Faule Autokredite für US-Kunden: Eine Blase am US-Automarkt?

Autotitel laufen derzeit ungewöhnlich volatil. Während sich hierzulande die Reihe von Skandalen fortsetzt – erst VW, jetzt das Hersteller-Kartell – scheinen die Amerikaner die Lust am Auto zu verlieren.

Und zwar derart ausgeprägt, dass man von einem Crash am US-Automarkt sprechen kann. Der weltweit zweitgrößte Markt ist nicht nur für heimische Produzenten wichtig, auch deutsche Hersteller setzen dort bis zu 14 % ihrer Fahrzeuge ab.

US-Automarkt: Crash im Massengeschäft

Der Crash am US-Aktienmarkt traf im Juli Marktführer General Motors besonders: Verglichen zum Vorjahresmonat wurden 15 % weniger Wagen verkauft. Bei Fiat Chrysler waren es 10 % weniger und bei Ford 7,5 %. BMW klagt über einen Rückgang von 13,7 % und Daimler musste ein Minus von 9,2 % einstecken. VW verkaufte 5,8 % weniger in seiner Kernmarke, konnte aber bei Audi und Porsche leicht zulegen. Auffallend: Unterhalb des Premiumsegments sind die Rückgänge extrem.

Im Massengeschäft versuchen die Konzerne mit Rabatten und Krediten gegenzusteuern, die längst nicht mehr gesund sind. Sorgen bereiten vor allem Darlehen, die reihenweise auch an bonitätsschwache Kunden vergeben werden. Umsätze auf Pump und Risiko – das alles erinnert die letzte Finanzkrise, die mit Subprime-Krediten für Immobilien ihren Anfang nahm. Als die Kunden nicht mehr zahlen konnten und die Häuser weniger wert wurden, platze die Blase.

Darlehen mit Milliardenrisiko

Und wieder zeigt sich eine unheilige Kombination aus sinkenden Preisen für Gebrauchtwagen und steigenden Zahlungsausfällen. Droht der Crash am US-Automarkt sich zur handfesten Krise auszuweiten? Immerhin beliefen sich die PKW-Kredite im April auf rekordverdächtige 1,17 Bio. US-$. Das sind gut 10 % der Schulden aller amerikanischen Haushalte. Auch wenn lediglich ca. 2 % der Fahrzeugkredite als ausfallbedroht gelten, so geht das Risiko in die Milliarden.

Gerade bei den zweitklassigen Krediten stieg die Ausfallquote an. Und wie in der Subprime-Krise vor zehn Jahren schlummern viele faule Kredite, die durch falsche Angaben erschlichen wurden. Deren Verlustrisiko wird dieses Jahr auf 6 Mrd. US-$ geschätzt, doppelt so viel wie 2015.

Das ganze Ausmaß ist allerdings nicht mit dem Immobilienmarkt zu vergleichen, wo es um mindestens zehn Mal so hohe Summen geht. Dennoch: Die Zahlen haben Aufsichtsbehörden und Banken aufgeschreckt. In der Folge wurde die Darlehensvergabe bereits deutlich heruntergefahren.

Deutliche Bremsspuren

Die Gefahr, dass der US-Automarkt komplett an die Wand fährt, ist zwar nicht akut. Doch schon der Tritt auf die Bremse hinterlässt Spuren wie die jüngsten Absatzzahlen zeigen. Ohne Rabatte und Kredite geht es auch weiterhin kaum. Wenn die US-Regierung beklagt, dass der heimische Konsum nicht so recht vorankommt, ist ein Blick auf die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte erhellend: Sie beläuft sich auf ganze 12,7 Bio. US-$ und damit mehr als vor zehn Jahren.

Dennoch ist die Konjunktur insgesamt stabil, was die Autoindustrie auf eine Belebung hoffen lässt. Die Schwäche am US-Automarkt ist bei den Aktien der Hersteller längst eingepreist. Die derzeit niedrigen Bewertungen kann man als Anleger wie ein Rabattschild wahrnehmen.

14. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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