Facebook: Dating-Markt im Visier

Facebook überrascht mit neuem Vorstoß. Mittels einer neuen Funktion soll nun der Dating-Markt erobert werden. (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Auch nach dem Datenskandal kommt Facebook nicht aus den Schlagzeilen. Im Mai gab es offenbar eine weitere Datenpanne beim weltgrößten sozialen Netzwerk, wodurch bis zu 14 Mio. Mitglieder betroffen waren. Durch einen Softwarefehler wurden Beiträge nicht nur mit Freunden, sondern versehentlich mit der ganzen Welt geteilt. Der Fehler wurde inzwischen behoben, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, wie vertrauenswürdig Facebook noch ist.

Die Diskussionen um Datenpannen hielt Facebook nicht davon ab, seine Fühler nach weiteren Geschäftsmöglichkeiten auszustrecken. Konkret geht es um den lukrativen Dating-Markt, der längst ein Milliardengeschäft ist. Glaubt man Marktprognosen von Statista, dürfte dieser Markt weltweit im Jahr 2022 einen Umsatz von über 3,1 Mrd. € erreichen. Facebook will sich offenbar ein großes Stück vom Kuchen sichern.

Facebook bald mit eigener Dating-App?

Im Rahmen der jährlichen Facebook-Entwicklerkonferenz F8 stellte Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine neue Dating-Funktion für die Facebook-App vor. Optional können sich Nutzer dazu entscheiden, ein Dating-Profil anzulegen. Dieses Dating-Profil kann von Freunden nicht eingesehen werden und soll in erster Linie Menschen zusammenbringen, die ähnliche Interessen verfolgen, aber nicht befreundet sind.

Dies geschieht über das Freischalten von bestimmter Gruppen und Events, die der Facebook-Nutzer besuchen will. Die Software schaltet das Dating-Profil dann für andere Event-Besucher bzw. Singles frei. Anschließend können die betreffenden Singles einen privaten Chat starten und Textnachrichten austauschen. Diese Textnachrichten (keine Fotos, Videos) sollen separat von Facebook und WhatsApp gespeichert werden, verspricht das soziale Netzwerk.

Facebooks Dating-Funktion: Neue Konkurrenz für Tinder & Co

Der Vorstoß von Facebook überrascht nicht wirklich, haben doch 200 Mio. Facebook-Nutzer im Profil als Status „Single“ angegeben. Die Offensive von Facebook ließ allerdings die Aktien von Dating-Portalen wie Match Group (Tinder) oder InterActiveCorp kräftig abstürzen – die Papiere verloren an einem Tag zeitweise mehr als 10 %.

Einige Anleger fürchten, dass Facebook diesen Nischenanbietern den Rang ablaufen könnte, schließlich zählt Facebook mehr als 2 Mrd. Mitglieder weltweit. Per Knopfdruck bzw. Integration der neuen Dating-Funktion ist Facebook plötzlich ein direkter Konkurrent für Dating-Apps wie Tinder, Bumble, OkCupid und Hinge.

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Derzeit nutzen Jugendlich noch überwiegend Tinder und zwar mehr als jede andere Dating-App, so das Investmenthaus Piper Jaffray. Dies half zuletzt dem börsennotierten Tinder- und OKCupid-Mutterkonzern Match Group seinen Umsatz im ersten Quartal 2018 um 150 % auf 407,4 Mio. US-$ zu steigern. Dies weckt natürlich Begehrlichkeiten bei Facebook & Co.

Dating-Markt: Warum Facebook im Vorteil ist

Zwar gibt man sich bei Match Group noch relativ entspannt, was den Vorstoß von Facebook angeht, andere Marktbeobachter sehen die Nischenanbieter aber bereits unter Zugzwang.

Denn Facebook hat nicht nur einen Größenvorteil und damit den Zugriff auf zahlreiche Nutzerdaten. Auch das Facebook-Konzept, Singles über gemeinsame Veranstaltungen zusammenzubringen, ist in der Branche einmalig. Denn bisher waren über Tinder & Co meist nur Profilkarten mit Name, Foto, Altersangabe verfügbar.

Fazit: Facebook will den Dating-Markt aufmischen

Keine Frage, Facebook will durch die neue Funktion in seiner App seine Reichweite erweitern und sich damit gleichzeitig einen neuen Markt erschließen. Der Dating-Markt ist inzwischen ein Milliardengeschäft und damit zu lukrativ als dass Facebook darauf verzichten könnte.

Während dieser Vorstoß die Facebook-Aktie eher stärken dürfte, droht Match Group und viele kleinere Anbieter im Dating-Markt langfristig ein verschärfter Wettbewerb, schließlich ist die neue Facebook-Funktion kostenlos und noch ausbaufähig.

Die neue Dating-Funktion dürfte zwar nicht sofort für zusätzliche Umsätze bei Facebook sorgen, jedoch das Ökosystem Facebook dauerhaft stärken. Damit bleibt Facebook unter den Social Media Aktien weiterhin erste Wahl, auch wenn der jüngste Datenskandal die Wachstumsaussichten zuletzt etwas gedämpft haben.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands