klassischen Einkaufs-Centern leidet unter diesem Trend. Unibail oder Deutsche EuroShop, die sich auf Shoppingcenter spezialisiert haben, müssen reagieren.

Dabei liegt der Fokus lange nicht mehr auf der bloßen Vermietung der Räumlichkeiten.

Die Balance zwischen Handel, Gastronomie und Bequemlichkeit ist essenziell.

Um Kunden in das Einkaufscenter zu locken, muss ein Abenteuer, ein Erlebnis geboten werden.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.