Facebook Datenskandal – auch andere Firmen sind betroffen

Warum der Datenskandal sogar das Wachstum von Facebook gefährden könnte. (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Es ist kein Geheimnis, dass Facebook und andere Internetkonzerne wie Google Nutzerdaten im großen Stil sammeln. Dies hatte die meisten Nutzer bislang aber nicht weiter gestört, die Dienste beider Unternehmen ausgiebig zu nutzen.

Facebook zählt inzwischen mehr als 2 Milliarden Nutzer weltweit, Google verzeichnet für 7 seiner Serviceangebote (Google Maps, Gmail, YouTube, Android, Google Suche, Chrome Browser und Google Play Store) mehr als eine Milliarde Nutzer.

Mitte März platzte jedoch die Bombe und die Facebook-Aktie rauschte in den Keller. Facebook musste zugeben, dass es einem Drittunternehmen, der Analysefirma Cambridge Analytica gelang, persönliche Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern auszulesen – und zwar ohne Zustimmung der Nutzer.

Facebook Datenskandal – So reagiert das soziale Netzwerk

Der Facebook Datenskandal löste ein weltweites Medienecho aus, dass wohl auch selbst Facebook überrascht hat. Zumindest traute sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg erst Tage später aus der Deckung und entschuldigte sich für Vorfall und kündigte gleichzeitig Änderungen an.

So sollen Programmierer nur noch eingeschränkt Zugriff auf Facebook-Daten erhalten und nur noch die wichtigsten Informationen (Name, Adresse, E-Mailadresse etc.) abrufen können – jedoch keine weiterführenden Informationen, die Facebook gesammelt hat.

Zudem kappte Facebook die Zusammenarbeit mit Datenhändlern wie Acxiom, die Werbevermarktern dabei geholfen haben, zielgerichtete Werbeanzeigen auf Facebook zu schalten.

Außerdem setzte Facebook eine Ankündigung vom Januar um, ein neues Privacy Center auszurollen, wodurch Facebook-Nutzer ihre gesamten Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre von einem zentralen Ort aus managen können – das Daten-Management soll dadurch einfacher werden.

Warum der Facebook Datenskandal so prekär ist

Nicht ohne Grund, denn am 25. Mai tritt in der EU eine neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft, wodurch der Datenschutz in ganz Europa vereinheitlicht werden soll. Die neuen Regeln zum Datenschutz sehen nicht nur das Recht auf Vergessenwerden, sondern auch weitergehende Rechte für Nutzer vor.

Dazu gehört zum Beispiel die Portabilität der Daten, wodurch der Nutzer Herr über seine Daten bleiben und diese zu einem anderen Anbieter mitnehmen darf. Gleichzeitig müssen Internetkonzerne wie Google und Facebook die explizite Zustimmung der Nutzer zur Datennutzung einholen und den Umgang mit persönlichen Daten auch transparenter machen.

Das Problem: Etwa die Hälfte der Unternehmen scheinen nach einer aktuellen Studie noch gar nicht auf die neue Rechtsverordnung vorbereitet, was eine Klagewelle nach sich ziehen könnte.

Ferner drohen Facebook & Co nicht nur in Europa, sondern auch anderswo wie zum Beispiel in den USA weitere Regulierungsschritte, um die Privatsphäre der Nutzer besser zu schützen. Dadurch könnte das bisherige Geschäftsmodell der großen Internetriesen in Gefahr geraten.

Fazit: Datenskandal gefährdet Geschäftsmodell von Facebook & Co

Der Facebook Datenskandal ist mehr als nur ein Sturm im Wasserglas, sondern zeigt vielmehr die Gefahren auf, die mit datengetriebenen Geschäftsmodellen einhergehen. Facebook zeigt sich offen gegenüber die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und will die Anforderungen weltweit umsetzen.

Doch ein Hauptkritikpunkt bleiben: Bislang haben vornehmlich Unternehmen wie Facebook und Google von der Auswertung privater Nutzerdaten profitiert, jedoch nicht die Anwender. Dies könnte sich in Zukunft ändern, wenn insbesondere Gesetzgeber in Europa und USA weitergehend regulatorisch eingreifen und Nutzern wieder mehr Macht über ihre Daten geben. Ein erster Schritt ist mit der neuen DSGVO bereits getan, dem könnten weitere folgen.

Ergänzend hierzu gibt es bereits Blockchain-basierte Lösungen von Valid Global und PikcioChain, die Nutzern mehr Macht über ihre Daten und damit neue Möglichkeiten der Monetarisierung einräumen, doch bis diese Lösungen im großen Stil in die Unternehmen Einzug halten, dürfte es noch eine ganze Weile dauern.

Kurzum: Facebook hat bereits einen Image-Schaden durch den Datenskandal davongetragen und wird sich vermutlich noch mehr bewegen müssen, um das Vertrauen seiner Nutzer zurückzugewinnen.

Am Ende dieses Prozesses könnte als Ergebnis stehen, dass Facebook seinen Datenschatz stärker mit seinen Nutzern teilen muss, wodurch sich die bisherigen paradiesischen Verhältnisse (hohe Gewinne aus der Datenauswertung) dem Ende neigen und das Wachstum von Facebook begrenzen könnten – und genau diese Gefahr spiegelt sich aktuell auch in der Facebook-Aktie wider.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands