Fat Finger Trade: Crash durch Tippfehler

Ein Fat Finger Trade ist ein Versehen, bei dem Händler ungewollt falsche Zahlen eingeben. Die Folgen sind erheblich aber nur kurzfristig. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Ein Crash wie aus heiterem Himmel: In größeren Abständen kommt es vor, dass sich Anleger verwundert die Augen reiben, weil weder Charts noch Signale auf einen Kurssturz hingewiesen haben. Technisch ist der Markt eigentlich in Ordnung, und dennoch rauschen die Kurse an den Börsen in den Keller.

Fat Finger Trade: banale Ursache, enorme Wirkung

Oft lässt sich die Ursache sozusagen an den fünf Fingern abzählen. Einer davon war vermutlich zu fahrig und geriet auf die falsche Computertaste, als ein Händler am Werk war: ein Fat Finger Trade, wie das Problem bezeichnenderweise genannt wird. Andere sprechen auch von einem Fat Finger Error, was die Sache noch deutlicher auf den Punkt bringt.

Der Fat Finger Trade ist ein Tippfehler, mit dem versehentlich Zahlendreher entstehen oder viel höhere Beträge eingegeben werden, die den Markt sofort aus dem Gleichgewicht bringen. Zuletzt traf es das Edelmetall Gold. Am 26. Juni fiel der Preis überraschend und innerhalb von Minuten um 1,6 %. Tags darauf stand er wieder fast auf dem alten Niveau und zeigte nach oben.

In anderen Fällen aber kam es schon zu weitaus größeren kurzfristigen Verwerfungen – banale Ursache, massive Wirkung. Der Faktor Mensch ist nur eine Sache. Mit dem Fehler tritt er gerade in angespannten Marktsituationen die Sicherungsalgorithmen im Computerhandel los. Anleger setzen nämlich verbreitet Stopp Loss-Marken bzw. geben dem Broker den Auftrag, beim Unterscheiten bestimmter Kurse zu verkaufen.

Fatale Fingerfehler oder Nervosität?

Wenn der an sich sinnvolle Mechanismus zur Verlustbegrenzung massenhaft an Fahrt gewinnt und sich selbst verstärkt, folgen in der Regel noch die Hedgefonds, die ihre Aktien auf Kredit gekauft haben und schon deshalb fast um jeden Preis verkaufen müssen. Ein Händler, der sich vertippt, kann natürlich Kursausschläge in beide Richtungen verursachen, je nachdem ob er kauft oder verkauft.

Die Annalen kennen einige krasse Fälle: 1999 gab ein Broker der UBS schlicht zu viele Nullen ein und handelte technisch mehr Aktien von Roche als auf dem Markt waren. 2002 verkaufte ein Händler der ehemaligen Investmentbank Bear Stearns Aktien und gab statt 4 Mio. US-$ ganze 4 Mrd. US-$ ein. Noch bevor der Fehler rückgängig gemacht wurde, knickte der Dow Jones um 2,3 % ein.

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Am Goldmarkt kürzlich war das Ausmaß nicht ganz so dramatisch. Dennoch ist bis heute nicht geklärt, ob hier wirklich ein Fat Finger Trade der Auslöser war. Was dagegen spricht: Anders als üblich in solchen Fällen erholte sich der Goldpreis recht spät, und zwar am nächsten Tag. Selbst dann erreichte er nicht ganz die Marke vor dem Absturz.

In der Regel schnell behoben

Auch bei einem Flash Crash, der durch fatale Selbstläufer im automatischen Computerhandel entsteht, hätte sich die Marktsituation spätestens nach einigen Stunden wieder komplett erholt. Gut möglich, dass es sich um tatsächlich beabsichtigte Volumina handelte, die in einem nervösen Markt und bei saisonbedingt geringeren Umsätzen umso mehr auffallen. Immerhin wurden 1,8 Mio. Feinunzen auf dem Markt geworfen, was rund 2 Mrd. € entspricht.

Mistrades geschehen immer wieder. Sie sind innerhalb bestimmter Fristen der jeweiligen Börse zu melden. Normalerweise werden Eingaben falscher Stückzahlen oder Preise schnell behoben. Allerdings beinhalten die Mistrade-Regeln der Börsen auch Fristen, nach deren Ablauf ein Rechtsanspruch auf Annullierung oder Anfechtung ausgeschlossen ist. Anders sieht es bei außerbörslichen Geschäften aus. Hier regeln Rahmenverträge die Pflichten sowie Rechte der Teilnehmer und damit die Möglichkeit auf Schadensersatz.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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