Evotec-Aktie: Biotech-Schmiede aus Deutschland

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Die Evotec-Aktie präsentiert sich nicht volatiler als Morphosys oder gar Novartis. Unter den Biotech-Titeln gehört sie zu den stabileren. (Foto: Motortion Films / shutterstock.com)

In Sachen Kursperformance mögen Dax oder Mdax erfreuen, doch die Musik spielt klar im Tecdax. Nahezu 200% konnte er die letzten fünf Jahre zulegen – und übertraf damit sogar den Nasdaq.

Einen guten Teil tragen Biotech-Titel wie Morphosys oder Evotec bei. Beide beschäftigen sich mit der Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe und Therapieformen für verschiedene Erkrankungen.

Evotec-Aktie bisher ein Gewinn

Im Vergleich ist die Evotec-Akie ist mit einer Marktkapitalisierung von 1,81 Mrd. € die kleinere. In Bezug auf Umsatz und Gewinn jedoch die größere. 2016 liefen 164,51 Mio. € durch die Bücher des Hamburger Unternehmens, wovon unterm Strich 27,53 Mio. € in der Kasse blieben. Verglichen mit 2015 hat der Gewinn doppelt so stark zugelegt wie die Umsätze.

Erfreulich ist dies vor allem mit Blick auf die Vorjahre. 2008 lag der Verlust noch bei 78,3 Mio. €, 2013 waren es nach zuvor leichten Gewinnen noch einmal Minus 25,4 Mio. €. Danach ging es langsam aber deutlich in die Gewinnzone. Auf Zehnjahressicht brachte die Evotec-Aktie über 400 % Plus. 2016 zog sie steil an, erreichte im Jahr darauf einen Spitzenwert von 22 €, musste dann aber gut 30 % abgegeben.

Gut möglich, dass auch Spekulanten am Werk waren. Eine Meilensteinzahlung der Kooperationspartners Boehringer Ingelheim jedenfalls sorgte für Entspannung. Das Papier von Morphosys zeigt einen nahezu ähnlichen Verlauf. Dass der Kurs nach einer kräftigen Konsolidierung wieder zu neuen Höhen aufstieg, könnte ein gutes Vorzeichen für die Evotec-Aktie sein. Immerhin hat Morphosys zuletzt sogar mit einem Verlust von 60 Mio. € enttäuscht.

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Einzigartiges Geschäftsprofil

Der Geschäftsverlauf von Evotec jedenfalls ist dynamisch. Eine Kooperation folgt auf die nächste. Kooperationen bei der Wirkstoffforschung mit anderen Biotech- und Pharmaunternehmen, die diese Teile auslagern, sind das Kerngeschäft. Evotec übernimmt dabei als Spezialist alle Aktivitäten bis hin zur klinischen Entwicklung – und kauft andere Akteure auf.

Zu den zahlreichen Kooperationspartnern gehören unter anderem Boehringer Ingelheim, Genentech, Novartis, Pfizer, Roche oder Sanofi. Die Forschung bezieht sich auf klinische Bereiche wie Neurowissenschaften, Diabetes und Diabetesfolgeerkrankungen, Schmerz und Entzündungskrankheiten, Onkologie und Infektionskrankheiten. Mit diesem Profil ist Evotec ohne Konkurrenz. Insgesamt laufen nach eigenen Angaben über 80 entsprechender Partnerprogramme.

Vergleichsweise ruhiger Kursverlauf

Bis zu einem Börsenwert von rund 6 Mrd. € finden sich in der internationalen Peer Group zur Evotec-Aktie neben Morphosys auch BB Biotech und Qiagen. In der Gruppe macht Evotec nach Geschäftszahlen eine sehr gute Figur. Die Schweizer BB Biotech kommt mit zuletzt historisch niedrigen Umsätzen von 11,58 Mio. CHF auf einen Verlust von ganzen 802 Mio. CHF. Und Qiagen erzielte 2016 mit neun Mal höheren Umsätzen einen nur drei Mal höheren Gewinn.

Ein Vergleich zu Playern wie Amgen, Novartis oder Pfizer wäre allerdings schon wegen der Größenunterschiede wenig aussagekräftig. Mit Blick auf die Kursentwicklung zeigt sich jedoch, dass die Evotec-Aktie auf fünf Jahre gesehen nicht volatiler läuft als etwa das Papier von Novartis. Qiagen und Amgen indes zeigen deutlich stärkere und häufigere Ausschläge. Evotec ist offensichtlich auf gutem Weg. Unkenrufe, die Aktie sei spekulativ, können durchaus auch aus Kreisen kommen, die mal wieder dagegen wetten.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.