Fehlerhafte Airbags: Takata ist insolvent

Das Folgen der Insolvenz des japanischen Automobilzulieferers Takata, der nach zahlreichen Rückrufaktionen seiner Airbags aufgeben musste. (Foto: sraphotohut / Shutterstock.com)

Der japanische Airbag-Hersteller Takata ist pleite. Das Unternehmen hat wegen der Folgen eines millionenfachen Rückruf-Desasters Insolvenz angemeldet.

Wie der Konzern mitteilte, muss neben dem Mutterkonzern in der japanischen Hauptstadt Tokio die US-Tochtergesellschaft TK Holdings Insolvenz anmelden. Aufgrund der offenen Verbindlichkeiten von rund 8,1 Mrd. € (1 Billion Yen) stellt dies eine der größten Insolvenzen der japanischen Wirtschaftsgeschichte dar.

Die bereits 1933 gegründete Takata gilt als eines der bedeutendsten Traditionshäuser im Land der aufgehenden Sonne. In den Anfangsjahren stellte Takata Reißleinen für Fallschirme später dann Sicherheitsgurte für die Automobilindustrie her. Zuletzt beschäftigte der Konzern weltweit in 55 Produktionsstätten nahezu 50.000 Mitarbeiter.

Takata Insolvenz: Was den Absturz verursachte

Als Ursache für die Insolvenz wurden exorbitante Kosten wegen millionenfacher Rückrufe vor allem bei Airbags genannt. Allein in den USA haben entsprechende Mängel zum Rückruf von 70 Mio. Exemplaren dieser Sicherheitsvorrichtungen geführt. Sie seien für mindestens 16 Todesfälle verantwortlich. Gegen 3 Takata-Manager wurden Strafanzeigen gestellt.

Sie sollen laut Anklage die Risiken mangelhafter Airbags mit manipulierten Testergebnissen verschleiert haben. Bereits im Januar hatte sich Takata mit den US-Justizbehörden auf einen Vergleich geeinigt. Die Gesellschaft gab die kriminellen Machenschaften zu und willigte Strafen in Höhe von 1 Mrd. US-$ zu zahlen.

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Die schadhaften Airbags konnten bei langer Einwirkung von Luftfeuchtigkeit und Hitze bei einem Unfall zu stark auslösen. Die betroffenen Automobilhersteller – darunter auch eine ganze Reihe deutscher – hatten wegen Takatas Weltmarktanteil von etwa 20 % bei Airbags nach einer Lösung gesucht, damit die Produktion bei dem Automobilzulieferer weitergeführt werden konnte.

Auch die Gründerfamilie war daran interessiert, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Trotz der Insolvenz soll die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die derzeit noch laufenden Rückrufe bei Airbags fortgesetzt werden.

US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) übernimmt Takata

Takata soll nun zur Finanzierung eines Umstrukturierungsplans an den US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS), der unter chinesischer Kontrolle steht, für eine Summe von rund 1,4 Mrd. € (175 Mrd. Yen) verkauft werden. Bei den Verhandlungen im Rahmen der Insolvenz wurde eine Grundsatzvereinbarung erzielt, wonach KSS nahezu alle operativen Geschäftstätigkeiten und Vermögenswerte übernimmt. Darunter auch die Produktion von Lenkrädern (der deutschen Betriebsstätte Petri AG, Aschaffenburg) und Sicherheitsgurten.

Die Aktien von Takata wurden vom Handel in Tokio ausgesetzt. Kurz darauf hat das Unternehmen eine Hauptversammlung abgehalten. Infolge des nunmehr geplanten Zusammenschlusses nahezu aller Fertigungsabschnitte von KSS und Takata soll ein Zulieferer der Automobilindustrie aus dem Bereich Sicherheitstechnik in 23 Ländern mit etwa 60.000 Mitarbeitern entstehen. Wie KSS mitteilte, sollen im Zuge der Übernahme keine Produktstätten geschlossen oder Stellen gestrichen werden.


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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.