FANG-Aktien: Blase oder notwendige Korrekturen?

So schön es ist, wenn Technologieaktien als zuverlässige Börsenbooster die Kurse treiben – sobald beliebte Schwergewichte wie Amazon oder Facebook schwächeln, werden viele nervös. Während der seit 2009 anhaltenden Hausse gab es immer wieder Warnungen vor einer Marktübertreibung.

Eine größere Korrektur zeigte der Technologie-Index Nasdaq 100 Ende 2015. Doch dann ging es wieder steil bergauf. Auf Jahressicht legte er mit 24,37 % deutlich besser zu als der S&P 500 oder Dow Jones.

Bedrohliche Blase bei FANG-Aktien?

Als nun im Juni die Kurse erneut abrutschten, kam die bange Frage nach einer Blase der FANG-Aktien auf, also die vier großen Konzerne, die das Internet dominieren: Facebook, Amazon, Netflix und Google. Ihre Anfangsbuchstaben ergeben das seit geraumer Zeit kursierende Kürzel. Ein anderes Akronym nennt sich FAAMG, was für Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google steht.

Die Bedeutung der ersten Version ergibt sich daraus, dass es sogar einen FANG-Index gibt, auf den etwa die Deutsche Bank ein Zertifikat anbietet. Auch XXL Optionsscheine mit Hebel stehen dafür zur Verfügung – wahlweise als Short-Investment für fallende Kurse. Umso spannender ist die Überlegung, ob man von einer Blase bei FANG-Aktien ausgehen muss, bei der er es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, wann sie platzt.

Dass die Auswirkungen erheblich wären, zeigt allein der enorme Börsenwert der FANG-Aktien, der schon Ende letzten Jahres 1,6 Bio. US-$ betrug. Das ist mehr als die Wirtschaftsleistung mancher Industrieländer. Und mehr als alle 30 Dax Unternehmen mit einem Gesamtgewicht von 1,1 Bio. US-$. Und während auf Jahressicht der Dax um 20,23 % zulegte, waren es beim FANG-Index ganze 35 % – über 10 % mehr als beim Nasdaq 100.

Kein Vergleich zur Internetblase

Netflix etwa ist alleine 2015 um ganze 134 % in die Höhe geschnellt. 119 % waren es bei Amazon. Nach seinem letzten Rücksetzer kletterte der FANG-Index aber wieder, von 153 auf über 171 Punkte im Juli. Also doch kein Platzen einer FANG-Aktien-Blase? Tatsache ist: Der befürchtete große Crash ist ausgeblieben. Was sich zeigt, sind Korrekturen, die Luft aus dem Boom nehmen.

Der lässt sich auch nicht mit dem Internet-Hype der Jahrhundertwende vergleichen, als alles, was nur irgendwie mit Internet und Technologie zu tun hatte, durch die Decke ging. So naiv-euphorisch wie damals geht es heute lange nicht zu. Eher gibt es Anlass, sich von einer gewissen Sorglosigkeit zu verabschieden und die Erwartungen etwas herunterzuschrauben.

Einer der Gründe ist die sehr hohe Bewertung grade von US-Aktien. Schon im S&P 500 ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit nahezu 20 so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Ungleich krasser ist die Bewertung der FANG-Aktien. Netflix kommt auf ein KGV von 145, Amazon liegt mit 140 nur wenig darunter.

Korrekturen für neuen Trendschub

Diese Werte sind natürlich im Verhältnis zu den hohen Wachstumsraten, den Aussichten und der dominierenden Marktstellung zu sehen. Doch die Höhenflüge sind selbst damit nicht zu rechtfertigten. Gleich ob man von einer Übertreibung oder einer Blase der FANG-Aktien sprechen mag, Kurskorrekturen sind notwendig. Sie ergeben sich auch schon deshalb, weil angesichts der Zinserhöhungen in den USA viele Investoren von Tech- in Bankaktien umgeschichtet haben.

Es gibt also keinen Grund zur Panik. Auch wenn Korrekturen Wochen oder Monate dauern können und nebenbei deutsche Aktien erfassen – sie sind Teil von Bullenmärkten und Voraussetzung für den nächsten Trendschub.

14. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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