Faltphones – Megageschäft mit Displays für die Hosentasche

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Faltphones sind der Durchbruch zu tragbaren Alleskönnern: gefaltete Tablets für die Hosentasche. Auf Samsung und Huawei wird Apple folgen. (Foto: JPStock / shutterstock.com)

Vor über zehn Jahren waren Klapp-Handys von Nokia und anderen der Renner unter den Mobiltelefonen. Das Design war in der Handhabung praktisch und machte die kleinen Geräte beim Benutzen doppelt so groß: unten Tastatur, oben Bildfläche.

Vom Klapphandy zum Faltphone

Die vom Grundgedanken her simple Flächenerweiterung erlebt nun mit neuen Faltphones ein Comeback. Im Unterschied zu früher jedoch ist das ganze Display faltbar, was technisch ungleich schwieriger ist. Insofern ist es nicht nur berechtigt, von einer Innovation zu sprechen. Mehr noch: Es ist der Durchbruch zu einer völlig neuen Kategorie von tragbaren digitalen Alleskönnern.

Seit Jahren forschen Smartphone-Hersteller an neuen Displays, die man wie Papier falten oder gar rollen kann. Ein höchst anspruchsvolles Unterfangen, besonders wenn noch eine Kamera integriert ist. Die Entwicklungskosten sind gut investiert, denn bisherige Smartphones sind technisch ausgereizt, der Markt stagniert.

Auf dem letzten Mobile World Congress in Barcelona wurden nun die ersten Faltphones gezeigt: das Samsung Galaxy Fold und das Huawei Mate X. In China gibt es noch einen weiteren Entwickler namens Royole. Der weitgehend unbekannte Displayhersteller hat nach demselben Prinzip ebenfalls einen Faltphone-Prototypen namens Flexpai vorgestellt. Auch der chinesische Anbieter Xiaomi könnte bald soweit sein.

Drei Chinesen, ein Koreaner – Samsung jedenfalls hat sich beeilt, sich als Innovator und Wegbereiter präsentieren zu können. Das Gerät wird demnächst ab 2.000 US-Dollar zu haben sein. Damit ist das Doppelphone auch doppelt so teuer wie das Flaggschiff iPhone X von Apple.

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Apple-Patent, nicht vor 2020

Doch die technikbegeisterten Käufer dieser Produkte der ersten Generation werden wohl einige Kinderkrankheiten in Kauf nehmen müssen. Nicht ohne Grund wurden auf der Messe in Barcelona die Geräte nur hinter verschlossener Vitrine ausgestellt. Nach ungefähr 10.000 Mal Auf- und Zuklappen scheint sich ein erkennbarer Knick im Display abzuzeichnen. Das Problem hat offenbar auch Huawei.

Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Geräte ausgereifter sind. Apple scheint derweil an einer eigenen Lösung zu arbeiten. Ein entsprechendes Patent ist längst eingereicht. Gerüchten zufolge dürfte ein raffiniertes Apple Faltphone im nächsten Jahr präsentiert werden. Der Wettlauf hat begonnen. Und in einigen Jahren könnten derartige Geräte vielleicht ab 500 US-Dollar zu haben sein.

Neue Perspektiven, auch für Gamer

Auf jeden Fall eröffnen sie völlig neue Möglichkeiten, da sie in die Hosentasche passen, sich wie ein herkömmliches Smartphone verwenden, aber bei Bedarf auf die Größe eines Tablets vergrößern lassen. Voll oder halb aufgeklappt, mit oder ohne eingeblendetem Keyboard kann man dann auch Funktionen nutzen, für die die bisherigen Formate zu klein sind.

Zu den Profiteuren werden neben den Herstellern selbst die Anbieter elektronischer Spiele gehören wie Activision Blizzard oder Electronic Arts. Die Gamer-Szene jedenfalls kann es kaum erwarten, ihre Spiele endlich auch so richtig mobil zu genießen. Faltphones werden den Markt gehörig aufmischen und für neue Umsatzzuwächse sorgen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.