Facebook Datenskandal – nur die Spitze des Eisbergs?

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Steht Facebook nach dem neuerlichen Datenskandal mit dem Rücken zur Wand oder ist alles nur halb so schlimm? (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)

Facebook steht erneut im Mittelpunkt eines Datenskandals. Angreifer hatten eine Sicherheitslücke in einer Funktion genutzt, mit der Facebook-Mitglieder sich das Profil aus der Sicht registrierter Benutzer anzeigen lassen konnten. Dadurch war es für Angreifer kurzzeitig möglich, persönliche Daten aus Facebook-Profilen abzugreifen.

Die Sicherheitslücke wurde von Facebook Ende September geschlossen. Von den rund 50 Mio. betroffenen Facebook-Nutzern stammen offenbar weniger als 10 % aus der Europäischen Union (EU), so die irische Datenschutzbehörde DPCIreland.

Dennoch könnte sich Facebook einer Klage in Höhe von 1,63 Mrd. US-$ von Seiten der EU gegenübersehen. Dies ist dann der Fall, wenn die EU-Datenschutzbehörden zum Schluss kommen, dass der Social Media Gigant zu wenig getan hat, um die Daten seiner Mitglieder besser zu schützen. Neue EU-Datenschutzrichtlinien sehen in diesem Fall eine Strafe von 4 % des globalen Umsatzes vor.

Facebook Datenskandal – das Vertrauen der Nutzer schwindet

Spätestens nach dem Facebook Datenskandal rund um Cambridge Analytica ist klar: Facebook hat ein Vertrauensproblem. Gleich in mehreren Umfragen schnitt Facebook zuletzt schlecht ab, wenn es um die Vertrauensfrage beim Umgang mit persönlichen Daten ging.

Mehr als 50 % der befragten Teilnehmer (über 2.000 Befragte Facebook-Nutzer) gaben im Frühjahr bereits an, kein oder nur wenig Vertrauen in die Facebook Plattform zu haben. Dieser Trend dürfte sich nach dem neuerlichen Datenskandal eher noch weiter verstärkt haben.

Vertrauensverlust hemmt offenbar das Nutzerwachstum

Ob sich dieser Vertrauensverlust auch in der Bilanz von Facebook weiter niederschlagen wird, dürfte sich erst nach dem 4ten Quartal 2018 zeigen, wenn das Unternehmen seine Zahlen fürs Schlussquartal vorlegt.

Im 2. Quartal 2018 konnte Facebook zwar 22 Mio. neue aktive Nutzer weltweit hinzugewinnen, dies war allerdings der niedrigste Wert seit Anfang 2011.

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Gleichzeitig wächst Facebook in Kernmärkten wie in den USA, Kanada und Europa nicht mehr. In Nordamerika stagniert Facebook seit Monaten bei 185 Mio. aktive Nutzer, zum ersten Mal verlor Facebook Nutzer in Europa. Waren im 1. Quartal noch 282 Mio. europäische Facebook-Nutzer täglich aktiv, sank diese Zahl im 2ten Quartal auf 279 Mio. aktive Nutzer pro Tag.

Analysten und Anleger warten daher mit Spannung auf die Zahlen zum vergangenen 3. Quartal, die Facebook voraussichtlich Ende Oktober vorlegen wird. Dann wird sich zeigen, ob sich der Negativtrend bei den Nutzerzahlen weiter fortgesetzt hat.

Fazit: Facebook vor großen Herausforderungen

Doch auch wenn Facebook für das 3. Quartal 2018 positive Wachstumszahlen melden sollte, stehen die Zeichen auf Umbruch. Nach mehreren Datenskandalen und Berichte um die Weitergabe von Nutzerdaten an Werbetreibende, wird der Ruf nach einem Paradigmenwechsel lauter.

In der Vergangenheit war das Geschäftsmodell einfach: Nutzerdaten gegen kostenlose Nutzung der Plattform. Doch mithilfe neuer Datenschutzgesetze und der Blockchain könnte es für Nutzer künftig lukrativer sein, ihre Daten selbst gewinnbringend zu verkaufen. Geschäftsmodelle, die vor allem auf Nutzerdaten basieren (Facebook, Google etc.), müssen möglicherweise angepasst werden.

Dies könnte insbesondere für Facebook ein schmerzhafter Prozess werden, da das Unternehmen wie kein anderer Konzern auf seine Nutzer und Daten angewiesen ist – der Nutzer ist quasi das Produkt.

Anleger müssen damit rechnen, dass die Facebook-Aktie auch in den kommenden Monaten sehr volatil bleibt. Sollte Facebook auch fürs 3. Quartal enttäuschende Zahlen beim Nutzerwachstum vorlegen, droht ein weiterer Kurseinbruch der Facebook-Aktie.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands