Fahrverbote in China – können BYD, Tesla & Co profitieren?

Nachdem Frankreich und England bereits Pläne vorgelegt haben, um Benzin- und Diesel-Fahrzeuge langfristig von den Straßen zu verbannen, hegt China offenbar ähnliche Pläne.

Entsprechend äußerte sich Xin Guobin, seines Zeichens chinesischer Vize-Minister für Industrie- und IT-Technik jüngst in der Öffentlichkeit. Demnach arbeitet auch China bereits an einem konkreten Zeitplan, den Verkauf von Diesel- und Benzin-Fahrzeuge komplett zu verbieten. Als Deadline ist vorerst das Jahr 2040 im Gespräch, so dass die Automobilindustrie genügend Zeit hat, sich auf die Änderungen einzustellen.

Fahrverbote in China – das Problem mit dem Smog

Es ist kein Geheimnis, dass chinesische Großstädte schon seit Jahren mit zunehmendem Smog zu kämpfen haben. Fahrverbote in China sind an der Tagesordnung. So verbannte China erst Mitte Februar 2017 kurzer Hand rund eine halbe Million ältere Fahrzeuge (Euro 1 und Euro 2 Norm) aus der Pekinger Innenstadt.

Daneben gibt es schon länger ein grundsätzliches Fahrverbot in China für Benzin-Autos an einem Tag der Arbeitswoche. Diese Regelung gilt in Stadtgebieten und wird anhand der Nummernschilder festgelegt, Elektroautos dürfen dagegen immer fahren.

China will Hersteller mit Elektroauto-Quoten zum Umstieg drängen

Um Autohersteller schon vor dem endgültigen Verkaufsverbot zur Produktion von mehr umweltfreundlicheren Autos zu bewegen, will China eine Quote einführen. Diese Elektroauto-Quote gilt für Autohersteller, die mehr als 30.000 Autos mit fossilem Antrieb nach China importieren oder direkt herstellen. Konkret sehen die neuen Regelungen vor, dass Hersteller ab 2019 mindestens 10 % ihrer Produktion auf Elektroautos umstellen. Ab 2020 gilt eine Elektroauto-Quote von 12 %.

Für jedes hergestellte Elektroauto erhalten Hersteller Punkte, gleiches gilt für E-Autos mit langer Reichweite. Schafft ein Hersteller diese Quoten nicht, muss dieser Punkte zukaufen oder eine Strafe in Kauf nehmen.

Elektroauto-Quoten in China: BYD, Tesla & Co könnten profitieren

Für Anleger stellt sich nun die Frage, welche Hersteller von der neuen Elektroauto-Quote profitieren. Hauptnutznießer dieser Offensive dürfte wohl Chinas marktführender Elektroauto-Hersteller BYD sein.

BYD-Aktien haben in diesem Jahr bereits um mehr als 50 % zugelegt, das chinesische Unternehmen hat gleich 3 Modelle unter den Top 10 der meistverkauften Hybrid- bzw. Elektroautos der Welt: BYD Tang, den BYD Qin und den BYD E6. Allein an den Verkaufszahlen gemessen ist BYD der größte Elektroauto-Hersteller der Welt.

Auch der kalifornische Elektroautobauer Tesla könnte am Ende zu den Nutznießern gehören. Tesla konnte im Vorjahr bereits seine Umsatzerlöse in China auf mehr als 1 Mrd. US-$ verdreifachen. Zwar verkauft der große Rivale BYD mehr Elektroautos, doch in Sachen Umsatz hat Tesla die Nase vorne. So setzte Tesla in 2016 mit 6,35 Mrd. US-$ deutlich mehr mit dem Verkauf von Elektroautos um als BYD (3,88 Mrd. US-$).

BMW expandiert erfolgreich in China

Auch für den deutschen Autobauer BMW lief es zuletzt wieder besser im Reich der Mitte. Jüngst hat BMW sein Werk in Shenyang mit dem Partner Brilliance für rund 1 Mrd. € ausgebaut, gleichzeitig wurde das Joint Venture mit dem chinesischen Autobauer bis 2028 verlängert. Dadurch kann BMW nun rund 450.000 Autos im Jahr direkt in China produzieren.

Aktuell bietet der bayerische Autohersteller BMW 5 Hybrid- und Elektroauto-Modelle in China an. Schritt für Schritt soll das Elektroauto-Angebot in China weiter ausgebaut werden, so BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter.

Volkswagen hat große Pläne in China

Neben BMW hat auch Volkswagen (VW) große Pläne China. Im Jahr 2020 will VW 400.000 Elektroautos im Reich der Mitte verkaufen, im Jahr 2025 soll diese Zahl sogar auf 1,5 Millionen E-Autos klettern.

Zudem wird VW inzwischen mit dem chinesischen Batterie-Hersteller CATL (Contemporary Amperex Technology Company Ltd.) in Verbindung gebracht. CATL ist die Nummer 3 unter den weltweit führenden Batterie-Herstellern hinter Panasonic und BYD. Nach jüngsten Medienberichten geht es bei dem Deal um einen möglichen Batterie-Liefervertrag in Höhe von 60 Mrd. US-$ – eine Entscheidung soll Anfang 2018 fallen, heißt es bei VW.

Fazit: Elektroauto-Quote stellt deutsche Hersteller vor Herausforderungen

Während die geplante Elektroauto-Quote voraussichtlich Elektroauto-Spezialisten wie BYD und Tesla begünstigen dürfte, stellt die E-Auto-Quote deutsche Hersteller vor Herausforderungen. Anleger müssen wissen, dass der chinesische Markt für die deutschen Autobauer inzwischen der größte Absatzmarkt ist. Können BMW, VW & Co ihr Produktportfolio nicht schnell genug anpassen, drohen Marktanteilsverluste.

Insgesamt dürfte der chinesische Markt den deutschen Autoherstellern aber große Chancen bieten, denn China will bis 2020 5 Millionen Elektroautos auf den Straßen sehen. Im Vorjahr wurden bereits 500.000 Hybrid- und Elektroautos in China verkauft (+50 %), doch der Marktanteil von Elektroautos inklusive Hybrid-Plug-ins liegt nach wie vor nur bei 1,6 % – Ende 2017 wird dieser Anteil voraussichtlich auf 2,0 % klettern. Entsprechend groß ist nach wie vor das Potenzial für alle Marktanteilnehmer.

13. Oktober 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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