Fahrverbote: Auswirkungen für Aktien und Anleger minimal

Die Auswirkungen von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Städten sind tatsächlich äußerst gering. Für Langfrist-Anleger sollten sie kein Thema sein. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Sobald eine politische Entscheidung oder ein Gerichtsurteil die Schlagzeilen beherrscht, ist die Aufregung groß. So auch Ende Februar, als das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Diesel-Fahrverbote grundsätzlich für zulässig erklärte.

Geringe Auswirkungen durch Fahrverbote

Die möglichen Auswirkungen der Fahrverbote verdarb Anlegern spontan die Laune. Aktien von BMW, Daimler oder VW waren die Tagesverlierer im Dax. Das Urteil war zwar alles andere als überraschend, sorgte aber für Unsicherheit was die Zukunft von Dieselfahrzeugen angeht, die für die deutschen Autohersteller immer noch eine wichtige Einnahmequelle sind.

Doch wie stark sich die Auswirkungen von Fahrverboten tatsächlich gestalten, ist noch lange nicht ausgemacht. Zu viele Detailfragen sind noch völlig offen, angefangen von der Möglichkeit nur gelegentlicher und partieller Fahrverbote bis hin zur weniger wahrscheinlichen massenhaften und teuren Umrüstung älterer Fahrzeuge.

Deutsche Autobauer kaum betroffen

Mit etwas Zeitabstand hat sie die Lage wieder etwas beruhigt, auch die Aktien haben sich wieder erholt – Zeit für eine nüchterne Betrachtung. Immerhin sind die Papiere der drei großen deutschen Autokonzerne mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 7 verlockend günstig. Irgendwelche Auswirkungen von gelegentlichen Fahrverboten werden sie kaum beeinträchtigen.

Im Gegenteil: Sie werden sie bei konventionellen Verbrennungsmotoren an noch weniger Schadstoffausstoß arbeiten und zugleich ihre Investitionen in E-Fahrzeuge ausbauen. Zudem ist Deutschland nur einer von vielen Absatzmärkten weltweit. Auch aus Sicht der Börse spielen Märkte in China oder den USA eine entscheidende Rolle. Dort glänzen die Münchner, Stuttgarter und Wolfsburger mit starken Verkaufszahlen.

VW beispielsweise hat letztes Jahr gerade mal 12,1 % seiner Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Auch bei BMW ist der deutsche Anteil nur etwas höher. Am stärksten ist Daimler auf deutsche Kunden angewiesen. Noch, denn spätestens mit dem 7,9 %-Einstieg von Geely aus China wird eine stärkere Internationalisierung unausweichlich. Bei allen drei Herstellern sind die Zuwächse im Ausland um ein Vielfaches höher als hierzulande.

Politisch nicht gewollt

Daran ändert auch nichts, wenn sich Toyota ärgert, dass es zuletzt wieder den Titel als größter Autobauer der Welt an VW abgeben musste und sich nebenbei aus Hauptsponsor für die Deutsche Umwelthilfe betätigt, die als kleiner Verein mit gerade 274 Mitgliedern das jüngste Gerichtsurteil erstritten hat. Und weil die Zahl gefährdeter Arbeitsplätze zu hoch ist, werden die Regierungen in Bund und Land alles unternehmen, um die Auswirkungen von Fahrverboten so gering wie möglich zu halten.

Eine Überlegung wäre eine Überprüfung der Messtechniken von Stickoxid. Laut des relevanten EU-Standards sind Messgeräte innerhalb von 25 Metern anzubringen. In den meisten deutschen Städten befinden sie sich direkt an der Straße, weshalb der Grenzwert von 40 mg pro Kubikmeter Luft schneller überschritten wird.

Für Anleger jedenfalls besteht kaum Anlass zur Sorge. Selbst wenn es wider Erwarten zu häufigen und flächendeckenden Fahrverboten kommen sollte, können die Autohersteller ihre Dieselkontingente in Ländern verkaufen, wo Fahrverbote kein Thema sind. Abgesehen davon ist langfristig ohnehin eine Schrittweise Umstellung der Fahrzeugflotte etwa auf mehr E-Autos geplant.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.