Exporte nach Saudi-Arabien bröckeln immer mehr ab

Vorläufig geblockte Rüstungs-Exporte kann Saudi-Arabien leicht ausgleichen. Die deutsche sprunghafte Symbolpolitik trifft viele Unternehmen. (Foto: Katja Pruess / shutterstock.com)

Wie schnell Unternehmen in die Mühlsteine der Politik geraten, zeigt sich neben den Sanktionen gegen Russland oder den Iran auch bei Saudi-Arabien. Exporte von Rüstungsgütern in das Königreich wurden Ende Oktober von der Bundesregierung einstweilen gestoppt. Zumindest so lange bis die Hintergründe im Fall des unter ungeklärten Umständen getöteten Journalisten Khashoggi geklärt sind.

Da es um mögliche Verstrickungen des Königshauses geht und weder die USA noch Israel Interesse haben, den Wüstenstaat als Verbündeten gegen den Iran zu schwächen, kann sich eine Aufklärung lange hinziehen oder sogar klammheimlich im Sand verlaufen. Abgesehen davon, dass sich Länder wie Frankreich dem Boykott nicht angeschlossen haben, bleibt abzuwarten, wie die Bundesregierung dann die zugeschlagene Tür ohne Gesichtsverlust wieder öffnen will.

Kurzarbeit durch geblockten Rüstungsexport nach Saudi-Arabien

Bei den betroffenen Unternehmen beschränkt sich die Unsicherheit nicht auf Planspiele mit Zahlen. Die Peene-Werft in Wolgast, die seit zwei Jahren 35 bestellte Patrouillenboote baut, kann zwischenzeitlich fertige Boote nicht ausliefern. Die Produktion ist gestoppt, die Belegschaft ist auf Kurzarbeit, wie es weiter geht, ist unklar.

Das wegen der Kriegsbeteiligung im Jemen immer wieder aufkeimende Problem von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien beschäftigt auch Unternehmen wie ThysssenKrupp mit seiner U-Boot Sparte oder Rheinmetall, das seit 2014 keine Panzer mehr liefern kann. Zuletzt ging es unter anderem um die Lieferung von Militärfahrzeugen.

Blockierte Genehmigungen für Exporte nach Saudi-Arabien wurden dieser Tage als ein Grund für die gesenkte Umsatzprognose von Rheinmetall genannt. Seit einem halben Jahr hat der Konzern rund ein Drittel seines Börsenwerts verloren. Allerdings: Die Margen sind gestiegen und der Nachholbedarf der Bundeswehr sowie in anderen Ländern verspricht gute Geschäfte. Auch ohne Saudi-Arabien, zumindest nicht über direkte Exporte.

Beschaffung notfalls auf Umwegen

Und hier zeigt sich die Schwachstelle von Ausfuhrverboten: Sie bewirken notfalls eine Verlagerung der Geschäfte über neue Konstruktionen. So hat Rheinmetall in Italien eine Tochterfirma namens RWM gegründet, die Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien liefert. In dem Land selbst wird ein Joint-Venture betrieben, das Munition herstellt. Außerdem ist der langjährige Rheinmetall-Manager Andreas Schwer seit einigen Monaten Leiter von SAMI, ein neuer Rüstungskonzern, den Saudi-Arabien aufbaut, um sich von Importen unabhängiger zu machen.

Ohnehin werden deutsche Rüstungsgüter notfalls über Drittländer bezogen. Leopard-Panzer lassen sich etwa in den USA oder Kanada kaufen. Dabei muss es sich nicht einmal um Nato-Partner handeln. Deutschland liefert in erheblichem Umfang auch nach Algerien, Jordanien oder Ägypten, das derzeit mit U-Booten von ThyssenKrupp versorgt wird. Und ein Konzern wie Airbus mit seiner Defence-Sparte kann seine Geschäfte über Frankreich abwickeln. Oder über Großbritannien, wo der von Saudi-Arabien begehrte Eurofighter zusammengebaut wird.

Insofern wirken sich Genehmigungen bzw. Verweigerungen durch den Bundessicherheitsrat eher auf mittlere Unternehmen aus wie die Peene-Werft, die zur Lürssen Gruppe mit Sitz in Bremen gehört. Anders als Heckler & Koch aus Oberndorf, das seine Sturmgewehre weltweit in Lizenz nachbauen lässt, kann Lürssen kaum eine überschaubare Zahl von Schiffen in dieses Geschäftsmodell verpacken.

Rheinmetall-Aktie als langfristiger Krisenprofiteur?Die Rheinmetall-Aktie ist zuletzt schlecht gelaufen. Steht die Kurserholung bevor? › mehr lesen

Sprunghafte Außenpolitik trifft viele Unternehmen

Saudi Arabien ist als einer der vier größten Waffenkäufer der Welt kaum auf offizielle Exporte aus Deutschland angewiesen; 2017 machten sie rund 520 Mio. Euro aus. Vielmehr wirkt sich die ethisch nachvollziehbare aber sprunghafte Symbolpolitik der Bundesregierung auch auf andere Unternehmen aus. Viele wurden von Saudi-Arabien seit Ende letzten Jahres gezielt von Aufträgen ausgeschlossen, nachdem Außenminister Sigmar Gabriel von „außenpolitischem Abenteurertum“ gesprochen hatte.

Während Siemens als einer der unentbehrlichsten Partner beim Aufbau der Energieinfrastruktur einigermaßen unbehelligt blieb, traf es andere wie Daimler, Bayer oder Boehringer. Auch SAP macht sich Sorgen um den Erhalt eines Langfristvertrags zur Digitalisierung der Wirtschaft.

Die Spannungen konnten erst letzten September durch Außenminister Heiko Maas etwas gelöst werden, nur Wochen bevor der Fall Khashoggi für neue Irritationen sorgte. Saudi-Arabien mag als Exportziel eine vergleichsweise geringe Rolle spielen – das Volumen betrug zuletzt 6,5 Mrd. Euro. Doch 2015 war es noch gut ein Drittel höher. Das Land bietet mit seinem Modernisierungsprogramm erhebliche Potenziale, und es ist ein zuverlässiger Zahler.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.